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Fußball

"Wir wollen volle Stadien in Südafrika"

In weniger als zwei Monaten (11. Juni) eröffnen Gastgeber Südafrika und Mexiko die Fußball-WM 2010. Die Vorbereitungen gehen derweil in die letzte Runde. Dazu im DW-Gespräch: Der deutsche WM-Berater Horst R. Schmidt.

Fußballfans in Südafrika (Foto dpa)

Fußballfans in Südafrika

Seit der WM 1974 in Deutschland war Horst R. Schmidt bei jeder Fußball-Weltmeisterschaft maßgeblich an der Organisation beteiligt. Auch dem Organisationskomitee von Südafrika, vom 11. Juni bis 11. Juli WM-Gastgeber, steht der DFB-Schatzmeister als Berater zur Seite. Im Interview der Deutschen Welle blickt der 68-Jährige auf die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden, äußert sich zum Ticketverkauf und schätzt die viel diskutierte Sicherheitslage im Land ein. Die Fragen stellte Arnulf Boettcher.

Horst R. Schmidt, Sie sind Berater der FIFA für die Fußball- Weltmeisterschaft in Südafrika. Ihre Arbeit neigt sich dem Ende zu. Wie ist Ihre Bilanz?

DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt, Berater der WM-Organisatoren 2010 in Südafrika und das WM-Maskottchen Zakumi (Foto: AP)

Horst R. Schmidt und das WM-Maskottchen Zakumi

"Ich bin zufrieden über die Entwicklung, die in den letzten Jahren dort statt gefunden haben. Es ist auch keine Überraschung, dass man natürlich noch alle Hände voll zu tun hat, um das ein oder andere abzuschließen, etwa die temporären Maßnahmen in den Stadien, die im Übrigen fertig gestellt sind. Auch der Ticketverkauf beschäftigt uns, weil wir noch nicht ausverkauft sind. Es muss aber das Ziel bleiben, volle Stadien zu präsentieren. Und im Sicherheitsbereich sehe ich, dass die Vorbereitungen qualitativ wie quantitativ inzwischen einen Status erreicht haben, wo man sagen kann, es ist alles Menschenmögliche getan, um für WM-Besucher den wirklich notwendigen Sicherheitsstandard herzustellen."

Wo liegt das Problem bei der Ticketnachfrage?

"Es gibt mehrere Momente, die man sehen muss. Zum einen hat die Wirtschaftskrise viele davon abgehalten, die doch nicht ganz billige Reise aus Europa oder den anderen Kontinenten nach Südafrika anzutreten. Das betrifft auch eingefleischte Fußballfans, denn wir wissen ja, dass viele Fans im wirtschaftlichen Bereich nur limitierte Möglichkeiten haben. Die Diskussion um die Sicherheit wird sicherlich auch einen Beitrag geleistet haben, um den einen oder anderen, der vielleicht schwankend war, davon abzuhalten. Das Preisniveau der Tickets hat mehr für den nationalen lokalen Markt eine Rolle gespielt. Solche Preise ist man dort nicht gewohnt, um es ganz einfach zu sagen. Man darf auch nicht übersehen, dass wir einige Spielorte haben, die eben peripher gelegen sind wie zum Beispiel Nelspruit und Polokwane im Norden des Landes, wo man eben auch nicht so einfach hinkommt. Aber wir bleiben dabei. Unser Ziel ist es, die Stadien zu füllen und zwar mit verkauften Karten."

Man spricht auch von einem Transportproblem, wie kommen die Fans zu den Stadien?

"Es gibt sehr gute Entwicklungen im Transportbereich. Der öffentliche Nahverkehr in den Host-Cities hat sich gut entwickelt. Man hat begonnen, die Bahnverbindungen zu intensivieren und für den Nahverkehr auch Bahnhöfe an den Stadien einzurichten, wie zum Beispiel an beiden Stadien in Johannisburg. Man hat auch die Qualität der Waggons und der Züge verbessert, was auch notwendig war, wenn man das einmal gesehen hat. Aber es gibt keine Intercity-Bahnverbindungen wie bei uns, und das ist ein großes Handicap. Man muss entweder mit dem Taxi fahren und wenn es von Johannisburg nach Kapstadt geht, dann muss man einfach das Flugzeug nehmen."

Inzwischen sollen die Preise für Hotels und Unterkünfte deutlich gestiegen sein, wie sehen Sie das?

DFB-Kapitän Michael Ballack (r) im Länderspiel in Leverkusen gegen Südafrika am 5. September 2009. (Foto: AP)

Südafrika gegen Deutschland, vielleicht auch ein WM-Duell?

"Ja, das ist so. Obwohl ich sagen muss, auch das ist nichts Außergewöhnliches. Die FIFA versucht zwar vertraglich, das Preisniveau ab einem bestimmten Stichtag zu binden. Aber daran halten sich natürlich nicht alle. Es ist dort ein freier Markt und sie können die Menschen ja nicht verpflichten. Es ist ja auch irgendwie naheliegend, dass man Chancen sucht, bei einer WM auch wirtschaftlich zu partizipieren. Wichtig ist nur, dass man eine Balance findet."

Wie wird die deutsche Mannschaft in Südafrika gesehen, kann sie mit Unterstützung der Fans dort rechnen?

"Das ist auch eine interessante Frage. Wie ich es sehe, ist der deutsche Fußball dort nicht so populär wie zum Beispiel der englische. Die Premier League ist in aller Munde. Die Leute kennen alle Mannschaften und alle Spieler, weil dort fast täglich TV-Übertragungen stattfinden. Das gibt es von Deutschland aus nicht. Dennoch, die Insider können sehr wohl mit unserer Mannschaft und ihren Erfolgen in der Vergangenheit etwas anfangen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft, wenn sie die Performance zeigt, die man von ihr erwartet, auch von neutralen Zuschauern aus Südafrika Unterstützung findet."

Wenn Sie ihre Arbeit als WM-Berater rekapitulieren, gibt es etwas, das sie besonders überrascht hat?

"Ich hatte mir eigentlich ein ganz gutes Bild gemacht, wie man mit diesem Auftrag umgehen würde. Und von daher bin ich eigentlich in keinem Bereich so richtig enttäuscht worden. Man hat nur einfach, was den Fußball betrifft, von einer anderen Grundvoraussetzung auszugehen. Wir leben in Ländern, wo der Fußball eine unglaubliche Bedeutung hat und uneingeschränkte Sportart Nummer eins ist. Das ist in Südafrika nicht der Fall. Rugby ist dort zumindest genauso bedeutend, und Kricket spielt auch eine große Rolle. Von daher verteilen sich ein bisschen die Kräfte. Und das spürt man auch ein wenig beim Kartenverkauf. Das habe ich eigentlich so jetzt nicht gedacht." Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Stefan Nestler

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