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Fußball

"Wir haben es nicht leicht in Europa"

Er ist derzeit die einzige Konstante beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim: Carlos Eduardo. Der Brasilianer spricht im DW-Interview über sein Leben in Deutschland und die Chancen des Nationalteams bei der WM.

Carlos Eduardo Marques

Carlos Eduardo Marques

Carlos Eduardo Marques wurde am 18. Juli 1987 in Ajuricaba in Südbrasilien geboren. Als Ausnahmetalent vom Verein Grêmio, Vizemeister 2007 im wichtigsten südamerikanischen Vereinswettbewerb Copa Libertadores, wurde Carlos Eduardo im August desselben Jahres von 1899 Hoffenheim unter Vertrag genommen. Der Transfer kostete acht Millionen Euro, es war der teuerste in der Geschichte der zweiten Bundesliga.

Der Spieler erlebte die Erfolgsgeschichte von Hoffenheim mit: Innerhalb von zwei Jahren stieg der Verein im Jahr 2008 aus der Regionalliga in die erste Bundesliga auf. Carlos Eduardo, der bis 30. Juni 2013 bei Hoffenheim unter Vertrag ist, schoss in 52 Bundesligapartien 13 Tore. In der brasilianischen Nationalelf absolvierte er drei Spiele unter Trainer Carlos Dunga.

DW-WORLD.DE: Sie kommen aus dem Süden Brasiliens, der stark von europäischen Einwanderern geprägt ist. Ist ihnen die Eingewöhnung in Europa dadurch leichter gefallen?

Carlos Eduardo: In Südbrasilien ist es auch ein bisschen kalt. Und für mich ist der Fußball in Südbrasilien etwas härter als der in São Paulo oder Rio, das hat mir sehr geholfen. Ich hatte eine sehr gute Schule, bei meinem ersten Verein Grêmio. Eine wirklich gute Schule, aus der große Spieler hervorgegangen sind, wie Ronaldinho, Lucas, Anderson. Grêmio war eine schöne Geschichte, dort habe ich gewonnen und der Verein hat mir die Erfahrungen mitgegeben, die ich gebraucht habe, um hierher zu kommen und entspannt mein fußballerisches Können zu zeigen.

War es schwierig für Sie, sich in Deutschland einzugewöhnen?

Die Sprache ist sehr schwierig. Ich lerne noch Deutsch. Ich bin bald drei Jahre hier und spreche immer noch nicht besonders viel, aber ich verstehe schon einiges. Ich komme klar. Die Kälte ist auch ein Problem für mich. Was das Essen angeht, daran habe ich mich schon gewöhnt, denn ich habe kein Problem mit Gewürzen, und das Essen hier ist stark gewürzt.

Carlos Eduardo ist - typisch Brasilianer - kaum vom Ball zu trennen (AP Photo/Daniel Roland)

Carlos Eduardo ist - typisch Brasilianer - kaum vom Ball zu trennen

Wohnen Sie allein?

Im Moment wohne ich mit einem Freund zusammen. Meine Mutter ist drei bis vier Monate hier und meine Haushälterin aus Brasilien, die für mich kocht und die ganze Zeit hier bleibt, was mir sehr wichtig ist.

Sie wohnen in einer Kleinstadt. Hat Ihnen das die Eingewöhnung erleichtert?

Ich wohne in Östringen [Ort mit 12.500 Einwohnern zwischen Heidelberg und Karlsruhe]. Das ist 15 Kilometer vom Trainingsplatz des Vereins entfernt. Ja, es ist eine kleine Stadt. Ich komme auch aus einer kleinen Stadt, Ajuricaba mit 10.000 Einwohnern. Für mich macht es also keinen großen Unterschied. Es ist ein ruhiger Ort und ich mag ruhige Orte.

Wie sah es bei Ihrer Eingewöhnung mit Freundschaften aus?

Für uns ist es in Brasilien einfacher. Wir schließen schnell Freundschaften. Aber hier sind die Menschen verschlossener, jeder macht sein Ding. Ich habe das Gefühl, die Leute sind kühler. In Brasilien geht man zusammen weg und nach einem Treffen ist man schon befreundet. Die Brasilianer sind da offener. Klar fand ich das schade, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, und manchmal unterhalte ich mich schon mit Leuten auf Deutsch.

Haben Sie Kontakt zu anderen Brasilianern in Deutschland?

Mit Deutschen habe ich nicht so viel Kontakt. Aber mit den Brasilianern schon, meist am Telefon, zum Beispiel mit Josué, der mit mir zur Nationalmannschaft gekommen ist, mit Grafite, Lúcio, Zé Roberto, Rafinha.

Eduardo im Nationaldress

Eduardo im Nationaldress

Hat der brasilianische Fußballer nach wie vor eine bessere Technik als der europäische?

