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Politik

"Wir wollen ein faires Verfahren"

In Washington protestieren Angehörige von Guantanamo-Häftlingen. Mit dabei: Prominente und die Mutter von Murat Kurnaz. Der Türke aus Bremen wird seit zwei Jahren in dem Militärlager festgehalten.

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Auch Schauspielerin Vanessa Redgrave protestierte

Die Mutter von Murat Kurnaz steht auf den Stufen des "Supreme Court" in Washington, umringt von ihrem deutschen Anwalt Bernhard Docke, der britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave und amerikanischen Menschrechtsaktivisten.

Rabiye Kurnaz Mutter von Guantanamo Häftling

Die Mutter von Murat Kurnaz

Später wird Rabyie Kurnaz (Foto) zum Weißen Haus marschieren, um mit den Angehörigen anderer Guantanamo-Häftlinge aus Europa ein Protestschreiben an Präsident Bush zu übergeben. Der Grund: Seit über zwei Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrem 22-jährigen Sohn, der auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Guantanamo als Terrorverdächtiger gefangen gehalten wird. Ihre Forderung: Sie will ihren Sohn endlich wiedersehen.

Unabhängiges Gericht statt Militärtribunal

Kurnaz wird wie 660 andere Gefangene auch auf Guantanamo ohne Anklage und bisher auch ohne Rechtsbeistand festgehalten. Reinhard Docke, von der Mutter beauftragter Anwalt, fordert ein "faires Verfahren" für Murat. "Wenn es Beweise gibt, dann sollen sie angeklagt werden, aber vor einem Gericht, dass internationalen Standards entspricht", sagt Docke. Internationale Standards bedeute, dass die Gefangenen Anspruch auf einen Anwalt und auf Akteneinsicht haben und es sich um ein unabhängiges Gericht und kein Militärtribunal handele. "Es muß die Möglichkeit geben, Berufung oder Revision gegen ein Urteil einzulegen", betont Docke.

Der Anwalt und Kurnaz´ Familie wissen nicht, unter welchen Umständen der junge Türke gefangen genommen wurde. Vermutlich wollte Kurnaz, der in Bremen zur Welt kam, in Pakistan eine Koranschule besuchen. Die Mutter sah ihren Sohn das letzte Mal im Oktober 2001. Damals brach der Schiffbauer-Lehrling seine Ausbildung ab und verschwand mit unbekanntem Ziel. Als nächstes bekam Familie Kurnaz einen vom Roten Kreuz zugestellten Brief aus Guantanamo. Kurnaz Anwalt und die anderen in Washington versammelten Menschenrechtsaktivisten betonen, dass sie sich nicht anmaßen, über Schuld oder Unschuld der Guantanamo-Häftlinge urteilen zu wollen.

Verzweifelte Mutter

"Dass er jetzt seit über zwei Jahren dort festgehalten wird ohne Perspektive, ohne Zeitplan, ohne zu wissen, wann und ob er nach Hause komnmt, dass ist absolut unmenschlich und darüber hinaus illegal", sagt Docke. Er hofft nun, dass der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Kürze entscheidet, dass amerikanische Gerichte über die Gefangenen in Kuba Recht sprechen dürfen. "Wir wollen, dass dann bei einem günstigen Ausgang des Verfahrens das Leiden auf Guantanamo für viele ein Ende hat."

Die US-Regierung nimmt für sich in Anspruch, die Gefangenen human und im Einklang mit den Konventionen der Genfer Kriegsrechtskonvention zu behandeln. Und die USA behalten sich vor, die Gefangenen solange zu verhören, bis über eine Anklage vor Militärgerichten, ihre Auslieferung oder Freilassung entschieden werden kann. Solange will Mutter Kurnaz aber nicht warten: "Ich mache mir große Sorgen, um sein Leben."

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