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Kultur

Wim Wenders' neugieriger Blick auf die Welt

"Das Salz der Erde" heißt der neue Dokumentarfilm von Wim Wenders: Eine Hommage an den Fotografen Sebastião Salgado. Und ein weiterer Mosaikstein in der Karriere des Regisseurs.

Vielleicht sollte Wenders nur noch Dokumentarfilme drehen. Denn mit dieser filmischen Form hat er in den vergangenen 15 Jahren seine größten Erfolge gefeiert. Seine letzten Spielfilme aus dieser Zeit sind dagegen kaum noch in Erinnerung. Oder wer kann sich noch an "Palermo Shooting" oder "Land of Plenty" erinnern?

Das war einmal anders. Der Regisseur so berühmter Spielfilme wie "Paris, Texas" oder "Der Himmel über Berlin" hat sich seit seinen ersten Arbeiten Ende der 1960er Jahre künstlerisch und menschlich mehrfach gehäutet. Der extrem schüchtern und introvertiert auftretende junge Mann, der mit kargen Schwarz-Weiß-Werken wie "Alice in den Städten" oder "Im Lauf der Zeit" einst zu einem der Wegbereiter des "Neuen Deutschen Films" wurde, ist heute kaum mehr wiederzuerkennen.

Geachtet auf den Filmbühnen der Welt

Inzwischen ist Wenders ein Weltreisender in Sachen Kino, der viele Ehrenämter ausübt, auf den Filmbühnen der Welt sicher und gewandt auftritt, mit Preisen bedacht und mit

Retrospektiven

geehrt wird.

Der Name "Wim Wenders"

ist fast zu einer Marke geworden: geschätzt von Kollegen, auch außerhalb des Mediums, gefragt bei Filmstudenten an den Hochschulen, geachtet in der internationalen Kunstwelt.

So ist es kein Zufall, dass Wenders neueste Arbeit, die Dokumentation "Das Salz der Erde" über den brasilianischen Starfotografen Sebastião Salgado, sich mit dem Medium Fotografie beschäftigt. Der Regisseur, selbst ein begeisterter Fotograf, der schon mehrere Bildbände mit eigenen Arbeiten herausgebracht hat, hat immer offene Augen und Ohre für die anderen Künste gehabt.

Bilder, Musik, Tanz

In Dokumentationen wie "Buena Vista Social Club" oder "Viel passiert - der BAP-Film" hat sich Wenders musikalischen Sujets genähert. "Pina" war eine Verbeugung vor der Choreografin Pina Bausch. Nun also die Fotografie. Wenn man will, so kann man die Entwicklung des Regisseurs Wenders als konsequent bezeichnen: Er hat eben ein sicheres Gespür für Bilder, für Bildkompositionen aller Art, für eine ausgefeilte und durchdachte Ästhetik. Das war schon in seinen allerersten Spielfilmen deutlich sichtbar. Und für den Einsatz von Musik in seinen Filmen wurde er auch immer mit viel Lob bedacht, auch dann noch, als die Reaktionen auf seine Spielfilme kritischer ausfielen.

Filmszene Das Salz der Erde (Foto: Wim Wenders / NFP)

Blick auf die Welt: Sebastiao Salgado in "Das Salz der Erde" von Wim Wenders

Doch es gibt auch einen Bruch in seiner Karriere. In seinen Filmen mit fiktionalen Stoffen hat Wim Wenders irgendwann die Leichtigkeit verloren. Ende der 1980er Jahre war das, nach seinem Erfolg "Der Himmel über Berlin" und seinem monumental angelegten Film "Bis ans Ende der Welt", der sich finanziell und künstlerisch zum Desaster entwickelte. Fortan wirkten seine Spielfilme stark verkopft, immer irgendwie interessant, aber eigentlich auch immer angestrengt und bemüht.

1989: Der Blick nach Japan

Doch Wenders erfand sich damals neu. Im Jahr der Wende, als ganz Deutschland gebannt auf den Fall der Mauer starrte, beschäftigte sich der sensible Regisseur mit einem Modemacher fernab der Heimat. "Yamamoto - Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten", der sich mit der Kamera dem japanischen Mode-Designer Yamamoto Isoroku annäherte, wurde zum Startschuss einer zweiten Karriere.

Filmfest München 2014 Wim Wenders (Foto: Felix Hörhager/dpa)

Weltweit gefeiert: Wim Wenders

In der Folge reiste dieser neugierige und wissbegierige Regisseur um die Welt, sog alles auf, was ihn interessierte und fing an sich intensiv mit dokumentarischen Formen zu beschäftigen. Zehn Jahre später triumphierte er dann mit einem Film über eine Gruppe greiser, alter wie vitaler Männer, die auf Kuba Musik machten: "Buena Vista Social Club" wurde zu einem Welterfolg.

Überwältigender Erfolg mit Salgado-Film

"Pina" verdiente sich eine Oscarnominierung. "Kathedralen der Kultur" war vor kurzem einmal mehr ein Beispiel für die Neugier des Regisseurs, sich stets mit neuen Techniken des Filmemachens auseinanderzusetzen. "Das Salz der Erde", den er mit Salgados Sohn Juliano Ribeiro inszenierte, zeigt nun ganz aktuell, was Wim Wenders inzwischen vor allem auszeichnet: ein neugieriger Blick auf die Welt, auf wesensverwandte Künstler, auf Kunst im Allgemeinen und ästhetische Entwicklungen. Bei der Weltpremiere in Cannes stand das Publikum nach der Vorführung auf und applaudierte minutenlang. Einen Preis gab es am Ende dazu. Es ist nicht allzu gewagt zu prognostizieren, dass sein neuer Film nun auch das Publikum in Schaaren anlockt. "Das Salz der Erde" dürfte den Dokumentarfilmregisseur Wim Wenders weiter etablieren.

Übrigens: Derzeit ist Wenders mitten drin in der Postproduktion eines Spielfilms.

"Everything will be fine"

erzählt die Geschichte eines Schriftstellers, dessen Leben nach einem Autounfall aus den Fugen gerät und ist mit den internationalen Stars James Franco, Charlotte Gainsbourg, Rachel McAdams prominent besetzt.

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