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Kultur

"Wir waren Papst!" Emeritierter Papst Benedikt XVI. ist 90

Kardinal Joseph Ratzinger galt als äußerst konservativ - als "Übergangspapst". In der Tat war sein Pontifikat mit acht Jahren und dem frei gewählten Rücktritt eher kurz. Wir zeigen neun seiner weniger bekannten Seiten.

Seinen 90. Geburtstag am 16. April 2017 hat Papst Benedikt XVI. im Vatikan in aller Stille begangen. Offizielle Feiern gab es nicht. Einziger Geburtstagsgast war sein Bruder Georg Ratzinger (93), der eigens aus Deutschland angereist war. Der amtierende Papst Franziskus hatte seinen Vorgänger im Amt bereits vorab in dessen Alterssitz in den vatikanischen Gärten aufgesucht, um ihm seine persönlichen Glückwünsche zu überbringen.

Auch die deutschen Bischöfe hatten gratuliert: "Die Kirche Deutschlands empfindet ein tiefes Gefühl des Dankes für ihr lebenslanges Zeugnis und für Ihre väterliche Nähe", schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki übermittelte Benedikt am Ostersonntag "Herzliche Glück- und Segenswünsche aus Ihrer alten Heimat am Rhein, wo sie lange Jahre in Bonn als Theologieprofessor gelebt und gearbeitet haben. "

Bescheidener Arbeiter voller Demut

"Wir sind Papst!" lautete der unvergessene Titel der Boulevard-Zeitung BILD am 20. April 2005. Am Tag zuvor war Kardinal Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der Katholischen Kirche und damit auch des Vatikanstaats gewählt worden. Das Konklave, bestehend aus 115 Kardinälen, brauchte keine zwei Tage, bis es sich entschieden hatte, wer die Nachfolge des ungemein beliebten und charismatischen Papstes Johannes Paul II. antreten sollte. Als dann weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle stieg und kurz darauf Kardinal Ratzinger als neuer Papst präsentiert wurde, staunten die meisten Gläubigen und Kommentatoren in aller Welt. Ein deutscher Papst, bereits 78 Jahre alt und noch dazu medienscheu, spröde und zurückhaltend?

Offensichtlich wunderte sich auch der Würdenträger selbst, als er bei seiner ersten Ansprache auf die Benediktionsloggia des Petersdoms das Wort an die Gläubigen richtete:

"Liebe Schwestern und Brüder! Nach einem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinäle mich gewählt, einen einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen zu arbeiten und zu wirken weiß. Vor allem vertraue ich mich euren Gebeten an."

Wir sind Papst, Schlagzeile der BILD (dapd)

BILD brachte es 2005 auf den Punkt: Wir sind Papst!

Joseph Ratzinger wählte für sich den Papstnamen Benedikt. Damit war er der 16. Papst mit diesem Namen. Zuletzt hatte Benedikt der XV. von 1914 bis 1922 das Pontifikat inne. Erinnert wird mit dieser Namenswahl an Benedikt von Nursia, einen italienischen Einsiedler, Abt und Ordensgründer des Frühmittelalters.

Streng gläubiger Lebensweg

Joseph Aloisius Ratzinger wurde am 16. April 1927 im oberbayerischen Marktl am Inn geboren, als zweiter Sohn einer strenggläubigen Familie. Nach Priesterweihe und einer Promotion in Theologie lehrte er als Hochschulprofessor an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Tübingen und Regensburg. Bereits 1977 wurde er Erzbischof von München und Freising. 1981 berief ihn dann Papst Johannes Paul II. als Präfekt der Glaubenskongregation in den Vatikan - eine verantwortungsvolle Position. Der damalige Papst hatte ihn bereits drei Jahre zuvor angefragt, doch Ratzinger bat um Bedenkzeit. Johannes Paul II. wiederholte die Berufung mit Nachdruck: "Jetzt muss ich Sie aber unbedingt haben."

In dieser Position am Vatikan blieb Kardinal Ratzinger bis zu seiner eigenen Papstwahl. Dabei hatte er im Alter von 75 - also drei Jahre zuvor - Johannes Paul II. um Entlassung bitten wollen, damit er sich an seinem bayerischen Wohnort der Schriftstellerei widmen könne. Sein Chef soll damals gesagt haben: "Sie brauchen den Brief gar nicht zu schreiben, denn ich will Sie bis zum Ende haben."

Sehnsucht nach Ruhe

85. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. (picture-alliance/dpa)

Langjährige Wegbegleiter: Karol Wojtyla, Papst Johannes Paul II. (l.), und Joseph Ratzinger, hier im Jahre 1979

Was zeichnete das Pontifikat dieses Papstes wider Willen aus, der sich schon nach acht Jahren doch zurückzog - zwar nicht ins geliebte Bayern sondern ins Kloster Mater Ecclesiae im Vatikanstaat? Benedikt XVI. war mit vielen Visionen angetreten: In der Ökumene und auch in der Beziehung zu den Weltreligionen wollte er den Dialog voranbringen - Vorhaben, die er nur zum Teil verwirklichte. Eine besonders schwere Krise traf ihn 2010, als die Welle der aufgedeckten Missbrauchsskandale in katholischen Einrichtungen nach den USA und Irland auch Deutschland erfasste.

Während der Kindesmissbrauch durch Priester ganz Deutschland empörte, ließ Benedikt lange auf ein kirchliches Schuldeingeständnis warten. Umstritten - weil von vielen falsch verstanden - war auch seine Regensburger Rede, in der er, so die Kritiker, den Islam mit Gewalt verknüpft habe. Auf seine Annäherungen an die extrem konservative Piusbruderschaft reagierten viele innerhalb und außerhalb der römisch-katholischen Kirche mit Unverständnis.

Auch wenn von vielen Menschen schon allein aufgrund seines Alters als "Übergangspapst" betitelt, wusste Benedikt XVI. seinem Pontifikat eine klare, konservative Richtung zu geben. Und jenseits der Weltpolitik, der Religionskrisen und Glaubensfragen? Was zeichnete den ersten Deutschen auf dem päpstlichen Thron seit dem 16. Jahrhundert menschlich aus? In unserer Bildergalerie finden sie neun wenig bekannte Seiten des katholischen Kirchenoberhaupts.

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