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Wirtschaft

Winzer hoffen auf einen Ausnahmejahrgang

Die deutschen Winzer sind trotz des heißen Sommers mit Rekordtemperaturen hoch zufrieden. Zwar ist die Lese mengenmäßig eher durchschnittlich ausgefallen - dafür aber begeistert die Qualität.

Trotz des trockenen Sommers haben Deutschlands Winzer eine durchschnittliche Menge an Wein eingebracht. Aktuellen Schätzungen des Deutschen Weininstituts zufolge liegt die Menge mit neun Millionen Hektolitern in etwa auf dem Niveau des Durchschnitts der vergangenen zehn Jahre.

Im vergangenen Jahr waren es 9,2 Millionen Hektoliter. In den nördlichen Anbaugebieten wie der Mosel wurden die letzten Trauben erst Anfang November eingebracht. Vor der Ernte und auch noch zum Start der Federweißenlese ging man wegen der Trockenheit noch von geringeren Erntemengen aus: Rund 8,8 Millionen Hektoliter schätzte man. Ausschlaggebend war dann leichter Regen im Spätsommer, der die Erträge steigerte, erklärt der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher.

Von der Qualität sind Experten in den einzelnen Anbaugebieten überzeugt. "Einen solchen Top-Gesundheitszustand bei diesen Reifegraden haben wir seit Jahren nicht mehr gehabt", sagt Büscher. Er habe die Chance, ein ganz großer Jahrgang zu werden, der Weinjahrgang 2015.

Klagen über Trockenheit

Die Winzer scheinen durchweg begeistert. Dabei sah es erst gar nicht gut aus für die Trauben. In den Sommermonaten zeigte das Thermometer oft bis zu 40 Grad an – und es regnete zu wenig. In allen 13 Anbaugebieten Deutschlands klagten Winzer über die Trockenheit. Doch dann kam im August und September vereinzelt leichter Regen, rund um die Erntezeit wurde es vielerorts windig und kühler.

Herausgekommen sind offenbar fruchtige, aromatische Trauben, von denen Experten begeistert sind. In diesem Jahr seien wirklich alle zufrieden, vom Bodensee bis zur Ahr, ergänzt der Präsident des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP), Steffen Christmann. Die Trauben überzeugten mit "einer tollen Frische und Säure".

Als legendär gelten die Jahrgänge aus dem Rekordsommer 2003, aus 1976 und 1959. Ob 2015 da heranreicht, könne man aber nur vermuten, so Büscher. In den nördlichen Gebieten wie etwa der Mosel wurden die letzten Trauben erst Anfang November eingebracht.

Hoher Preisdruck

Kleines Manko in diesem Jahr: Der Ertrag ist nicht außerordentlich hoch. Vor allem die badischen Winzer rechneten vor dem Niederschlag noch mit großen Mengeneinbußen. Nun liegen sie mit 75 Hektoliter pro Hektar lediglich zehn Prozent niedriger als im vergangenen Jahr. Weil der Regen sehr punktuell fiel, gab es auch innerhalb der Anbaugebiete große Unterschiede. Weitere Faktoren sind das Alter der Reben und die Bodenbeschaffenheit. Denn bei dem trockenen Sommer waren vor allem alte Reben mit tiefen Wurzeln im Vorteil.

Trotz der gesteigerten Qualität sei nur vereinzelt mit Preiserhöhungen zu rechnen, glauben Experten in den Anbaugebieten. In Deutschland, dem größten Weinimportland der Welt, sei wegen der Konkurrenz aus dem Ausland der Preisdruck sehr hoch. Mit anderen Worten: Es bestehen gute Chancen, dass der Jahrgang 2015 nicht teurer wird als die früheren.

wen/sti ( dpa)