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Amerika

Wind of Change - Wieviel Energiepolitik verträgt die USA?

Der US-amerikanische Präsident Barack Obama will eine neue Umwelt- und Energiepolitik durchsetzen. Gibt es nach Jahren der Lähmung durch die Bush-Regierung endlich gute Aussichten auf eine florierende grüne Wirtschaft?

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Windräder in den USA - bisher eine Seltenheit

Der Wind des Wandels, bläst über die Felder von Farmer Ralph Dull. Mitten im abgewirtschafteten Kohlestaat Ohio hat der 80-Jährige nahe dem Bauernort Brookville ein unübersehbares Zeichen gesetzt: Vor Dulls Farm ragen sechs Windturbinen in den blauen Himmel. "Jede von ihnen ist zehn Kilowatt stark und produziert bis zu 60 Kilowatt-Stunden", strahlt der alte Mann stolz. "Sauberer Strom", sagt Dull, ist etwas Tolles. Und seine sechs Aufrechten machen den Farmer in seinem recht konservativen Bundesstaat zum "grünen Pionier". Den Energieschub dazu bekam Dull ausgerechnet in einem Krankenhaus. "Ich bekam ein künstliches Knie. Am Tag der Operation besuchte mich ein Freund. Er brachte mr eine Broschüre über Windenergie. Ich hatte ja viel Zeit zum Lesen."

Dull fing sofort Feuer. Ich dachte, oh, das könnte unsere Farm auch machen, um etwas sauberen Strom zu erzeugen. In Ohio kommt 90% des Stroms aus Kohle, denn davon haben wir viel." Nach seiner Entlassung fackelte Farmer Dull nicht lang. Sechs Monate später war seine Idee Realität: "Ich betonierte den Boden, die Lieferfirma kam mit einem Kran und brachte die Windräder. Mein Enkelsohn steckte die Türme zusammen und dann kamen die Turbinen drauf." In 40 Meter Höhe drehen sie sich nun und produzieren 15 Prozent des Stroms für die 1200 Hektar große Farm. Das reicht noch nicht - in Anbetracht jährlicher Stromkosten von 40 000 Dollar, meint Dull. Aber dennoch: "Sie erzeugen sauberen Strom und sie haben eine Reihe anderer Dinge angestoßen!" sagt Dull. Auf seiner "Homestead Farm" ist viel passiert. In den letzten zwei Jahren hat der Saatgut- und Schweinefarmer vieles umgekrempelt, was seine Väter und Großväter niemals für möglich gehalten hätten. Stolz deutet der alte, zierlich wirkende Mann auf die riesige silberne Heizanlage, die in seinem Büro vor sich hinschnurrt. Ein Rohr speist sie mit Erdwärme . Und aus Jauche will Dull bald Gold machen: Rund 10 000 Schweine werden jährlich auf seiner Familienfarm hochgepäppelt. Eine Anlage soll ihren Dung künftig in Biogas umwandeln. Das soll die Schweineställe heizen. Ähnlich läuft es bereits mit dem Saatkorn-Trockner. Den feuert Dull mit Getreideabfällen. "Wir sparen dadurch 50 000 Gallonen Propangas im Jahr", sagt der schlanke, wettergegerbte Mann.

Ein Traum: Gas-los und Benzin-frei

Benzinpreis in den USA gestiegen

Die Abhängigkeit von Benzin soll bald der Vergangenheit angehören

Kein Gas, kein Benzin, heißt Dulls Traum. Und viele seiner Farmfahrzeuge brauchen bereits nur noch halb soviel Sprit, weil sie zu 50% mit Wasserstoff rollen. Um den mit Hilfe von Wasser und Strom herzustellen, hat Dulls Freund Chris Mc Whinney seine eigene Maschine entwickelt. Ich dachte, warum sollen wir nicht Strom aus Wind und Sonne produzieren - und wenn der Wind mal nicht bläst oder die Sonne nicht scheint, treiben wir einen umgerüsteten Motor mit Wasserstoff an. Mc Whinney und sein Geschäftspartner haben ihre erste Hydrogen-Anlage vor wenigen Wochen nach Texas verkauft. Im ursprünglichen Ölstaat boomt die Windenergie bereits seit Jahren. Auch viele deutsche Firmen haben am Wind-Rausch teil. Doch Mc Whinney beteuert: Auch die Nachfrage von Privathaushalten sei groß:"Weil die Leute es satt haben, dass ihre Energiekosten außer Kontrolle geraten. Außerdem haben sie mehr Bewusstsein für die Erderwärmung und wollen etwas dagegen tun. Die Menschen, die Geld investieren, um von Benzin auf Wasserstoff umzusteigen, tun dass, weil sie sich nicht von Leuten kontrolleren lassen wollen, die uns Öl verkaufen aber uns nicht mögen."

"Solar- und Windenergie, Biodiesel, Erdwärme", heißt die Alternative, für die auch Präsident Barack Obama wirbt. Und dafür will er in den nächsten Jahren 15 Milliarden Dollar freimachen. Doch nicht allzu viele Amerikaner wissen mit diesen Begriffen etwas anzufangen. Auf Dulls Farm können sie es lernen. Der Bauer hat ein Info-Zentrum errichtet, um die Saat seiner alternativen Energiemaßnahmen möglichst breit zu streuen. Ganze Busladungen von Interessierten strömen herbei, um auf Dulls "Homestead Farm" das ABC der alternativen Energie zu lernen. "Ein Grund ist, dass es nicht unendlich viel Öl gibt", sagt Dull. " Ein zweiter Grund ist die globale Erwärmung, die inzwischen mehr Menschen ernst nehmen. Und drittens ist unsere nationale Sicherheitslage nicht besonders gut, solange wir Öl aus Venezuela oder dem Nahen Osten kaufen müssen.

Farmer ernten Wind für eine ganze Kommune

Rund drei Autostunden entfernt versuchen zwei Farmer diese Erkenntnisse zum Wohl ihrer ganzen Kommune umzusetzen. Der Präsident der Farmers Union von Ohio, Roger Wise, und sein Nachbar Louis Stevens bringen frischen Wind an die luftigen Ufer des Erie-Sees: 25 Windturbinen wollen sie im ländlichen Sandusky County aufstellen. Sie sollen der Kommune Strom bringen - aber auch Geld. "Ohio will mit den Rest der Nation in puncto Windenergie einholen", erklärt Wise. "Wir haben hier gute Ressourcen.Wir gründen eine Farmer-Kooperative, die unserer Kommune die Chance gibt, bei einem Projekt mitzumachen, das erneuerbare Energie und Einkommensquellen für die Landbesitzer schafft."

Mit einer eigens gegründeten Firma, finanzieller Starthilfe vom US-Agrarminsterium und dem Know How einem deutschen Beraterbüro haben Wise und Stevens den Grundstein gelegt. Windstudien speisen ihre Hoffnung, dass das Projekt sich lohnt. Mehr und mehr Nachbarn lassen sich anstecken von ihrer Idee. Und doch, es ist ein weiter Weg, weiß Stevens: "Es ist das erste Projekt dieser Art in Ohio. Also müssen Gesetze geändert und Regeln geschaffen werden. Der erste durchbricht immer die Barrieren für den zweiten, dritten und vierten."