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Politik & Gesellschaft

Windeln wechseln statt Akten wälzen

Voll und ganz für den neugeborenen Nachwuchs da sein, ohne große Einkommensverluste zu erleiden: Das ermöglicht seit 2007 das Elterngeld. Seitdem hat sich einiges verändert. Jetzt bleiben auch immer mehr Väter zuhause.

Eine Hand hält mehrer Euro Scheine, die andere Hand eine Milchflasche (Foto: dpa)

Seit dem 1. Januar 2007 erhalten Väter und Mütter das neue Elterngeld

Jeder vierte Vater kümmerte sich im zweiten Quartal 2010 um die Erziehung seines Kindes und blieb zuhause, meldet das Statistische Bundeamt. Zum Vergleich: Vor 2007 lag die Beteiligung der Väter an der Erziehungszeit konstant bei 3,5 Prozent. Der rasante Anstieg hängt mit der Einführung des Elterngeldes vor knapp fünf Jahren zusammen.

Kinderbetreuung ohne Armutsrisiko

Ein Vater liest seine beiden Kinder im Arm haltend aus einem Bilderbuch vor (Foto: dpa)

Spielen, vorlesen, Windeln wechseln während der Elternzeit

Seit dem 1. Januar 2007 gibt es in Deutschland das Elterngeld, eine finanzielle Leistung des Staates. Es soll den Einkommensausfall von Müttern und Vätern auffangen, die ihre Berufstätigkeit zur Betreuung ihres Kindes unterbrechen. Gezahlt wird das Elterngeld maximal 14 Monate lang. Dabei können die Eltern den Zeitraum frei untereinander aufteilen.

Die Höhe des Elterngeldes orientiert sich am durchschnittlichen monatlichen Einkommen im Jahr vor der Geburt. Das Elterngeld beträgt höchstens 1800 Euro und mindestens 300 Euro pro Monat. Die staatliche Finanzspritze wird pro Lebensmonat des neugeborenen Kindes ausgezahlt.

Elterngeld hat sich etabliert

Das Elterngeld hat sich mittlerweile im Leben junger Familien etabliert und ist unumstritten. Knapp 80 Prozent der Bevölkerung halten diese finanzielle Unterstützung für eine gute Regelung. Das ist eines der Ergebnisse des Familienmonitors 2011, einer Repräsentativumfrage über das Familienleben in Deutschland im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

In der familienpolitischen Umfrage 2011 wird ebenfalls deutlich, dass sich Väter an der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder heute stärker beteiligen als früher. Zwei Drittel der Jugendlichen von heute sind sehr zufrieden mit dem Engagement ihrer Väter. Das sieht in der heutigen Großeltern-Generation ganz anders aus. Hier meint nur gut ein Drittel, dass sich ihre Väter damals genügend Zeit für sie genommen hätten.

Engagierte Väter

Vater mit Kind im Arm, Mutter im Hintergrund (Foto: AP)

Mehr Zeit für´s Kind

Außerdem sind Väter in der Öffentlichkeit sichtbarer geworden. Sie bringen ihre Kinder zum Kindergarten oder in die Schule. Und sie gehen mit ihren Kindern auf den Fußballplatz. Die Vaterrolle habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, so das Bundesfamilienministerium.

Männer verbänden Vaterschaft heutzutage mit Sinn und Erfüllung im Leben. Sie sähen ihre Rolle in der Familie weniger als Ernährer, sondern mehr als Erzieher ihrer Kinder. Das wird auch in der Bevölkerung so wahrgenommen wie die Umfragen im Familienmonitor 2011 zeigen. Zwei Drittel der Befragten haben den Eindruck, dass sich Väter heute deutlich stärker an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligen als noch vor fünf oder zehn Jahren.

Große regionale Unterschiede der Väter-Beteiligung

Deutschlandweit nehmen Väter ganz unterschiedlich Elternzeit und beantragen Elterngeld: Spitzenreiter sind die Väter aus Sachsen, Bayern und Berlin. Hier bezieht etwa jeder dritte Vater Elterngeld und bleibt zuhause. Schlusslicht ist das Saarland: Nur 14 Prozent der Väter, deren Kinder 2009 geboren wurden, blieb zuhause. Neben den Bundesländern gibt es auch eine Hitliste der deutschen Städte, in denen Väter Elterngeld beziehen. In Jena und Potsdam nahmen etwa 40 Prozent aller Väter Elterngeld für ihre 2009 geborenen Kinder in Anspruch. Die geringste Väterbeteiligung gab es in den Städten Bremerhaven und Emden mit jeweils neun Prozent.

Bei Müttern gab es keine nennenswerten regionalen Unterschiede. Nahezu jede Mutter beanspruchte für ihr 2009 geborenes Kind Elterngeld. Zu bemerken bleibt allerdings auch: Nach wie vor geht die Mehrheit der Väter nur für einen relativ kurzen Zeitraum von im Durchschnitt zweieinhalb Monaten in Elternzeit.

Autor: Anja Fähnle
Redaktion: Nils Naumann/Daphne Grathwohl

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