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Wir Umstandswörter sind wichtig!

Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Deutschen: die Adverbien. Sie zu erkennen, ist nicht immer leicht. Was macht ein Umstandswort aus? Ein Adverb begibt sich auf den Weg, sich zu erklären.

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Wir Umstandswörter sind wichtig!

„Wann wollen wir denn ins Kino gehen? Heute oder morgen?“ „Kommt drauf an, ob wir mal einen wirklich spannenden Film aussuchen oder wieder so einen öden Problemfilm.“ „Was willst du mir denn jetzt damit sagen? Dass ich immer langweilige Filme sehen will? Hör mal, wenn du mir so kommst, kannst du gleich vor der Glotze sitzen bleiben!“ „Okay, ganz ehrlich gesagt kommt nachher ein Länderspiel, das wollte ich mir eigentlich sowieso ansehen. Geh’n wir also morgen ins Kino.“ „Kommt drauf an.“ „Worauf?“ „Was weiß ich, wie ich morgen drauf bin!“

Wir Umstandswörter sind nicht umständlich

Ein Mann fotografiert den nächtlichen Sternenhimmel (picture alliance/All Canada Photos)

Es ist schön, „nachts“ den Sternenhimmel zu beobachten

Haben die beiden jetzt ein Problem? – Ach was, die liegen sich früher oder später doch wieder in den Armen. Ich kenne das schon: Er redet immer so umständlich, anstatt mal klar seine Meinung zu sagen, und sie regt sich dann darüber auf. –

Drückt er sich denn so umständlich aus, weil er so viele Umstandswörter benutzt? –

Da irren Sie sich aber gewaltig! Wir Umstandswörter, auch Adverbien genannt, bringen die Umstände mit nur einem Wort ins Spiel: hier, da, jetzt, gleich, eigentlich, heute, morgen, tagsüber, nachts, gern oder ungern.

Wir verbinden uns gern, sind Ökonomen bei der Textgestaltung

Wir Adverbien beschreiben andere Wortarten wie Verben oder Adjektive näher. Aber wir beziehen uns auch auf Sätze oder Satzteile. Der Kollege „da“ zum Beispiel verbindet sich gerne mit Präpositionen und kann auf diese Weise ganze Satzteile ersetzen.

So kann man im Text unnötige Wiederholungen vermeiden. Wir Adverbien sind, und das ist jetzt keinesfalls überheblich, die Ökonomen bei der Textgestaltung.

Wir haben eine deiktische Funktion

Ich darf auch darauf aufmerksam machen, dass wir eine so genannte deiktische, also hinweisende, Funktion haben. Will einfach sagen, wir Adverbien können uns auf eine Sprechsituation, einen Ort oder auf die Zeit beziehen.

„Hier spielt die Musik“ sagen Sie doch, wenn Sie die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes lenken wollen. Wir können entweder auf etwas vorausweisen oder auf eine Aussage zurückweisen.

Wir sind manchmal ziellos

Karikatur Der Hase und der Igel: Der Hase (rechts) kommt abgehetzt, mit heraushängender Zunge am Ziel an. Dort unter dem Schild Ziel liegt in entspannter Haltung der Igel (picture-alliance/Willy Moese)

Gehetzt rennt der Hase zwischen zwei Punkten „hin und her“. Nur waren der Igel und seine Frau schlauer!

„Super! Klasse gespielt. Ein guter Stürmer geht eben immer dahin, wo es richtig wehtut. Dadurch stiftet er Unruhe!“ „Ich verstehe das nicht. Der Mann läuft doch einfach nur hin und her.“ – „Hin“ und „her“, das heißt ziellos, ohne Richtung.

Wenn die Richtungsadverbien „hin und her“ alleine für sich stehen, dann entscheidet die Position des Sprechers über ihre Wahl. „Her“ benutzen Sie, wenn Sie eine Bewegung auf den Sprecher oder Adressaten „zu“ ausdrücken wollen.

Und „hin“ gebrauchen Sie, um eine Bewegung vom Sprecher „weg“ auszudrücken. Übrigens können Sie „hin“ und „her“ auch mit Fragewörtern und Präpositionen kombinieren.

Wir machen präzise Angaben

Aber lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Wir Umstandswörter machen ganz präzise Angaben zu Ort, Art und Weise, Zeit und Grund: „da, dort, kaum, keineswegs, so, kürzlich, früher, heute, demnächst, hiermit, jedenfalls, deshalb ...“.

Manche von uns beziehen sich auf Situationen oder Sprecher, verweisen auf Wörter oder Satzteile. Andere, die absoluten Adverbien, tun dies gerade nicht. – „Westwärts“ zieht der Wind! Eisbären weinen „nie“! –

Wir wünschen uns ein bisschen mehr Anerkennung!

Miroslav Klose 2006 Freudensprung (picture-alliance / Pressefoto ULMER)

In mancher Situation ist die Freude „sehr“ groß.

Ich bin erfreut, dass Sie mitdenken. Manchmal wünsche ich mir nämlich ein bisschen mehr Anerkennung für uns Umstandswörter. Ganz zu schweigen davon, dass gewisse Umstände kaum gewürdigt werden.

Nur ein Beispiel: Tagesabschnitte und Wochentage – „vormittags“ oder „samstags“ – können als Adverbien benutzt Regelmäßigkeiten ausdrücken.

Zusammen mit einem Zeitadverb oder einer adverbialen Bestimmung ergeben sie so sehr präzise Angaben. Adverbien der Art und Weise dagegen geben genau Auskunft über einen Zustand, eine Qualität oder eine Quantität. Es ist ja zum Beispiel ein himmelweiter Unterschied, ob Sie sich „sehr“ oder „kaum“ über etwas freuen.

Unsere Satzposition kann entscheidend sein

Na ja, aber viel wichtiger ist: Je nach unserer Satzposition können wir eine Bedeutungsveränderung im Text bewirken. Vorn im Mittelfeld haben wir eine unauffällige Position. Stehen wir aber weiter hinten, ist die Textbedeutung betont.

Und einige von uns Adverbien haben Eingang in die hohe deutsche Literatur gefunden. Ein Beispiel nur: Goethe, Faust, erster Teil. Faust und Wagner sind auf dem Osterspaziergang. Um sie herum erwacht die Natur, Faust fühlt sich so richtig wohl im bunten Volksgetümmel, und was sagt er da? – „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“ – Seither verwenden wir dieses Zitat, um auszudrücken, dass wir uns in einer Umgebung richtig wohl fühlen.

Ein Lied und ganz viele Umstandswörter

Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort, / Hab’ mich niemals deswegen beklagt. / Hab’ es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt, / Nie nach gestern und morgen gefragt. / Manchmal träume ich schwer, und dann denk’ ich, es wär’ / Zeit zu bleiben und nun was ganz Andres zu tun. / So vergeht Jahr um Jahr, und es ist mir längst klar, / Dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.“

Ach, das Lied find’ ich schön. Es sind so viele Umstandswörter darin.

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