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Fokus Osteuropa

Winterspiele 2014 in Sotschi: Bewohner fühlen sich von Behörden betrogen

Gesetzlosigkeit und Willkür werfen Einwohner Sotschis den Behörden vor. Die Häuser der Menschen im künftigen Olympia-Areal sollen umgesiedelt werden. Doch wohin und wann, steht in den Sternen.

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"Wir sind zu Geiseln der Lage und zu Opfern geworden – wir sind 1.400 Familien", sagte der Leiter der Bürgerinitiative Verband der Einwohner Imeretinkas, Alik Le. Die Behörden hätten nicht die Absicht, den Menschen aus dem Gebiet Imeretinka den Status von Zwangsumsiedlern zu geben. In der Imeretinka-Ebene am Schwarzen Meer sollen neben den Wettkampfstätten in den Bergen wichtige Anlagen für die Winterspiele entstehen, darunter auch Immobilien. Für die Zeit nach den Spielen soll dort ein komfortabler und luxuriöser Wohn- und Urlaubsort entstehen.

Russland Sotschi Hochhäuser

Blick auf Sotschi

Streit um Entschädigungssummen

Die Frage der Umsiedlung beschäftigt die Menschen in der Imeretinka-Ebene bereits seit mehr als einem Jahr. "Niemand informiert die Bürger über die Fristen der Umsiedlung und die Entschädigungsmodalitäten" berichtet die Leiterin des Zentrums für soziale Programme in Sotschi, Jekaterina Primakowa, die sich für die von der Umsiedlung betroffenen Menschen einsetzt. Die erste Schätzung über den Wert der zu verlassenden Häuser hätten die Behörden im September 2008 vorgenommen. Diese sei nach Ansicht der meisten Bürger zu gering ausgefallen. Unzufrieden seien vor allem die Besitzer kleiner Hotels.

Alik Le zufolge haben die Behörden unterdessen mitgeteilt, aufgrund der Wirtschaftskrise müssten die Schätzungen aktualisiert werden. Demnach würde sich der Wert von Immobilien um fünf bis zehn Prozent verringern. Das betreffe, wie erst vor kurzem bekannt wurde, auch den Wert von Grundbesitz, der allerdings gleich um das Vierfache herabgesetzt werde.

Russland Sotschi Plakat für OL Winterspiele 2014

Werbung für Olympia 2014

Menschen verlieren Existenzgrundlage

Bei dem Streit geht es nicht um eine finanzielle Entschädigung. Diese sieht das Gesetz 311 über die Durchführung der Spiele in Sotschi nicht vor. Die Duma hat lediglich vorgesehen, dass die Bürger ausschließlich ein Recht auf eine "natürliche Wiederherstellung beschlagnahmter Immobilien" haben. Das heißt, den Umsiedlern muss anderer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

Den Ort und die Qualität des neuen Wohnraums sollen die Behörden des Landkreises Krasnodar festlegen. Walerij Rogatschow aus dem Gebiet Imeretinka wurde als Ausgleich für sein jetziges Haus mit einem Grundstück von 20 Hektar ein Haus auf einem sieben Hektar großen Grundstück in einer noch gar nicht errichteten Siedlung angeboten. Was die Betroffenen besonders schmerzt: Viele Bewohner der Urlaubsorte vermieten an Touristen. Wenn ihnen nun ein Haus am Schwarzen Meer genommen wird, verlieren sie einen Teil ihrer Existenzgrundlage.

Deshalb verlangen nun gesellschaftliche Organisationen von den Behörden die Garantie einer adäquaten Entschädigung für private Häuser und Grundstücke. Sie fordern zudem eine Änderung des Gesetzes 311, damit die Bürger auch mit Geld entschädigt werden können.

Autor: Jegor Winogradow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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