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Kultur

"Wir haben Mut"

Zwei deutsche Galeristen haben den Schritt ins Ungewisse gewagt: Sie eröffneten in Schanghai die erste Galerie für internationale zeitgenössische Kunst. Die Chinesen sind begeistert.

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Metropole Schanghai: Das Interesse an westlicher Kunst wächst

Was als Experiment gedacht war, scheint ein Riesenerfolg zu werden. Schon nach zwei Tagen hatte die Schanghai Contemporary Gallery fünfzehn Druckgraphiken des deutschen Künstlers Jörg Immendorf verkauft. Und das, obwohl die Preise von 500 bis 1000 US-Dollar das durchschnittliche Monatseinkommen eines Chinesen um ein Vielfaches übersteigen.

Dynamische Atmosphäre

Schanghai verströme eine unglaublich dynamische und aufstrebende Atmosphäre, so Lothar Albrecht, Mitbegründer der Shanghai Contemporary Gallery, im Gespräch mit DW-WORLD. Vor allem junge Leute seien moderner Kunst gegenüber sehr aufgeschlossen. Diese Entwicklung könne man auch in den Buchhandlungen Schanghais erkennen: die Bildbände über zeitgenössische westliche Kunst an den Rändern zerfleddert, interessante Artikel seien aus den Büchern einfach rausgerissen.

1990 gründete Lothar Albrecht in Frankfurt eine eigene Galerie, die internationale zeitgenössische Fotografie vertritt. Zusammen mit dem Berliner Galeristen Alexander Ochs und dem Schanghaier Geschäftsmann Wei Wei entstand schließlich die Idee zu einer Galerie in Shanghai. Über 250 Gäste kamen zur Eröffnung, darunter bekannte chinesische Maler, Gäste aus Wirtschaftskreisen und Sammler aus Peking. Unter ihnen auch viele "Langnasen", wie die Chinesen früher die Ausländer nannten. Erfahrungen mit der Galerie-Szene in Schanghai haben die deutschen Galeristen keine. "Was wir haben, ist Mut", sagt Lothar Albrecht.

Großes Interesse an westlicher Kunst

Das Interesse an westlicher Kunst zeigt sich auch an der Kunst-Biennale, die derzeit in Schanghai stattfindet: Modernisierungs- und Verstädterungsprozesse stehen im Mittelpunkt: Konsum, der Wertewandel, die neue Kommunikationsmöglichkeiten – das sind die Themen, mit denen sich chinesische Künstler zunehmend auseinandersetzen.

Es ist diese gesellschaftliche Dynamik, von der die deutschen Galeristen profitieren wollen. Denn bisher war zeitgenössische westliche Kunst in Schanghais Galerien überhaupt nicht vertreten. Die bestehenden Galerien hatten vielmehr versucht, ihren chinesischen Künstlern einen Zugang auf dem westlichen Kunstmarkt zu verschaffen. Die deutschen Galeristen gehen jetzt den umgekehrten Weg und hoffen, mit ihren Werken den Ideenaustausch zwischen westlicher und östlicher Kultur zu fördern. Wenn sie damit auch noch Geld verdienen: umso besser.

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