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Wirtschaft

Wincor Nixdorf kommt unter die Haube

Wincor Nixdorf wird amerikanisch: Nach monatelangem Tauziehen lässt sich der Paderborner Geldautomatenhersteller von seinem US-Konkurrenten Diebold für 1,8 Milliarden Euro übernehmen.

Die Nummer zwei und drei der Branche weltweit seien sich über die Eckdaten der Fusion einig geworden, teilten beide Unternehmen am Montag mit. Diebold bietet den Wincor-Nixdorf-Aktionären rund 1,8 Milliarden Euro in bar und eigenen Aktien. Der traditionsreiche Name von Computer-Pionier Heinz Nixdorf bleibt erhalten, der neue Konzern soll "Diebold Nixdorf" heißen.

Der Wincor-Vorstand um Eckard Heidloff, der sich lange gegen einen Verkauf gesträubt hatte, sowie der Aufsichtsrat unterstützten das Angebot. Einen wesentlichen zusätzlichen Stellenabbau soll es in Deutschland nicht mehr geben.

Nun müssen nur noch die Wincor-Aktionäre mitspielen. Sie sollen 38,98 Euro je Aktie in bar sowie 0,434 Diebold-Aktien erhalten. Das entspricht - gemessen am Schlusskurs vom Freitag - einem Wert von 54,31 Euro. Vorbörslich sprangen Wincor-Aktien im Nebenwerteindex MDax um gut zehn Prozent auf 50,50 Euro nach oben.

Zur Nummer eins aufschließen

Die Diebold-Aktie hatte schon am Freitag um 3,5 Prozent zugelegt, als die konkreten Fusionspläne bekannt wurden. Die Übernahme kommt nur zustande, wenn Diebold mit der Offerte an mehr als 67,6 Prozent der Wincor-Aktien kommt. Zusammen mit den eigenen Aktien im Bestand von Wincor kämen die Amerikaner dann auf eine Dreiviertel-Mehrheit.

Gemeinsam kommen Diebold und Wincor auf 4,8 Milliarden Euro Umsatz und könnten damit zum Weltmarktführer NCR aus den USA aufschließen. Der Firmensitz von Diebold Nixdorf wird im US-Bundesstaat Ohio sein, gesteuert werden soll der Konzern aus North Canton und Paderborn gemeinsam. Diebold-Chef Andy Mattes soll das Unternehmen weiter führen, Heidloff bleibt aber in der Rolle eines "President" an Bord. Wincor-Finanzvorstand Jürgen Wunram soll sich um die Integration kümmern.

Diebold und Wincor reagieren mit der Fusion auf dem Umbruch in der Geldautomaten-Branche. In Ländern wie den USA oder Schweden spielt Bargeld eine immer geringere Rolle, so dass sich die Hersteller nach anderen Erlösquellen umsehen müssen, etwa als Software- und Dienstleistungs-Anbieter. Auch Wincor leidet unter Sparmaßnahmen der Banken und der Zurückhaltung der Händler bei Investitionen. Im Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende September) blieben netto nur acht (Vorjahr: 104) Millionen Euro Gewinn hängen. Die Dividende wurde gestrichen.

Durch die Übernahme ließen sich umgerechnet rund 150 Millionen Euro Kosten im Jahr sparen, erklärten Diebold und Wincor. Das soll sich 2017 positiv im Gewinn niederschlagen. Binnen drei Jahren soll die operative Umsatzrendite auf mehr als neun Prozent steigen. Bei der Dividende müssen sich die Diebold-Nixdorf-Aktionäre vorerst mit einem Drittel dessen begnügen, was sie von dem US-Konzern gewohnt waren. Vorrang habe zunächst die Reduzierung der Schulden.

wen/as (rtrd, dpa)

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