1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Windanlagen-Zulieferer fürchten sich nicht

In den kommenden Tagen wird entschieden, wie die Bundesregierung das EEG reformieren soll. Die Zulieferer der Windenergiebranche bleiben gelassen - sie sind vorbereitet.

Im sogenannten "Chempark" in Köln und Leverkusen werden vorrangig Chemikalien hergestellt. 28.000 Beschäftigte produzieren hier in 200 Betrieben auf 480 Hektar 5000 verschieden Chemieprodukte. Der Schwerpunkt: Nitrier- und Chlorierprodukte, Feinchemikalien und Siliziumchemie. Eigentlich ist der Chempark kein Ort, an dem man einen Zulieferer für Windanlagen auf Hoher See vermutet. Zumal der nächste Hochseehafen weit weg liegt.

Über den Rhein auf die Hohe See

Chempark Leverkusen. Foto: Oliver Berg dpa/lnw

Der "Chempark" in Leverkusen

Trotzdem stehen auf einem Geländeabschnitt Dutzende Kabeltrommeln, jede so groß wie ein Familienauto. Sie gehören dem Unternehmen NKT-Cables, das Kabel für Offshore-Windanlagen herstellt. Über den Rhein werden sie nach Rotterdam verschifft. "Die Nähe des Rheins für unsere Kabellieferung in die gesamte Welt hinaus ist von entscheidender Bedeutung", sagt Detlev Waimann, der bei NKT-Cables für die Projekte verantwortlich ist.

Mit den Kabeln von NKT-Cables lassen sich auf Hoher See die Windanlagen untereinander verbinden und der erzeugte Strom ans Festland weiterleiten. Das Unternehmen hat bereits vier deutsche Windparks verkabelt. Solche Kabel sind nicht besonders filigran - bis zu 16 Kilometer lang können diese werden und dabei 1800 Tonnen wiegen. Das Geschäft läuft gut. Im vergangenen Jahr konnte NKT-Cables, das 1999 aus der Übernahme der Kölner Kablewerke Felten & Guilleaume durch das dänische Unternehmen NKT hervorging, ungefähr 45 Millionen Euro Gewinn machen - vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen. Der Umsatz hat sich von 2007 auf 2012 nahezu verdoppelt. Seit der Übernahme ist zudem die Mitarbeiterzahl auf 900 Personen gestiegen.

Zukunft ungewiss

Sigmar Gabriel. Foto: Tobias Schwarz/Reuters

Gegen den Ausbau von Offshore-Parks im ganz großen Stil: SPD-Politiker Sigmar Gabriel

Vor dem weiteren Ausbau der Windenergie auf Hoher See steht allerdings ein großes Fragezeichen. Die Bundesregierung möchte die Subventionen für Windanlagen reduzieren - die Vergütungen für die Erzeuger sollen in den Jahren 2018 und 2019 von 19 Cent je Kilowattstunde um jeweils ein Cent fallen. Außerdem plant der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Absenkung der Ausbauziele: Bis 2020 sollen 6500 statt wie bisher geplant 10.000 Megawatt auf Hoher See und bis 2030 dann nur noch noch 15.000 statt der ursprünglich geplanten 25.000 Megawatt installiert werden.

Erst wenn die Regierung die endgültige Reform des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) verabschiedet, werden die Investoren absehen können, ob ihre Pläne für den Ausbau mit denen der Regierung mithalten können. Nach Wunsch des Bundesministers Gabriel soll das Gesetz am 1. August 2014 in Kraft treten. Die Eckpunkte will die Bundesregierung allerdings schon am 8. April in einer Kabinettssitzung festgezurren.

Hoffen auf neue Impulse

Der NKT-Cables-Projektverantwortliche Detlev Waimann sieht in den Veränderungen der Vergütung jedoch keinen direkten Nachteil. "Das wird neue Impulse im Markt auslösen", sagt Waimann. "Die Firmen werden stärker den Fokus auf die Umsetzung von Lerneffekten, Prozessoptimierung und Kosten-Management setzen." Die Firmen würden schneller lernen, wie sie kostenoptimiert arbeiten könnten. Waimann sieht es positiv: "Das zehnte Hochseekabelprojekt wird deutlich effizienter umgesetzt als das erste oder zweite Projekt."

