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Kultur

"Wir fühlen uns verraten!"

Vor einem Jahr leitete der ukrainische Präsident Leonid Kutschma mit einem Knopfdruck das Ende von Tschernobyl ein. Seitdem arbeiten die Beschäftigten nur noch an der endgültigen Abwicklung der Atomkraftanlage.

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Der Unglücksreaktor von Tschernobyl

Der Schichtleiter im nordukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl muss bei der Erinnerung an den 15. Dezember des Vorjahres tief durchatmen. "Die endgültige Abschaltung Tschernobyls trieb vielen von uns Tränen in die Augen, es war eine Tragödie", erinnert sich Sergej Kondratenko. "Die Stilllegung geschah doch nur auf Druck des Westens, wir fühlen uns verraten", sagt der Ingenieur im Kontrollraum des letzten betriebenen Reaktorblocks 3.

Der niedrige Leitstand des noch zu Sowjetzeiten 1983 fertig gestellten dritten Reaktorblocks erinnert an eine Kommandozentrale im Raumschiff Enterprise. Überall blinken rote, grüne und gelbe Lämpchen. Regler wollen gezogen und Überwachungsbildschirme beobachtet werden. Doch gearbeitet wird in der Schaltzentrale des Druckröhrenreaktors kaum noch. An den noch 30 Arbeitsplätzen verlieren sich drei Atomingenieure.

Der Reaktor muss sich abkühlen

Der rechte Flügel des Kontrollzentrums, zuständig für Turbinen und Generatoren, ist verwaist. Denn seit dem 15. Dezember 2000, als der ukrainische Präsident Leonid Kutschma mit einem Knopfdruck das Ende von Tschernobyl einleitete, produziert die Anlage keinen Atomstrom mehr. Der Reaktor muss aber über Jahre abgekühlt werden. "Frühestens in fünf Jahren können wir die radioaktiven Brennelemente herausholen", erläutert Ingenieur Kondratenko.

Im nordukrainischen Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Kernenergienutzung. An den Folgeschäden sind bislang in der Ukraine, Weißrussland und Russland Zehntausende von Menschen gestorben, niemand kennt die genaue Zahl. Mehr als drei Millionen Ukrainer sind als Betroffene der Katastrophe registriert.

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