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Welt

Wir brauchen eine Grüne Wirtschaft

Die Welt muss umdenken. Wasser, Energie und Nahrungsmittel sind begrenzt, es gibt immer mehr Menschen und der Klimawandel droht. Die Nexus-Konferenz in Bonn zeigte Zusammenhänge und gab Empfehlungen.

Teilnehmerin der Nexus-Konferenz in Bonn (Foto: DW/Gero Ruether)

Experten diskutierten in Bonn

Auf Einladung der Bundesregierung trafen sich über 500 hochrangige Entscheidungsträger und internationale Experten aus 89 Ländern, um über Zusammenhänge und Empfehlungen für ein globales Umdenken zu diskutieren. Die Konferenz stand unter dem Titel "The Water, Energy and Food Security Nexus – Solutions for a green Economy."

Ziel der Konferenz war es, die Zusammenhänge zwischen Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit auf globaler Ebene zu diskutieren und Politikempfehlungen zu erarbeiten. Mit Blick auf die UN-Entwicklungs- und Umweltkonferenz "Rio plus 20" im Juni 2012 diskutierten die Experten Konzepte für die Transformation zu einer globalen grünen Wirtschaft.

Ein "Weiter so" kann nicht funktionieren

Tank-Vorgang (Foto: AP)

Die Ressourcen werden nicht ewig reichen

2030 - also in weniger als 20 Jahren - bevölkern voraussichtlich mehr als acht Milliarden Menschen die Erde. Die Weltwirtschaft wird bis dahin ihr Volumen verdoppeln. Damit wächst auch der Bedarf an Wasser, Energie und Nahrungsmitteln. Zunehmender Wohlstand, eine wachsende Mittelklasse in Entwicklungs- und Schwellenländern und die Notwendigkeit, die Armen der Welt besser mit Nahrung, Trinkwasser und Strom zu versorgen, verstärkt den Trend.

Wirtschaftet die Welt so weiter wie bisher, dann, so die Prognosen der Experten auf der Konferenz, müsste bis 2050 die Landwirtschaft 70 Prozent mehr produzieren und der Energiebedarf stiege um über 50 Prozent. Auch die stark steigende Nachfrage nach sauberem Wasser würde zu einem globalen Problem. Die verfügbare Menge würde bei einem "Weiter so" um über 40 Prozent überschritten werden.

Drohender Weltkrieg

Ernst Ulrich von Weizsäcker (Foto: DW)

Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker warnt vor Rohstoffkriegen

Dass es mit dem globalen Ressourcenverbrauch so nicht weiter gehen kann, macht auch der "Living Planet Report" von der Umweltschutzorganisation WWF deutlich, dem World Wide Fund For Nature, einer der Mitorganisatoren der Nexus-Konferenz. Um die Nachfrage nach Nahrung, Energieträgern und anderen natürlichen Rohstoffen zu decken, bräuchte man schon heute einen zweiten Planeten, so die Studie. Der Ressourcenverbrauch, der ökologische Fußabdruck der Menschen ist zu groß. Bei einer Fortführung dieser Wirtschaftsweise, so der renommierte Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker, droht beim Kampf um Wasser, Nahrung und Energie sogar ein Dritter Weltkrieg.

Isolierte Lösungen führen zu Konflikten

Die Nexus Konferenz in Bonn machte deutlich, dass die isolierte Betrachtung von Einzelaspekten in die Sackgasse führt. Wasser, Energie und Ernährung sind eng miteinander verknüpft. Zwar lassen sich Ernten steigern und die Produktion der Agrarkraftstoffe ebenfalls, doch dies führt schon heute zu Konflikten. Agrartreibstoffe als Ersatz für fossile Energien brauchen Anbauflächen und stehen somit in Konkurrenz zum wachsenden Nahrungsmittelbedarf.

Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington sind die globalen Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln zwischen 2000 und 2007 zu etwa einem Drittel auf die wachsende Produktion von Agrarkraftstoffen zurückzuführen. Auch der Wasserverbrauch bei der Herstellung von Biotreibstoff ist sehr hoch. Für einen Liter Agrarsprit werden zwischen 300 und 3000 Liter Wasser verbraucht.