Ein anderer Zulieferer der Branche musste derweil einen Schritt in eine andere Richtung gehen. Die Norddeutsche Seekabelwerke GmbH (NSW) mit Sitz in Nordenham verkabelte bisher Pionierprojekte wie die Windseeparks Alpha Ventus, Bard 1 und Global Tech One; die Nordseeinsel Helgoland wurde mit einem 53 Kilometer langen Energieseekabel an die Versorgung am Festland angeschlossen.



Neue Absatzmärkte: Öl- und Erdgasindustrie

"Doch die Aufträge für deutsche Projekte gerieten vor zwei Jahren ins Stocken",sagt Erhard Weitzenfelder, Vertriebsleiter bei NSW. Der Grund: die politischen Unsicherheiten und das EEG-Gesetz. Neue Vertriebsbereiche mussten her - und NSW setzte verstärkt auf Kunden im Öl- und Erdgasgeschäft, also auch solche Unternehmen, die Förderplattformen auf Hoher See betreiben. Die müssen schließlich auch mit Strom versorgt werden. "Zudem haben wir auch Offshore-Kunden außerhalb Deutschlands gewinnen können, die mit unseren Kabeln ihre Anlagen betreiben werden", erklärt Weitzenfelder.

Helgoland im Panorama. Foto: Marcus Brandt/dpa

53 Kilometer lang ist das Energieseekabel, das die Insel Helgoland mit dem Festland verbindet

Trotzdem wünschen sich auch andere Zulieferer der Hochsee-Windenergie-Branche, dass der Gesetzgeber in Berlin stabile Rahmenbedingungen für die Investitionen auf hoher See schafft. Beim Technologiekonzern ABB beispielsweise halten die Verantwortlichen die Auswirkungen möglicher Vergütungsänderungen auf das Geschäft noch für nicht abschätzbar. Und ABB-Konkurrent Siemens schwärmt von der guten Lage für die Branche auf den Britischen Inseln. "Es gibt dort einen parteiübergreifenden Konsens für den zügigen Ausbau der Offshore-Windkraft", sagt ein Siemens-Sprecher.

Was nichts anderes bedeutet, dass die Zulieferer auch auf diesen Märkten aktiv sein müssen. So haben sich die Rheinländer von NKT Cables nicht auf Deutschland allein beschränkt und sich so ein Stück von hiesigen politischen Rahmenbedingungen unabhängig gemacht. Die Folge: Die Unsicherheit über den Off-Shore-Ausbau in Deutschland hat das Geschäft der rheinischen Kabelbauer noch nicht beeinträchtigt.

Keine Fixierung auf Deutschland

"Bisher ist es uns durch Aktivitäten in zahlreichen Auslandsmärkten gelungen, die Schwierigkeiten einzelner Märkte durch Erfolge in anderen Märkten zu kompensieren", erklärt Projekt-Verantwortlicher Detlev Waimann und führt ein Beispiel an: "Wenn der Markt in Deutschland schwierig war, haben wir es geschafft Projekte in Belgien und in den Niederlanden zu akquirieren." So zog NKT Cables zuletzt einen Auftrag in dem Nachbarland an Land. Der niederländische Windpark-Betreiber Typhoon Offshore erhält ab 2015 rund 200 Kilometer Seekabel. Das gesamte Hochspannungskabel-Material samt Garnituren soll auf den Anlagen in Köln hergestellt werden.

Detlev Waimann schaut jedenfalls zuversichtlich in die Zukunft: "Wir sind überzeugt von der Attraktivität der Windenergie in der Nord- und Ostsee." Denn an den Grundbedingungen der Energiewende dürfte sich so schnell nichts ändern - EEG-Vergütung hin oder her. Windkraftanlagen werden gebraucht - sowohl auf hoher See als auch auf dem Festland. 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema