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Weltklimakonferenz

"Wir werden weitergehen"

Der nächtliche Verhandlungsmarathon, wie sonst meist bei Klimakonferenzen, fällt aus. Stattdessen werden Zeichen gesetzt, auch gegen Donald Trump. Und aus Berlin kommt ein E-Motorrad. Aus Marrakesch Jens Thurau.

Geschafft: Jörn Ehlers, Pressesprecher der Umweltgruppe WWF, steigt von seinem E-Motorrad. 3600 Kilometer liegen hinter ihm und seinem Beifahrer Frank Krippner vom Ökostromanbieter Lichtblick. Vor zwei Wochen sind sie in Berlin losgefahren, um zu zeigen, wie umweltfreundliche Mobilität heute geht. Sie haben Frankreich und Spanien durchquert. Die Fähre nach Marokko genommen.Und zwischendurch die Kunde vom Wahlsieg Donald Trumps aus Amerika vernommen: "Wir haben das in Frankreich gehört. Das hat uns natürlich auch erst einmal unangenehm überrascht. Aber Trump hin oder her: Es geht kein Weg daran vorbei, dass wir den Klimaschutz weiter vorantreiben", so Ehlers zur DW, schwitzend in der Motorradlederjacke in der Sonne von Marrakesch.

Marokko Klimakonferenz Marrakesch Ankunft Motorradfahrer (WWF/M. Schehl )

Ankunft des E-Motorrads in Marrakesch

45 Staaten verzichten auf die Kohle

 Das Motto der ganzen Konferenz, vor allem an diesem letzten Tag, lautet: Weitergehen, nicht entmutigen lassen, wir haben viel erreicht. Am Freitag erklären 45 Staaten, die besonders unter dem Klimawandel leiden, dass sie ihre Energieversorgung so schnell wie möglich ganz auf erneuerbare Energien umstellen wollen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem das Gastgeberland Marokko, Kambodscha, Sudan und die pazifische Inselrepublik Kiribati.

Video ansehen 01:29

Trotzstimmung in Marrakesch

Kritik an Deutschland

Das ist ein bisschen peinlich für den Klimavorreiter Deutschland, der selbst bis 2050 weitgehend, aber nicht ganz auf Kohle verzichten will. Umweltministerin Hendricks (SPD) hatte einen Klimaplan mit nach Marokko gebracht, in dem es heißt, das Land werde seine Klimagase um 80 bis 95 Prozent verringern. Prompt nutzten Umweltgruppen die Initiative der 45 Staaten zur Kritik an der Bundesregierung. Martin Kaiser von Greenpeace sagte: "Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland beim Kohleausstieg inzwischen von immer mehr Ländern überholt wird. Die Bundesregierung darf diese wichtige Entscheidung nicht länger verschleppen, sie muss jetzt einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030 umsetzen." Hendricks' Staatssekretär Jochen Flasbarth nahm das im Gespräch mit Journalisten entspannt zur Kenntnis: "Dass wir das am Ende machen, daran kann doch überhaupt kein Zweifel bestehen. Und vielleicht müssen wir das ein bisschen schneller machen als der eine oder andere denkt."

Alle gegen Donald Trump

 Aber so richtig am Pranger steht in Marrakesch immer und überall Donald Trump: Am Mittag versammeln sich Umweltschützer, Delegierte und Wissenschaftler zu einem Gruppenfoto: "We will move ahead" ist auf dem Transparent zu lesen, das vor ihnen auf dem Boden liegt. Wer da zurückgelassen wird, ist kein Geheimnis. Zuvor hat die noch amtierende Obama-Regierung rasch ihre ehrgeizigen Klimaziele für den Paris-Vertrag bekannt gegeben. Wohlwissend, dass Trump sie streichen wird. Noch so ein Zeichen.

Südafrika Kohlekraftwerk (Getty Images/AFP/M. Safodien)

Kohlekraftwerke gelten als Klimakiller

Marrakesch ohne Trump: Feinarbeit am Paris-Vertrag

Die Konferenz selbst beschäftigt sich im Wesentlichen mit unstrittigen Details. Eine Arbeitskonferenz war das in Marrakesch. Das Plenum hat einen Text des Königs von Marokko beschlossen, in dem dazu aufgerufen wird, nicht nachzulassen beim Kampf gegen die Treibhausgase. Und Arbeitsgruppen haben getagt, um festzulegen, wer die Klimaziele der Staaten wann und wie genau überprüfen soll. Denn das ist der Kern des Pariser Klimavertrags, der letztes Jahr mit viel Euphorie beschlossen wurde: Die Staaten legen nationale Klimapläne vor, die mithelfen sollen, die Erdtemperatur nicht über zwei Grad steigen zu lassen.

Reiche Staaten helfen armen

Bis 2020 haben die Staaten noch Zeit, diese Pläne auszuarbeiten. Reiche Länder wie Deutschland helfen armen Staaten, diese Pläne auszuarbeiten, Klimadaten zu messen etwa oder Gesetzestexte zu formulieren. Das ist wenig spektakulär, zeigt aber, wie einig sich die Staaten in den Grundzügen der internationalen Klimapolitik sind. Bleibt nur das Problem USA: Dass Washington unter der Führung von Donald Trump keine treibende Kraft mehr sein wird auf Klimatreffen, damit haben sich alle abgefunden.

 

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