Um den Bedarf an Nahrung und Energie zu decken, konnte in den letzten Jahren vielerorts die Produktion in der Landwirtschaft gesteigert werden. Doch auch dies hat Nebenwirkungen. Durch intensive Düngung und Massentierhaltung werden die Trinkwasserreserven mit Nitraten verunreinigt und die intensive Bewässerung lässt die Grundwasserreserven dramatisch absinken. In manchen Regionen von Indien sank zum Beispiel der Wasserspiegel von 35 auf 120 Meter. Um Wasser aus dieser Tiefe auf die Felder zu pumpen, wird sehr viel und teure Energie gebraucht. Rund 20 Prozent des in Indien erzeugten Stroms werden allein für den Betrieb von Bewässerungspumpen benötigt.

Mit weniger mehr produzieren

Glühbirne / LED-Lampe (Foto: picture alliance)

Zehn mal mehr Licht mit LED bei gleichem Energieeinsatz

Intensiv diskutierten die Experten auf der Nexus-Konferenz in Bonn über Wechselwirkungen und Lösungsansätze. Wie kann man mit den begrenzten Ressourcen den steigenden Bedarf an Nahrung und Energie bei einer wachsenden Weltbevölkerung nachhaltig, umweltverträglich und langfristig decken?

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Ressourcen effizienter genutzt werden müssen. Nach Angaben von Umweltwissenschaftler Weizsäcker ist die Steigerung der Effizienz um mindestens Faktor 5 technisch gesehen kein Problem. Dafür nennt er zwei Beispiele. LED-Lampen verbrauchen im Vergleich zur Glühbirne ein Zehntel der Energie. Ein effizient gedämmtes Haus, ein sogenanntes Passivhaus, verbraucht im Vergleich zum Altbau ebenfalls nur noch ein Zehntel für Heizenergie. Bei Politik- und Investitionsentscheidungen sollten zukünftig alle ökologischen Zusammenhänge berücksichtigt werden, fordern die Experten.

Als Beispiel für solch einen Umdenkprozess wurde auf der Konferenz die Wasserversorgung im indischen Bundesstaat Gujarat genannt. Um den verschwenderischen Umgang mit Grundwasser zu stoppen, dürfen die Bauern jetzt nur noch für acht Stunden am Tag die Wasserpumpen betreiben. Als Alternative lernten die Bauern das Regenwasser zu sammeln und die Pflanzen sparsam direkt an den Wurzeln zu bewässern. Die positiven Effekte: Die Bewässerungskosten sinken, der Grundwasserspiegel steigt und weil die Bauern weniger Strom verbrauchen, gibt es weniger Stromausfälle.

Lebensmittel liegen in einer Mülltonne (Foto: dpa)

Zu viele Lebensmittel landen im Müll - wertvolle Rohstoffe gehen verloren

Effizienter Umgang mit Nahrungsmitteln

Nach einer Studie der Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen weltweit pro Jahr bis zu 1,3 Milliarden Tonnen Nahrung verloren, rund ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion. Sie verfaulen auf Feldern, verschimmeln in Lagerhäusern oder landen - obwohl einwandfrei - im Müll. In den Industrieländern werfen Supermärkte und Verbraucher genießbare Lebensmittel weg, rund 222 Millionen Tonnen pro Jahr. Mit besserer Lagerung und Infrastruktur in Entwicklungsländern und einem Umdenken bei Verbrauchern und Nahrungsmittellieferanten in den Industrieländern müsse diese Verschwendung gestoppt werden, fordern die Experten.

Grüne Ökonomie global vorantreiben

Die Bonner Nexus-Konferenz ist ein Beitrag Deutschlands zur Vorbereitung der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung 2012 in Rio de Janeiro. Gemeinsam mit der Europäischen Union schlägt die Bundesregierung dafür eine "Green Economy Roadmap" vor. Um den weltweiten Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie für die wachsende Bevölkerung zu sichern, den Klimawandel zu bremsen und Konflikte um Ressourcen zu vermeiden, sei ein vernetztes Denken, die Aufklärung und die Ressourceneffizienz unvermeidlich, so der Tenor der Experten auf der Nexus-Konferenz. Die Konferenz sah sich auf diesem Weg als Impuls für die globale Lösungssuche.

Autor: Gero Rueter
Redaktion: Helle Jeppesen

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