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Nahost

"Wir wollen die Infrastruktur verbessern"

In den Palästinensergebieten herrscht eine bedrohliche Wasserknappheit. Daher werden mit deutscher Entwicklungshilfe Klärwerke gebaut. Marc Engelhardt von der KfW-Entwicklungsbank kümmert sich um die dortigen Projekte.

Palästinensischen Kind versucht aus dem Hahn eines Wassertanks zu trinken (Foto: AP)

Viele Palästinenser kaufen sich teuere Wassertanks, damit sie ihren alltäglichen Bedarf decken können

DW-WORLD.DE: Herr Engelhardt, wie gestaltet sich Entwicklungszusammenarbeit auf einem Gebiet, das staatlich nicht souverän ist und das auf das Wohlwollen Israels angewiesen ist?

Marc Engelhardt: Das läuft besser als man vielleicht denkt. Denn das Gebiet ist vielleicht nicht souverän, hat aber eine funktionierende Regierung unter Premierminister Salam Fayyad, die seit mehreren Jahren im Westjordanland und teilweise auch im Gazastreifen agiert. Und aus unserer Sicht agiert sie auch sehr professionell.

Im Gazastreifen war eigentlich ein neues Klärwerk geplant, jetzt wurde das alte Klärwerk wieder aufgebaut. Und auch da gab es Schwierigkeiten durch die Blockade. Wie hat sich das denn auf die Arbeit ausgewirkt?

Der Neubau eines Großklärwerks ist immer noch geplant. Wir

Marc Engelhardt (Foto: KfW)

Marc Engelhardt ist der Leiter des KfW-Büros in Ramallah

haben aber nun in einem ersten Schritt vor, die bestehende alte Kläranlage zu rehabilitieren und zu erweitern. In der Tat gab es lange Debatten mit der israelischen Seite über die Möglichkeit, wichtige Baumaterialien zu importieren. Im Sommer konnten wir dann einen Durchbruch erzielen. Wir haben vereinbart, dass Importe für dieses Klärwerk zugelassen werden. Und seit Mitte September läuft das auch. Wir haben etwa 100 Lastwagenladungen an Material, das entspricht etwa 4000 Tonnen, einführen können.

Wenn wir einen Blick auf den Schwerpunkt ihrer Arbeit in den palästinensischen Autonomiegebieten werfen, dann kommt der Wasserwirtschaft und der Wasseraufbereitung eine zentrale Rolle zu. Wie groß ist das Volumen dieser Projekte?

In der Tat ist der Wasser-, Abwasser- und Abfall-Sektor einer der größten Schwerpunkte unserer Arbeit in den Palästinensergebieten. Derzeit sind von Deutschland finanzierte Projekte im Wert von über 200 Millionen Euro in Vorbereitung oder in Umsetzung.

Muss man in einem solchen Flickenteppich wie dem Westjordanland nicht auch täglich politische Kontakte pflegen und Genehmigungen einholen?

Wir treten schon durchaus bewusst auch als Mittler zwischen der israelischen und der palästinensischen Seite auf, weil natürlich in vielen Großprojekten, nicht nur im Gazastreifen, sondern auch im Westjordanland, die Genehmigung der israelischen Behörden erforderlich ist. Wir können auch da immer wieder Erfolge verzeichnen und dementsprechend Projekte umsetzen.

Wie sieht denn die arabische Bevölkerung ihre Arbeit?

Zumindest in den Palästinensergebieten habe ich den Eindruck, dass unser Ruf sehr gut ist. Man hat erkannt, dass die deutsche Seite und die KfW-Entwicklungsbank hier ernsthafte Partner sind. Und dass wir daran interessiert sind, wirklich langfristig für eine Verbesserung der Infrastruktur zu sorgen. Erste Erfolge, die wir in den letzten Jahren erzielen konnten, wie der Bau der ersten modernen Kläranlage im Westjordanland überhaupt, unterstützen natürlich diesen guten Ruf.

Was für Projekte planen Sie denn für die Zukunft in den Palästinensergebieten?

Wir machen natürlich auch jenseits von Wasser- und Abfallprojekten noch mehr. Wir sind im Bildungsbereich aktiv. Wir starten gerade ein großes Bildungsprogramm gemeinsam mit Norwegen, Finnland und Irland, wo allein von deutscher Seite rund 40 Millionen Euro für den Bau und die Rehabilitierung von Schulgebäuden zugesagt wurden. Wir sind ebenso im Bereich der Privatsektor-Förderung aktiv und haben einen ersten Kredit-Garantiefonds zur Vergabe von Kleinkrediten für palästinensische Privatunternehmen gegründet. Das sind Aktivitäten, die wichtig sind und die wir auch fortführen möchten. Eine weitere Großkläranlage für die Stadt Nablus ist derzeit im Bau. Der Spatenstich erfolgte im Juni durch Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel. Wir rechnen damit, dass diese Kläranlage in etwa zwei Jahren in Betrieb geht und damit die zweite große Kläranlage im Westjordanland sein wird. Außerdem planen wir eine Mülldeponie für die Region Ramallah.

Wenn Sie die Jahre in Ramallah Revue passieren lassen, wo würden Sie sich dann mehr Unterstützung wünschen von beiden Seiten?

Zunächst muss man noch mal festhalten, dass die Regierenden in den palästinensischen Gebieten sowohl auf kommunaler Ebene als auch auf zentraler Ebene ziemlich dynamisch handeln. Da sind Leute, die wirklich einen Staat aufbauen wollen und daher auch mit sehr viel Engagement bei der Sache sind. Das ist etwas, das wir nicht in jedem Land, in dem wir arbeiten, so erleben. Natürlich gibt es Schwierigkeiten bei den Genehmigungsverfahren. Wir arbeiten sehr oft im so genannten C-Gebiet im Westjordanland. Und in diesem Gebiet muss die israelische Militärverwaltung oder Zivilverwaltung sämtliche Planungen von zivilen Projekten genehmigen. Diese Prozesse dauern auch schon mal Monate und auch Jahre. Das könnte man sicherlich schneller regeln. Da ist auch sehr viel Input von unserer Seite erforderlich.

Marc Engelhardt leitet seit 2009 in Teilzeit das KfW-Büro im palästinensischen Westjordanland in Ramallah.

Das Interview führte Thomas Kohlmann
Redaktion: Diana Hodali