1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Wir sollten den Schweizern dankbar sein

Themenbild Pro und Contra (Grafik: DW)

Sind Minarette eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden?

Cornelia Rabitz (Foto: DW)

Cornelia Rabitz

In einem demokratischen Verfahren haben sich die Schweizer Bürger mehrheitlich gegen den Bau von Minaretten ausgesprochen. Ein Aufschrei der Empörung war das öffentliche Echo - auch hier in Deutschland. Wer jenseits dieses Protests einmal darauf hört, was die Bevölkerung sagt, muss freilich zu dem Schluss kommen: In unserem Land Deutschland würden die Ergebnisse sehr wahrscheinlich ähnlich ausfallen.

Minarette sind nicht nur Zeichen muslimischer Präsenz und religiöser Selbstbehauptung. Sie sind auch ein Symbol. Das lehrt uns die Debatte um den Schweizer Entscheid. Ihre Ablehnung steht symbolisch für ein gewachsenes Unbehagen der Mehrheitsgesellschaft gegenüber der islamischen Minderheit - für versäumte Integrationsangebote ebenso wie für nicht erbrachte Anpassungsleistungen.

Das Schweizerische Minarettverbot ist - anders als vielfach behauptet - kein Anschlag auf das Grundrecht der Religionsfreiheit. Natürlich dürfen Muslime auch dort weiter in Moscheen beten.

Ein von Tabus dominierter öffentlicher Diskurs indes verschleiert die Verachtung vieler junger Muslime für unsere Gesellschaft und Werteordnung, wie auch die Versäumnisse von Eltern, die kaum oder nur unzureichend Deutsch sprechen und ihre Töchter im Grundschulalter zum Tragen eines Kopftuchs zwingen, sie nicht am Sport oder am Schulausflug teilnehmen lassen, die Mädchen gegen deren Willen verheiraten und Jungen zu Machos heranwachsen lassen. Zur Rechtfertigung dafür werden eben auch der islamische Glaube und seine Tradition in Anspruch genommen.

Dagegen stehen Bürgerinnen und Bürger, die sich in ihren berechtigten Sorgen um die Entwicklung von der Politik nicht ernst genommen fühlen. Sozialarbeiter, Jugendrichter, Lehrer, die sich allein gelassen sehen in ihren Bemühungen, mit den massiven Problemen umzugehen. Stattdessen dominiert weithin eine falsch verstandene politische Korrektheit. Beschönigen, verschweigen, vertuschen - wer sich kritisch zum Thema äußert wird geradezu reflexhaft in eine Ecke mit Rechtsradikalen und Ausländerfeinden gestellt.

Ich finde das, was von diesen Leuten zum Thema geäußert wird, unerträglich. Sind aber Muslime darum nur Opfer? Ich glaube nicht! Wo sind die Stimmen gemäßigter muslimischer Verbände bei solchen öffentlichen Debatten? Warum tun die Muslime selbst so wenig, um Vorurteile auszuräumen, Ängste zu beschwichtigen? Wo ist ihr Engagement dafür, dass Mädchen und Jungen gleichberechtigt aufwachsen, Zuwanderer die deutsche Sprache sprechen sollen? Ich würde diese Stimmen sehr gerne hören!

Dies alles verbirgt sich hinter dem Minarett-Streit. Insofern sollten wir den Schweizern dankbar sein: Dankbar dafür, dass sie mit ihrer Entscheidung auch uns eine offene Debatte ermöglichen. Noch haben wir die Chance dazu.

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Kay-Alexander Scholz