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Asien

"Wir müssen die Kinder der Nation retten"

Bildung braucht Geld, denn Kinder sind unsere Zukunft. Aber in den indonesischen Provinzen haben es die Schulen nicht leicht. Korruption ist das größte Hindernis. Drei Lehrer haben einen mutigen Versuch gestartet.

Grundschule Kota Baru in Kefamenanu. (Foto: DW/Gollmer)

Grundschule Kota Baru in Kefamenanu

Montag, sieben Uhr morgens. Victor ist endlich in der Grundschule Kota Baru angekommen, einer einfachen Hütte mit Strohdach. Victor ist elf Jahre alt. Mit seinen Eltern und zwei Geschwistern wohnt er hinter dem Wald. Circa eine Stunde braucht er für unterwegs.

Grundschule Kota Baru in Kefamenanu. (Foto: DW/Gollmer)

Schule auf Eigeninitative

Obwohl in Indonesien Schulpflicht herrscht, gibt es noch weite Landstriche in der Provinz Ost-Nusa Tenggara, in denen es gar keine Schulen gibt. Drei Privatpersonen haben 2007 die Schule auf Eigeninitiative gegründet: Emanuel Kapitan, seine Frau und der Schuldirektor Taus. "Wir müssen die Kinder unserer Nation retten", erzählt Kapitan.

Ein einziges Buch für die gesamte Klasse

Am Anfang hatten sie Schulräume gemietet. Zusammen mit einigen Eltern konnten sie schließlich die jetzige Strohhütte selber bauen. Das Geld hat für die Schule nie gereicht.

"Wir müssen Monatsberichte an das Bildungsamt schreiben. Aber womit kaufen wir das Papier? Wir haben nicht einmal Kreide für den Unterricht", sagt Kapitan. Die Lehrbücher müssen sie von anderen Schulen leihen. Im Moment hat jede Klasse nur ein einziges Buch.

Das Strohdach der Klassenzimmer ist nicht immer dicht. Während der langen Monsunzeit sickert das Regenwasser durch. Die Plastikstühle werden jeden Tag in das gegenüberliegende Haus von Kapitan gebracht, damit sie nicht gestohlen werden. Die Schüler beginnen jeden Schultag damit, ihre Stühle wieder ins Klassenzimmer zu bringen.

Grundschule Kota Baru in Kefamenanu. (Foto: DW/Gollmer)

Bücher, Papier und Kreide sind Mangelware in der Schule

Oft haben sie schon einen langen Weg hinter sich. Einige Schüler müssen stundenlang durch den Urwald zur Schule gehen, denn Straßen gibt es nicht. Die Motivation der Schüler sei dadurch gering, berichtet die 24-jährige Lehrerin Rinsi, die hier an der Schule ehrenamtlich unterrichtet. "Manchmal kommen Kinder zu spät oder haben keine Lust, den weiten Weg zu gehen. In der Klasse sitzen nur ein oder zwei Kinder. Am nächsten Tag müssen wir dasselbe Material wiederholen, wenn ein dritter Schüler kommt." Außerdem gibt es in vielen Dörfern heute noch keinen Strom. Mit nur einer Öllampe können die Schüler nach Sonnenuntergang kaum mehr lernen.

Korrupt, korrupt und korrupt

Anderen Schulen in Ost-Nusa Tenggara geht es nicht besser. Auch wenn die indonesische Regierung viel Geld in die Bildung investiert, kommt das Geld selten da an, wo es benötigt wird. Die Provinzhauptstadt Kupang gilt als eine der korruptesten Städte Indonesiens.

Schuldirektor Taus versucht, seine Wut unter Kontrolle zu bringen. (Foto: DW/Gollmer)

Schuldirektor Taus versucht, seine Wut unter Kontrolle zu bringen.

Seit Jahren untersucht die Korruptionsbekämpfungsbehörde zahlreiche Fälle. Passiert ist aber wenig. Im nationalen Vergleich wurde in diesem Jahr in der Provinz Ost-Nusa Tenggara das schlechteste Bildungsniveau an den weiterführenden Schulen Indonesiens registriert.

Wenige hundert Meter hinter der Strohhütte der Schule sieht man das neue prächtige Landesparlament der Provinz Ost-Nusa Tenggara, einen Betonbau. Das regt Schuldirektor Urbanus Taus auf. Er versucht immer, sich zu beherrschen. "Als Lehrer sollen wir unsere Wut nicht den Eltern zeigen", sagt er, "wir müssen ihnen erklären, dass Entwicklung stufenweise erfolgt. Wir dürfen nicht einfach die Schuld auf die Regierung schieben."

Kinder haben Träume

Die Kinder zeigen im Unterricht viel Begeisterung. "Ich gehe gerne in die Schule", berichtet Victor, da er da viele Freunde und viel Freude hat. Wenn er groß wird, möchte er Gouverneur der Provinz werden. "Dann werde ich Menschen helfen und schönere Schulen bauen", sagt er.

Autorin: Anggatira Gollmer
Redaktion: Hao Gui