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Digitales Leben

Wir alle sind "Dottirs" und "Sons": Das Netz im Island-Fieber

Selten hat eine EM so überrascht wie diese. Ein kleines Volk, bislang fast vergessen, rockt die Fußballmeisterschaft. Jeder will ein Isländer sein - Nadine Wojcik weiß, wie's geht.

Dort, wo Vulkane Feuer spucken und Gletscher das Land in ewiges Eis packen. Dort, wo kein Baum so richtig wachsen will: zu kalt, zu dunkel, zu nördlich. Wer will da schon freiwillig leben?

Soweit geht die europaweite Euphorie noch nicht, aber gekonnt mitfiebern möchten viele. Was die Trikots angeht, so sind diese bereits Mangelware: Anfangs wollte kein großer Sporthersteller die isländische Mannschaft unterstützen, nun kommt der kleine italienische Ausstatter kaum noch hinterher. Natürlich kann man auch ohne Trikot ein leidenschaftlicher Island-Fußballfan sein. Und so geht's:

1. Lege Dir erst einmal einen isländischen Namen zu.

Schon aufgefallen, dass jeder Name mit "dottir" oder "son" endet? Das bedeutet "Tochter" beziehungsweise "Sohn". Die Nachnamen setzen sich nämlich aus den Vornamen der Eltern und der jeweiligen Geschlechtsbezeichnung des Namensträgers zusammen - deswegen ist das isländische Telefonbuch auch nach Vornamen sortiert. Die Namensgebung erledigt dieser Online-Generator.

2. Rufe laut Huh! und klatsche über Deinem Kopf in die Hände.

Das ist der ultimative Fanjubel. Soll vom neuseeländischen Haka inspiriert sein, der Kriegstanz eines weiteren besonderen Inselvölkchens mit ebenfalls einer Menge Schafe. Wer nicht live im Stadion dabei sein kann: Hier geht's zur virtuellen Variante.

3. Verknote Deine Zunge!

Die Isländer lebten viele Jahrhunderte völlig abgeschieden und so hat sich die Sprache in den vergangenen tausend Jahren kaum verändert. Das ist in etwa so, als ob wir in Deutschland noch Mittelhochdeutsch sprechen würden. Wer also ein richtiger isländischer Fan sein will, der sollte zumindest den Namen des bekanntesten Vulkans aussprechen können, an dem Nachrichtensprecher beim Ausbruch 2010 kläglich scheiterten: Eyjafjallajökull.

4. Sei furchtlos!

Als Fußballfan eines winzigen Landes hat man nichts zu verlieren. Als klar war, dass Island gegen England im Viertelfinale spielen wird, sagte ein isländischer Kommentator: "Das ist toll! Die englische Profiliga ist ein großes Vorbild und gegen die Engländer spielen zu dürfen eine große Ehre." Eingeschüchtert? Angst? Nein - Spielfreude! Die konnte den isländischen Fußballern auch ein Cristiano Ronaldo nicht nehmen.

Der Starfußballer verwehrte nämlich den Trikottausch, als seine Mannschaft im Gruppenspiel unentschieden gegen die Isländer spielte. Wie die sich aufführen! Als ob sie die EM gewonnen hätten …naja, wer weiß.



5. Verliere Deine Stimme und lass Dich völlig gehen!

Denn mindestens genauso berühmt wie die Nationalmannschaft ist mittlerweile der Fußballkommentator Gudmundur Benediktsson. Sein Gekreische, das zum Internethit wurde, lässt niemanden kalt.

6. Sei kreativ!

330.000 Isländer leben auf der Insel - das weiß nun dank des Medien-Hypes fast jeder. Diese schöne Auflistung zeigt, dass es gar nicht so einfach ist, bei dieser geringen Einwohnerzahl eine Mannschaft zusammenzustellen.

Aber: Isländer haben auch begnadete Literaten und sogar die meisten Literaturnobelpreisträger im Verhältnis zur Einwohnerzahl (1). Sie setzen Maßstäbe in der Musik mit der Sängerin Björk und der Band Sigur Ros. Der Künstler Olafur Eliasson zeigt seine Werke in den bedeutendsten Museen der Welt. Die Schauspielerin Anita Briem spielt im kommenden Werner Herzog Film mit und das Muskelpaket Hafthor Julius Bjornsson imponiert in "Games of Thrones". Neben Fußball haben die Isländer auch im Handball und Basketball eine ernstzunehmende Nationalmannschaft.

Wie geht das bei einer Einwohnerzahl, die der einer mittelgroßen deutschen Stadt entspricht? In dem alle alles machen. So war Hafthor "The Mountain" Bjornsson vor seiner Schauspielkarriere Spieler in der Basketballnationalmannschaft. Der Co-Trainer der Fußballnationalmannschaft arbeitet nebenbei noch als Zahnarzt undTorwart Hannes Thor Halldórsson ist ein bekannter Regisseur.

Und außerdem soll es ja Elfen in Island geben. Den Rest an Inspiration erledigt die atemberaubende Natur.

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