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Politik

"Wir brauchen Mut und Widerstandsfähigkeit"

Im April 2000 wurde er verhaftet und erst im März 2006 wieder freigelassen: der iranische Dissident und Enthüllungsjournalist Akbar Ganji, einer der prominentesten Kritiker des iranischen Regimes.

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Der Weltverband der Zeitungen verlieh Akbar Ganji Anfang Juni in Moskau die "Goldene Feder der Freiheit"

Er gehörte einst den Revolutionsgarden an, die im Iran maßgeblich am Sturz des Schahs und der Einrichtung einer "Islamischen Republik" beteiligt waren. Heute fordert der Journalist Akbar Ganji, inzwischen Mitte 40, dass diese "Islamische Republik" ersetzt werde durch eine "wahre Demokratie", in der unter anderem Meinungsfreiheit herrsche und Bürgerrechte geachtet werden.

Offenes Eintreten für Trennung von Staat und Religion

Ganji weiß, wovon er spricht: Seit Mitte der 1990er trat Ganji in seiner damaligen Zeitung offen für die Trennung von Staat und Religion ein, bis die Behörden die Schließung des Blattes verfügten. Zwei weiteren Zeitungen, für die er dann schrieb, erging es nicht besser. Und nachdem er dem früheren Präsidenten Akbar Haschemi Rafsanjani vorgeworfen hatte, in die Ermordung von Dissidenten verwickelt gewesen zu sein, zog er sich den direkten Zorn der Mächtigen zu.

So war es kein weiter Weg, bis Ganji nach seiner Rückkehr von einer "Iran-Konferenz" in Berlin im Jahr 2000 in Teheran verhaftet und vor Gericht gestellt wurde. Fünf Jahre Haft, zum Teil Einzelhaft, und ein langer Hungerstreik haben ihn nicht davon abgebracht, seine Ideen weiter zu verbreiten. Aber es gibt ja das Internet und ausländische Medien, die - wie die Deutsche Welle - sein Wort zurücktragen in den Iran. Nach seiner Haftentlassung befindet sich Ganji zur Zeit in Europa. Am Montag und Dienstag (26./27.6.) ist er zu Besuch in der Deutschen Welle, wo er auch mit weiteren deutschen Journalisten zusammentrifft.

"Mit Revolution bekommt man keine Demokratie"

Der Weg vom Verfechter der Islamischen Republik zu einem ihrer heftigsten Kritiker sei doch gar nicht so ungewöhnlich, meint Ganji: "Normalerweise gibt es eine tiefe Kluft zwischen dem, was Revolutionäre in der Anfangsphase fordern und dem, was sie später erreichen. Normalerweise wollen sie das Paradies erreichen, schaffen dann aber oft die Hölle. Ein ehrlicher Revolutionär, der das erkennt, wird damit aufhören. Mit Revolution bekommt man keine Demokratie."

Die jungen Leute, die sich damals für die Revolution einsetzten, haben dies getan, um Freiheit und Demokratie zu erlangen. Stattdessen aber haben sie Unterdrückung und Schreckensherrschaft bekommen. So mancher habe das erkannt und habe sich enttäuscht abgewandt. Wird solch eine Abwendung vom Regime als Verrat betrachtet? Oder waren es seine persönlichen Vorwürfe gegen Rafsanjani, die ihn ins Gefängnis brachten?

Ganji will Licht ins Dunkle bringen

"Alle Planungen, Dissidenten zu liquidieren, finden in einer Dunkelkammer statt, das ganze soziale Übel, auch Prostitution", sagt Ganji. "Wir versuchen, dies alles, das hässliche Gesicht der Akteure mit unserem Scheinwerfer zu beleuchten. Sie begegnen uns mit Gefängnissen, Folter und Unterdrückung, denn sie haben natürlich das Gefühl: wenn sich diese Einzelstimmen verbreiten, dann werden Flüsse oder ein Meer daraus - und das wird sie vernichten. Deshalb versuchen sie, die Quelle blind zu machen und zu töten".

Akbar Ganji ist überzeugt, dass Veränderung im Iran nicht auf gesetzlichem oder politischem Wege zu erreichen ist - und erst recht nicht durch das Parlament. Ist da eine Einzelstimme wie die seine nicht erst recht machtlos? Nicht unbedingt, meint Ganji: "Es gibt ja mehrere Einzelstimmen. Und ich glaube, diese Einzelstimmen werden ihre Auswirkung und ihre Effektivität erweisen."

"Ich glaube fest an die freie Meinungsäußerung"

Natürlich lasse ein diktatorisches System Kritik nicht zu. Genau deswegen erhebe er seine Stimme. Und wenn er damit manchmal vielleicht etwas weit gehe, dann habe dies zum Ziel, dass die Menschen im Iran wenigstens ein Minimum an Freiheit erlangen könnten. "Ich glaube fest an die freie Meinungsäußerung. Wir haben keine Alternative dazu, uns frei zu äußern, um unser Ziel zu erreichen. Das Projekt der Demokratisierung kann man nicht mit rein philosophischem Gerede verwirklichen. Deswegen brauchen wir parallel dazu Mut und Widerstandsfähigkeit."

Die hat Ganji unter Beweis gestellt. Er besteht darauf, dass er in den Iran zurückkehren werde - und er lässt sich auch nicht davon beeindrucken, dass ihm dort vielleicht wieder Haft droht: Natürlich gebe es diese Gefahr, sagt Ganji. Aber er tue im Grunde doch nichts Ungesetzliches, sondern nehme sich nur seine bürgerliche Freiheit.

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