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Deutschlehrer-Info

Willkommensklassen ein Fehler?

Hunderttausende Flüchtlingskinder in Deutschland sprechen kaum Deutsch. Deshalb müssen viele von ihnen zunächst spezielle Deutschlernklassen besuchen. Ein Fehler, meinen jetzt die Autoren einer wissenschaftlichen Studie.

Sie galten oft als Schlüssel zur schulischen Integration von Flüchtlingskindern: separate Klassen für Hunderttausende Kinder und Jugendliche, die vor allem in diesem und im letzten Jahr nach Deutschland gekommen sind. In diesen Klassen sollen die Kinder besonders die deutsche Sprache lernen, aber auch alltagspraktische Orientierungshilfe erhalten, bevor sie irgendwann in Regelklassen eingegliedert werden. 

Viele Tausende dieser sogenannten Willkommensklassen, die in manchen Bundesländern auch Übergangs-, Sprachlern- oder Vorbereitungsklassen heißen, gibt es derzeit in ganz Deutschland, allerdings mit regionalen Unterschieden. Während in Berlin fast alle Flüchtlingskinder zunächst in gesonderte Klassen gehen, lernen sie in Rheinland-Pfalz von Anfang an zusammen mit Deutsch sprechenden Kindern und besuchen nach der Schule und in den Ferien einen Deutsch-Intensivkurs.

Folgt man Wissenschaftlern des Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung an der Berliner Humboldt-Universität, ist der rheinland-pfälzische Weg der bessere. Ein Zwischenergebnis ihrer von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung geförderten Studie lautet:  Die separaten Klassen sind kurzsichtig organisiert und bringen eine ganze Reihe von Problemen. Besonders kritisiert wird die Tatsache, dass es keinen festen Lehrplan gebe. Was und mit welchem Material die Kinder lernten, hänge allein vom Lehrer – oft Quereinsteiger – ab. Und auch was Kinder können müssen, um in normale Klassen zu wechseln, sei nicht geregelt.

„Das einzige vorgegebene Ziel ist, dass die Kinder schnell Deutsch lernen. Nur dazu bräuchten sie eigentlich andere Deutsch sprechende Kinder um sich. In der Willkommensklasse bleiben sie unter sich," erklärte Juliane Karakayali, eine der Leiterinnen der Studie, in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit". Schulen, in denen Flüchtlingskinder direkt in den Regelunterricht eingebunden sind, hätten mit deutlich weniger Problemen zu kämpfen.

ip/bs (mit dpa)

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