1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

„Wir sind keine Experten für Islam, Integration und Gemüsehandel!“

Rassismus fängt nicht erst da an, wo „Ausländer raus“ gegrölt wird. Viele Kinder und Enkel von Einwanderern stoßen im deutschen Alltag auf Fremdenfeindlichkeit, die zwar subtil, aber dennoch sehr frustrierend ist.

„Ich habe meine Schauspielerkarriere beendet, weil ich nicht immer nur Drogenhändler und Dönerbudenbesitzer spielen wollte“, sagt Tahir Della von der Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“. Der Journalist spricht zwar unverkennbar mit bayerischem Akzent, doch wenn er auf die Frage nach seiner Herkunft „aus München“ antwortet, geben sich die meisten damit nicht zufrieden. Dass er daraufhin oft noch gefragt wird „Und, wo kommst du wirklich her?“, nervt nicht nur ihn, sondern auch viele andere Deutsche mit ausländischen Wurzeln.

Wenn von Integrationspolitik gesprochen wird, geht es meist um Sprachkurse, Elternabende und Bildungsangebote. Doch die Kinder und Enkel von Einwanderern machen oft die Erfahrung, dass sie im Alltag eher über ihr „anderes Aussehen“ oder ihren „exotischen Namen“ definiert werden. Ihre Sprachkenntnisse oder die Frage, wie sehr sie sich selbst mit ihrem Geburtsland Deutschland identifizieren, spielen kaum eine Rolle.

So erging es auch Gökhan aus Köln. Als der Sohn türkischer Einwanderer sein Fußballteam telefonisch für ein Turnier zwischen verschiedenen Hobbymannschaften anmelden wollte, hieß es erst: „Tut uns leid, wir haben schon genügend Anmeldungen.“ Als es der perfekt Deutsch sprechende Kicker noch einmal unter dem Namen „Peter Schmitz“ versuchte, war plötzlich noch ein Platz auf der Liste frei.

Zwar wissen auch die Vertreter von Initiativen, die sich für die zweite und dritte Generation von Einwanderern einsetzen, dass man mit Gesetzen nicht wirklich gegen diese Art von Ausgrenzung im Alltag ankommt. Doch sie hoffen, dass eine stärkere Beteiligung von Zuwanderern in öffentlichen Gremien mit der Zeit dazu führen wird, dass die Fixierung auf die Herkunft und das äußerliche Erscheinungsbild allmählich abnimmt. So wirbt auch die Initiative „Vielfaltfinder“, eine Datenbank für Experten mit Migrationshintergrund, dafür, sich von den Klischees aus der Zeit der ersten Gastarbeiter zu lösen. Ihr Slogan: „Wir sind keine Experten für Islam, Integration und Gemüsehandel – sondern für Deichbau, deutsche Sprache und Mietrecht.“

Auch die Verwendung von Sprache birgt oft Probleme. So stoßen sich Deutsche, deren Eltern oder Großeltern eingewandert sind, auch an Begriffen, die eigentlich gut gemeint sind. „Da wird zum Beispiel über Fremdenfeindlichkeit diskutiert, aber wir fühlen uns ja gar nicht fremd“, sagt Ferda Ataman von der Initiative „Neue deutsche Medienmacher“. Sie hat kürzlich eine Broschüre mit „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ herausgegeben. Darin werden alle Begriffe erklärt, die im weitesten Sinne mit Zuwanderung zu tun haben. Dass von der Frage nach der „politisch korrekten Ausdrucksweise“ in diesem Themenfeld inzwischen auch Deutsche ohne Migrationshintergrund betroffen sind, zeigen die verschiedenen Bezeichnungen, die für sie in den vergangenen Jahren erfunden wurden: von „Biodeutschen“ über „Herkunftsdeutsche“ bis hin zum „Copyright-Deutschen“.

bs/ip (dpa)

Die Redaktion empfiehlt