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Wind bringt Mecklenburg-Vorpommern voran

Das strukturschwache Mecklenburg-Vorpommern will mit Windkraft seine Wirtschaft ankurbeln. Das Land deckt bereits 40 Prozent des Stromsverbrauchs mit Windenergie - ein Spitzenwert.

Neubukow hat ein neues Wahrzeichen: Ein 200 Meter hohes Windrad dreht sich über der norddeutschen Kleinstadt in der Nähe von Rostock. Es überragt den Kirchturm und die alte Holländermühle. Die gigantische Anlage der Firma Enercon ist die größte in Europa – und sie zeigt, was das ansonsten ruhige 4000-Einwohner-Städtchen Neubukow vor allem zu bieten hat: reichlich Wind, der von der nahen Ostsee kommt.

Windkraftpionier Rudolf Lange Foto: Nicole Scherschun (DW)

Windkraftpionier Rudolf Lange

Auch der Neubukower Maschinenbauer Rudolf Lange setzt auf Windkraft. Allerdings sind die Windräder seiner Firma "Dethloff und Lange" das genaue Gegenteil vom Riesenrotor nebenan: klein und fein. Der Prototyp ist gerade einmal 15 Meter hoch und steht im Vorgarten von Langes Geschäftspartner. Ein Windrad für den Hausgebrauch.

Die Energie aus der Anlage lässt sich in das eigene Hausnetz einspeisen und kann - wenn reichlich Wind weht - bis zu 80 Prozent des Strombedarfs eines durchschnittlichen Einfamilienhauses abdecken. Nun kommen regelmäßig Besucher am Vorgarten vorbei, um sich die Mini-Windkraftanlage anzusehen.

Windrad für den Vorgarten

"Wir könnten 50 oder 100 Mühlen bauen, so groß ist die Nachfrage", sagt Rudolf Lange. Trotzdem möchte er es erst einmal langsam angehen lassen und nur zehn Windräder bauen. Wenn sie sich bewähren, will er eine umfangreichere Produktion starten. Dann wäre es vielleicht auch möglich, weitere Ingenieure und Facharbeiter einzustellen. Bisher arbeiten knapp 50 Angestellte bei "Dethloff und Lange".

Der Riesenrotor und die Windkraft-Zwerge aus Neubukow zeugen von den Chancen, die die erneuerbaren Energien dem strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern bieten. Denn die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsdaten des von Feldern und Wiesen geprägten Landes sind ernüchternd.

Gerade einmal 15 Meter hoch: Mini-Windrad in Neubukow Foto: Nicole Scherschun (DW)

Mini-Windrad in Neubukow

Im Jahr 2011 wuchs die Wirtschaft hier gerade einmal um 1,5 Prozent. Im Vergleich mit den anderen deutschen Bundesländern landete Mecklenburg-Vorpommern damit auf dem vorletzten Platz. Auch die Arbeitslosenquote ist mit 12,9 Prozent deutschlandweit eine der höchsten.

Die Windkraft könnte nicht nur Geld in die Gemeindekassen, sondern auch neue Jobs ins Land bringen. Eine kürzlich im Auftrag des Bundesumweltministeriums verfasste Studie kommt zu dem Schluss, dass die "Bedeutung des Ausbaus erneuerbarer Energien für den Arbeitsmarkt in Ostdeutschland besonders hoch ist". Demnach arbeiten  bislang 12.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der erneuerbaren Energien. Angesichts der in Deutschland beschlossenen Energiewende scheint hier ein weiterer Zuwachs möglich zu sein.

Landesregierung möchte mehr Flächen für Windkraft freigeben

Fast 40 Prozent des Stroms der in Mecklenburg-Vorpommern aus den Steckdosen kommt, wird mittlerweile mit Wind erzeugt, schreibt der Bundesverband  Windenergie. Anders als in anderen Wirtschaftszweigen ist das Bundesland in diesem Bereich spitze. Und die Windkraft soll im Land weiter ausgebaut werden. Die Landesregierung will die Vergabeverfahren vereinfachen. Geht es nach Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Volker Schlotmann, soll die Zahl der Flächen möglichst verdoppelt werden, die zur Windkrafterzeugung bereit stehen.

Gegen die Ausbaupläne der Landesregierung regt sich allerdings Widerstand in der Bevölkerung. Bürger, die an potentiellen Windkraftstandorten leben, fürchten Lärm und Schattenwurf der riesigen Anlagen ohne in den Genuss von Vorteilen zu kommen. So genannte Bürgerwindparks - bei denen die Anwohner nicht nur günstigen Strom bekommen, sondern auch noch an den Gewinnen beteiligt werden - gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch kaum.

Die Mini-Windkraftanlage von Mittelständler Rudolf Lange in Neubukow könnte viele Bürger vielleicht mit der Windkraft versöhnen. "Unsere Windräder sollen leise sein, gut aussehen – und natürlich einen guten Wirkungsgrad haben", sagt Lange. Geht sein Plan auf, könnten sich neben den Großanlagen auf freiem Feld viele kleine Windräder in den Vorgärten drehen.

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