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Musik

Winkler: "Es war witzig"

Der Bassbariton Martin Winkler gab 2013 als Alberich sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen. Er findet den neuen "Ring" ganz passend zum Zeitalter der Massenmedien.

Deutsche Welle: Nach der Aufführung des "Rheingold" waren die Zuschauer unglaublich gut gelaunt, denn es war soviel Witz enthalten - man musste eigentlich immer wieder schmunzeln. War die Arbeit auch für Sie unterhaltsam?

Martin Winkler: Es war durchaus witzig. Schließlich ist Frank Castorf, der Regisseur, ein humorvoller Mensch. Und dadurch, dass er keine Tabus kennt vor allem Pathos nicht mag, konnten die Sänger während der Proben eigentlich nach Belieben agieren und hatten dadurch eine Menge Spaß, absolut!

Ist Castorf auch jemand, der seinen Akteuren minutiös mitteilt, was er wie haben möchte?

Castorf sagt "Mach einfach mal!“, und dann improvisieren die Sänger relativ frei. Seine Akteure hatten insgesamt einen sehr großen Freiraum.

Und wie war die Zusammenarbeit mit Kirill Petrenko, dem Dirigenten?

Er ist wahnsinnig gut vorbereitet. Zudem scheint er regelrecht besessen davon, eine werkgetreue Umsetzung zu realisieren. Somit haben die Sänger auch sehr ausgiebig mit ihm zusammen geprobt. So lange ich mich zurück erinnern kann, habe ich eine so intensive Arbeitsweise noch nicht erlebt.

Sie singen die Rolle des Alberich. Er ist der Bösewicht im "Ring". Aber in Castorfs Inszenierung ist nicht wirklich klar zu erkennen, wer das Böse verkörpert - hier sie sind schließlich alle ein wenig feindlich.

Es ist ein bisschen wie bei der TV-Serie "The Sopranos", regelrecht filmisch und uneindeutig, wer gut und wer böse ist. Alle beanspruchen einen Teil vom Rheingold, alle streben am Ende die Weltherrschaft an. Das wirkt doch alles ziemlich menschlich. Alberich scheint sogar der moralischste und ehrlichste Charakter im "Ring" zu sein, denn er teilt dem Zuschauer seine Absichten und Begierden ganz frei und direkt mit, also abseits von politischen Interessen. Bekommt er keine Liebe, möchte er Geld. Bei ihm stimmen Absichten und Handlungen überein, er macht einfach keine Kompromisse. Letztendlich muss er dafür in den Ruin gehen.

Siegfried 2013 Motiv: Martin Winkler als Alberich im Bayreuther Ring 2013.

Ein Bösewicht unter vielen: Martin Winkler in der Rolle des Alberich

Warum hat zum Beispiel "Das Rheingold" ein so trashiges Bühnenbild, warum auf der "Route 66" in den 60er Jahren?

Nach meinem Geschmack könnte das Bühnenbild durchaus noch abgedrehter sein. Die großen, klassischen Interpretationen des "Rings" gehören nun mal der Vergangenheit an. Castorf will gezielt nicht die gängigen Erwartungen der Zuhörer erfüllen, sondern individuelle und gegensätzliche Interpretationen anbieten.

Durch die Live-Videosequenzen kann man sogar das sehen, was der Zuschauer normalerweise nicht mitbekommt: Naheaufnahmen der Solisten oder Parallelszenen. Wie verhält es sich mit dieser Vielschichtigkeit?

Alles ist im Fluss: Das Bühnenbild bewegt und verändert sich ständig. Castorf möchte die Dinge nicht fixieren. Dem Zuschauer werden keine Lösungen geboten sondern eine Vielzahl von Bildern vermittelt. In Zeiten der modernen Medien werden Realitäten und Virtuelles schließlich vermischt - Klarheit existiert nicht mehr. Dazu gehören auch Widersprüche und Paradoxien. Sie werden bei Castorf gleichberechtigt auf die Bühne gestellt.

Diese Vielschichtigkeit findet man auch in Wagners Musik. Wie ist die Rolle des Alberich in rein musikalischer Hinsicht?

Es gibt eine Vielzahl der musikalischen Motive darin, und die Harmonien sind für die damalige Zeit sehr fortschrittlich. Damit war Wagner seiner Zeit schon voraus. In der Einstudierung war die Partie tatsächlich sehr anspruchsvoll: Die Ausdruckskraft dieser Rolle ist wirklich fantastisch.

Der Bassbariton Martin Winkler aus Österreich bestritt sein Debüt in Bayreuth 2013 in der Rolle des Alberich. Nach seinem Einstand an der Komischen Oper Berlin 2003 folgten zahlreiche Gast- und Festengagements. Seit 2009 ist Winkler Ensemblemitglied der Volksoper Wien.

Das Gespräch führte Rick Fulker