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Aktuell Welt

"Wir haben Messi, Maradona und den Papst"

In ganz Lateinamerika strömten die Menschen auf die Straßen und in Kirchen, um einen der ihren zu feiern: Der neue Papst sorgt für Volksfeststimmung. Nur Argentiniens Präsidentin Kirchner reagiert eher kühl.

Mit Jubel und Freudentränen haben viele Katholiken in Lateinamerika auf die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst reagiert. In den Straßen von Buenos Aires hupten die Autofahrer, Menschen schrien vor Freude, als die Entscheidung bekanntgegeben wurde. Viele äußerten auch die Hoffnung, dass die Wahl Bergoglios die Kirche näher an diese Weltregion heranbringt, in der mehr Katholiken leben als in jeder anderen.

Argentinische Katholiken feiern die Wahl des Erzbischofs von Buenos Aires zum neuen Pontifex (Foto: reuters)

"Wir haben 20 Jahrhunderte gewartet"

Die Welt blickt auf Lateinamerika

Bergoglios früherer Sprecher, Guillermo Marco, sagte im argentinischen Fernsehen, der neue Papst habe eine "enorme pastorale Erfahrung". Die Gelegenheiten, bei denen er einen Wagen mit Chauffeur benutzt habe, könne man zählen, sagte Marco: "Er lebte als Kardinal ein normales, gewöhnliches Leben." Der Jesuit Bergoglio war bekannt dafür, dass er als Erzbischof von Buenos Aires die U-Bahn benutzte und sich unter die Armen mischte.

Auch andere enge Mitarbeiter Bergoglios lobten die Bescheidenheit und Intelligenz des neuen Papstes. Seine Nähe zu den Menschen und seine Ausstrahlung seien weitere Tugenden des neuen Papstes, meinten der Provikar des Erzdiözese Buenos Aires, Eduardo García, und Rektor Alejandro Ruso. Bergoglio habe immer unterstrichen, die Kirche sei Gottesvolk und nicht nur Hierarchie.

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Freude und Jubel über den neuen Papst

Ein Franziskaner-Bruder in der Kirche des Heiligen Franz von Assisi in Puerto Rico sprach von einem großen Geschenk für alle in Lateinamerika: "Jeder von Kanada bis Patagonien ist gesegnet", sagte Jose Antonio Cruz. "Wir haben 20 Jahrhunderte gewartet. Es war es wert."

Schwieriges Verhältnis zur Politik

Deutlich nüchterner hat die argentinische Präsidentin den neuen Papst begrüßt: "Wir wünschen, dass Sie als Kirchenführer eine fruchtbare Aufgabe erfüllen werden, in so großen Verantwortungen im Streben um Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit und den Frieden der Menschheit", schrieb Cristina Fernández de Kirchner.

Zwischen Kardinal Bergoglio und den Regierungen von Néstor und Cristina Kirchner kam es wiederholt zu Konfrontationen. So verlegten die Kirchners den traditionellen Gottesdienst am Nationalfeiertag von der Kathedrale der argentinischen Hauptstadt in verschiedene Provinzhauptstädte. Offenbar erhofften sie sich weniger kritische Worte von den lokalen Bischöfen, als sie vom Erzbischof von Buenos Aires erwarten konnten.

Dennoch wird Staatspräsidentin Kirchner am kommenden Dienstag zur Amtseinführung von Papst Franziskus nach Rom reisen.

Die Politikwissenschaftlerin Soledad Loaeza vom Colegio de Mexico hält die Wahl von Bergoglio für eine ganz logische Entscheidung: "Lateinamerika ist eine der wichtigsten Regionen für die Kirche", aber auch hier seien evangelikale Gruppen auf dem Vormarsch. Die Wahl der Kardinäle sei also vielleicht auch ein Versuch, die Zahl der Katholiken zu erhalten.

Auf den Straßen von Buenos Aires hoffen die Katholiken einfach nur, dass der Jesuit auf dem Stuhl Petri die Glaubwürdigkeit von Kirche und Vatikan nach den Skandalen der letzten Jahre wiederherstellen kann. Seine ganz eigenen Worte fand ein junger Mann vor der katholischen Kathedrale auf der Plaza de Mayo: "Wir hatten Messi und Maradona und jetzt auch noch den Papst!"

rb/haz (ap, dpa, rtr)

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