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Alltagsdeutsch – Podcast

Wir sind Helden

Sie war eine der erfolgreichsten deutschen Pop-Rockbands der vergangenen Jahre: „Wir sind Helden“. Ihre Kritik an gesellschaftlichen und politischen Missständen wurde in eine mainstreamtaugliche Musik verpackt.

Musik:

Wir sind Helden: Guten Tag

Sprecher:
Im Jahr 2000 gründet sich eine junge Band in Berlin – ein Vorgang, der fast täglich und überall stattfindet. Aber diesmal ist es eine Band, die bald von großer Bedeutung für die deutsche Musiklandschaft sein wird. Besonders in Studentenkreisen entfaltet sie ihre Wirkung, denn sie ist politisch irgendwie links, frech, aber irgendwie auch nett. Das mögen alle. Marc Tavassol, Pola Roy, Jean-Michel Tourette und Judith Holofernes sind „Wir sind Helden“. Bis auf Marc haben sich alle Künstlernamen gegeben. Marc, Pola und Judith sagen, was sie dazu bewegte, zusammen zu musizieren:

Marc / Pola / Judith:
„Pola ist ja der Mensch, den ich am längsten kenne aus der Band und vorher schon als einen meiner besten Freunde bezeichnet hab. / Mit Jean habe ich einmal zusammen gespielt, und mir war irgendwie klar, dass ich mit dem Musik machen will. Es war so Liebe auf den ersten Blick. / Marc ist oft skeptisch, aber oft auch in den richtigen Momenten. Also, ich glaube, das ist ein ganz guter Posten bei uns in der Band. Ich glaub', wenn wir so jemanden nicht hätten, dann würden wir relativ oft irgendwie von der Bühne fallen.“

Sprecher:
Alle drei respektierten sich gegenseitig und wussten um das Können des jeweils anderen. Während Marc und Pola sich kannten, bevor die Band zusammenfand, war das bei Pola und Jean anders. Pola hatte einmal mit Jean musiziert und sofort festgestellt, dass sie beide gut zusammenpassen. Es war – ähnlich wie bei Liebespaaren – sprichwörtlich Liebe auf den ersten Blick. Judith ihrerseits schätzt an Marc, dass er vieles in Frage stellt, skeptisch ist, und zwar an Stellen, wo es auch stimmt. Deshalb war seine Stellung in der Band sehr wichtig, ein guter Posten, sagt Judith. Denn ansonsten wäre man schon mal mit dem einen oder anderen Song gescheitert oder – wie Judith es bildlich ausdrückt – von der Bühne gefallen. Bei Wir sind Helden begann alles mit einem Hit. Das war 2002, und der Hit hieß Guten Tag. [Musik: Guten Tag] Gemessen an den späteren Auflagen ihrer Songs muten die 3000 Stück, die in der Erstauflage produziert wurden, gering an. Zunächst war die Band auch nur in Berlin bekannt, weil der dortige Radiosender radioeins den Song Guten Tag regelmäßig spielte. Als erstes Album erschien 2003 Die Reklamation, ein Album mit viel Kritik an der Konsumgesellschaft und der Musikindustrie. Judith Holofernes erklärt, welche Absicht mit dem Albumtitel verfolgt wird, welcher Gedanke dahintersteht:

Judith Holofernes:
„Ich glaub' schon, dass dieser Reklamationsgedanke sich irgendwie durchzieht. Dass wir was zurückfordern oder dass wir irgendwas für uns wieder einfordern, und sei es nur zum Beispiel rückhaltlose Liebe oder irgendwie Freiheit.“

Sprecher:
Wer etwas reklamiert, beschwert sich in der Regel bei jemand anderem, dass etwas nicht funktioniert, sei es ein Mobiltelefon oder ein Produkt aus einem Sonderangebot, oder wie es in einer Liedzeile heißt: „Guten Tag, ich will mein Leben zurück.“ Judith Holofernes erklärt, dass der Song aber nicht nur auf Produkte bezogen werden kann, sondern auch auf Gefühle wie Liebe oder gesellschaftliche Zustände wie Freiheit oder Unfreiheit. Die Songs der Helden kommen an. Nicht zuletzt wegen der munteren und freundlichen Ausstrahlung von Sängerin Judith Holofernes. Sie nimmt sprichwörtlich kein Blatt vor den Mund, äußert Unbequemes aber in einer freundlichen, lächelnden Art. Und das, so meint Marc, richtig gut:

Marc Tavassol:
„Judith schreibt mit die besten Texte, deutschsprachigen Texte, die ich kenne. Und dieser Esprit, den merkt man ihr auch an, wenn man sie sprechen hört oder wenn man sich mit ihr unterhält.“

Sprecher:
Marc ist der Meinung, dass Judith Esprit hat. Das Wort Esprit kommt aus dem Französischen und steht für Geist und Witz. Hat eine Person Esprit, gilt sie als witzig, geistreich, sie ist jemand, mit dem man gerne zusammen ist. Judith kommt an, weil sie die Fähigkeit hat, sich in einer ironischen, nicht verletzenden Art zu äußern. Ihre Liedtexte gelten als Beispiel ihrer Fähigkeit, mit Worten und deren Bedeutungen zu spielen. Zum Beispiel: „Mach die Lichter aus-nahmsweise mal nicht aus, du bringst mich um Schlaf und Verstand, endlich ein Grund-los!-Panik! [Musik: Endlich ein Grund zur Panik]. Nach dem ersten Album Reklamation bringt die Band drei weitere Alben heraus: Von hier an blind, Soundso und Bring mich nach Hause. Wegen der hohen Zahl verkaufter Ton- und Bildträger erhält sie drei sogenannte Schallplatten in Gold und sechs in Platin sowie fünf Mal den renommierten Musikpreis Echo. An den Erfolg der ersten beiden Alben können die nachfolgenden beiden jedoch nicht richtig anknüpfen. Die Musik von den Helden macht in erster Linie Spaß und eignet sich hervorragend zum Mitsingen. Allerdings gibt es zwischen den Zeilen viel, was zum Nachdenken anregt. Und das hat seinen Grund, wie Judith sagt:

Judith Holofernes:
„Wenn man irgendwie sich zaghaft rausstellt in den Wald und sagt, dass man als Mensch oder mit seiner Kunst tendenziell irgendwie zum Guten in der Welt beitragen möchte, das glaubst du nicht. Also, ich meine, klar, gibt es ganz viele Leute, die das super finden, aber es gibt auch massiven Gegenwind, und vor allem hab ich schon bei der ersten Platte gemerkt, dass eigentlich in Deutschland tatsächlich genau die Leute, die sich über so was freuen, über 'ne politische Band zum Beispiel, dann gleich so was Investigatives kriegen: ‚Wo werden sie uns verraten'?“

Sprecher:
Nur als sogenannte Gutmenschen aufzutreten, die von der Richtung her, tendenziell, zur Verbesserung der Welt beitragen möchten, das wolle man nicht, sagt Judith. Denn das würde man nicht von den Helden erwarten. Als politische Band sei man zwar willkommen. Allerdings gebe es Widerstände, man spüre massiven Gegenwind, wie es Judith bildhaft ausdrückt. Manche Leute würden ihre Texte hinterfragen, sie bekämen so etwas Investigatives. Da gehe es darum, ob die Band, mit dem, was sie ausdrücke, auch glaubwürdig sei. „Wir sind Helden“ versuchte, den Menschen in ihren Songs gesellschaftliche Themen nahezubringen, die sie als Missstand empfanden, wie die Orientierung am Konsum und den Einfluss von Medien, etwa dem Massenblatt „Bild“.

Judith Holofernes:
„Guten Tag, hier ist Judith Holofernes von der Musikgruppe Wir sind Helden und ihr hört unser Lied Wir müssen nur wollen.“ [Musik: Wir müssen nur wollen]

Sprecher:
In dem Song Wir müssen nur wollen wird die Frage danach gestellt, ob die Menschen alles, was sie können, auch umsetzen müssen. Allerdings: Wer will, kann es auch – so der Tenor. Die Helden werden von Jung und Alt akzeptiert. Da hebt mancher auch ein kleines Schnapsglas und trinkt 'n Schnäpschen:

O-Töne:
Wir sind Helden, wir können alles schaffen! Oh, nu, warum nicht? / Gar keine schlechte Musik, davon abgesehen, find' ick nicht schlecht. /Dann trinken wir 'n Schnäpschen auf die Helden, also: Prost, Jungs, weiter so!“

Sprecher:
Die Aufforderung dieser Berliner Fans weiterzumachen, ist gut gemeint. Allerdings gab die Band im April 2012 auf ihrer Internetseite bekannt, dass sie eine Pause machen will. Unter der Überschrift „Wir sind erst mal raus“ wurde den Fans mitgeteilt, dass man bisher trotz Kindern, unterschiedlicher Wohnorte und – so wörtlich – „diverser Abnutzungserscheinungen“ an dem „gemeinsamen Baby“ namens Band festgehalten habe. „Raus“ bedeute aber nicht, „dass ihr euch nicht auf Schönes aus unserer Ecke freuen könnt. Einzeln und in allen möglichen Konstellationen werden wir sicher von uns hören lassen.“ Na denn – Comeback nicht ausgeschlossen!

Musik:
Wir sind Helden: Denkmal





Fragen zum Text

Peter ist in seiner Firma unkündbar. Sein …
1. Stuhl steht fest.
2. Posten ist sicher.
3. Pfosten ist fest eingerammt.

Hannas Waschmaschine ist kurz nach dem Kauf kaputtgegangen. Sie …
1. muss sie reklamieren.
2. kann sie respektieren.
3. will sie renovieren.

Hans kommt mit einer neuen Verkaufsidee bei seinem Chef nicht an. Er …
1. stößt auf Widerstand.
2. findet Anklang.
3. bestimmt die Richtung.


Arbeitsauftrag
Lies dir den folgenden Songtext von „Wir sind Helden“ genau durch. Beschreibe anschließend, was sie in den beiden Strophen ausdrücken wollen.

Muss ich immer alles müssen, was ich kann
eine Hand trägt die Welt, die and're bietet Getränke an.
Ich kann mit allen 10 Füßen in 20 Türen
und mit dem 11. in der Nase Ballette aufführen
Aber wenn ich könnte wie ich wollte, würd' ich gar nichts wollen
Ich weiß aber, dass alle etwas wollen soll'n

[Refrain: Wir können alles schaffen genau wie die toll'n
dressierten Affen, wir müssen nur wollen…]

Muss ich immer alles müssen, was ich kann –
eine Hand in den Sternen,
die andre am Hintern vom Vordermann.
Das ist das Land der begrenzten Unmöglichkeiten.
Wir können Pferde ohne Beine rückwärts reiten
Wir können alles, was zu eng ist, mit dem Schlagbohrer weiten,
können glücklich sein und trotzdem Konzerne leiten.

[Refrain: Wir können alles schaffen genau wie die toll'n
dressierten Affen, wir müssen nur wollen…]

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