Auf jeden Fall. Der Brasilianer ist so geschickt und wendig wie immer alle sagen. In Brasilien wollen acht von zehn Jungs einfach nur Fußball spielen. Manchmal gehen sie nicht mal ordentlich zur Schule, alles was sie wollen ist Fußball. Natürlich hat sich Europa schon sehr weiterentwickelt. Der deutsche Fußball hatte in den letzten Jahren keinen guten Ruf in Brasilien, weil man dachte, dass es dabei besonders um Kraft geht, und darum, viel zu laufen, nicht so sehr um Technik. Aber jetzt, wo ich hier lebe und spiele, merke ich, dass es jedes Jahr besser wird, mit Spielern, die eine sehr gute Technik haben.

Wen bewundern Sie bei Hoffenheim am meisten?

Ich bin gut befreundet mit Luis Gustavo, ich bewundere ihn für alles, was er durchgemacht hat. Als er hierher kam, war er nur ausgeliehen, und schaffte es, zu gewinnen. Er ist mein Idol.

Wer ist Ihr Idol aus dem internationalen Fußball?

Ich habe Ronaldinho Gaúcho schon immer sehr geschätzt. Im Moment ist er nicht besonders gut, aber er ist in die Geschichte eingegangen für das, was er in der Vergangenheit geleistet hat. Was er mit dem Ball gemacht hat, wird niemals jemand nachmachen können.

Den Ball immer im Blick: Eduardo

Den Ball immer im Blick: Eduardo

Finden Sie, dass in Hoffenheim Ihr gesamtes Potential ausgeschöpft wird? Oder denken Sie, dass Sie es woanders besser genutzt werden könnte? Sind Sie noch so begeistert wie am Anfang, als sie hier angekommen sind?

Am Anfang hatte ich mehrere Angebote von großen Vereinen, wie Porto und Benfica, die in der Champions League spielen. Aber ich habe die Entscheidung mit 19 Jahren getroffen, und hatte dabei meine Zukunft im Blick. Ich bin nach Hoffenheim gekommen, weil es eine Mannschaft mit einem sehr guten Projekt war.

Viele haben mich deswegen kritisiert, weil es ein unbekannter Verein war. Selbst meine Familie hat sich ein wenig erschreckt. Aber es war eine gute Entscheidung für mein Leben. Ich habe hier sehr gute Spiele gemacht. In den letzten Partien war ich nicht so gut, aber ich werde wieder besser.

Es gibt das Gerücht, dass Hoffenheim mit Real Madrid über einen Wechsel von Ihnen verhandelt. Was steckt dahinter?

Das ist nur Gerede. Mein Kopf ist in Hoffenheim. Ich bin 22 Jahre alt, klar habe ich Ziele im Leben. Es ist das Ziel von jedem Fußballer, mal das Trikot von einem großen europäischen Verein zu tragen, zum Beispiel von Real Madrid oder Inter Mailand. Aber meine Gedanken sind hier, meine Arbeit ist hier. Wenn ich weiter ernsthaft arbeite, werden die Großen sicher noch kommen.

Haben Sie in letzter Zeit die Spiele von Neymar mitverfolgt, von Santos FC?

Ja klar! Er ist ein sehr, sehr guter Spieler! Er erlebt gerade einen guten Moment. Ich denke, er ist der beste Spieler Brasiliens. Und das mit erst 18 Jahren. Er ist ein exzellenten Spieler, sehr geschickt, gute Technik, sehr schnell. Ich bin sicher, dass er in einem halben Jahr gute Angebote von großen europäischen Vereinen bekommen wird. Seine Zukunft ist sehr vielversprechend.

Wie sehen Sie die Rückkehr zum brasilianischen Fußball von großen Spielern wie Adriano und Robinho, die Europa den Rücken gekehrt haben, um wieder in Brasilien zu spielen? Denken Sie, dass sich der brasilianische Markt besser um die Spieler bemüht und sie besser hält?

Brasilien entwickelt sich in finanzieller Sicht gerade sehr stark. Große Unternehmer und Unternehmen investieren massiv in die Vereine. Es gibt fanatische Fans, die viel Geld haben und die in die Vereine investieren, die sie mögen, wie zum Beispiel bei Grêmio.

Es wird bestimmt schwieriger werden, Spieler nach Europa zu bringen. Es gibt auch die Spieler, die nach Brasilien zurückgehen, weil es sehr schwierig ist, in Europa zu spielen. Wir haben es hier nicht leicht. Aber ich sage immer, wenn man etwas erreichen will im Leben, muss man durch Schwierigkeiten durch. Die Dinge fliegen einem nicht zu.

Was ist ihre Botschaft an die Brasilianer?

Ich habe Sehnsucht, besonders vermisse ich die Fankurve von Grêmio und ihre Anfeuerungsrufe, weil das für mich eine wunderschöne Geschichte war. Ich bin mit 13 von zuhause weggegangen und war dort bis ich 19, 20 Jahre. Es war eine exzellente Ausbildung.

Denken Sie, dass Ronaldinho eines Tages zu Grêmio zurückkehrt?

Na ja, er wurde sehr kritisiert, als er wegging, aber ein Spieler wie Ronaldinho ist in jedem Verein willkommen, und wenn er zu Grêmio zurückgehen würde, würden die Fans ihn lieben!

Interview: Roselaine Wandscheer

Übersetzung: Julia Maas