1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Willkommen, Kroatien!

Die Europäische Union hat Zuwachs bekommen: Seit Mitternacht Ortszeit ist Kroatien das 28. Mitglied der EU. Europäische Politiker gratulieren, mahnen aber zugleich weitere Reformen in dem Land an der Adria an.

Zehntausende Menschen haben in der Nacht zum Montag in Zagreb den EU-Beitritt Kroatiens gefeiert. Punkt Mitternacht erklang die EU-Hymne, Beethovens "Ode an die Freude", während ein gigantisches Feuerwerk den nächtlichen Himmel erhellte.

Kroatien sei nun an seinen "rechtmäßigen Platz" im Herzen Europas zurückgekehrt, so EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei der zentralen Feier in Zagreb. Kroatien sei gut vorbereitet, habe wichtige Reformen unternommen und sei ein Beispiel für andere Staaten in der Region. "Ihr seid immer Europäer gewesen", sagte EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Kroatiens Beitritt sei ein "Meilenstein" und wichtiger Vorreiter für die Region.

Kroatien habe Institutionen geschaffen, die auf Demokratie, Versöhnung und Rechtsstaatlichkeit beruhen, betonte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Im westlichen Balkan, einer Region, die noch vor zwei Jahrzehnten durch Krieg erschüttert wurde, trage die EU-Integration zu Frieden und Wandel bei. Der Beitrag Kroatiens zum gemeinsamen Projekt Europa werde alle bereichern.

Mit Blick auf Krisen in der EU betonte der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic, sein Land betrete kein sinkendes Schiff. Er sei überzeugt, das "Glas ist halb voll und nicht halb leer", so Milanovic. Staatspräsident Ivo Josipovic versprach, die EU-Mitgliedsbestrebungen anderer Staaten auf dem Westbalkan zu unterstützen.

"Noch viele weitere Schritte"

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nicht nach Zagreb gereist war, sieht indes noch viel Reformbedarf in Kroatien. "Gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen", sagte Merkel. In der kroatischen Presse wurde die Tatsache, dass Merkel nicht an den Beitrittsfeierlichkeiten teilnahm, als "diplomatische Ohrfeige in Kroatiens Gesicht" gewertet. Es wurde spekuliert, die Absage stehe im Zusammenhang mit Zagrebs Weigerung, den in Deutschland gesuchten ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstchef Josip Perkovic auszuliefern. Ihm wird vorgeworfen, einen Kroaten in Bayern ermordet zu haben.

Die Kanzlerin machte für ihre Absage einen vollen Terminkalender geltend und versicherte, sie freue sich aufrichtig über Kroatiens EU-Beitritt. Eine Video-Botschaft beendete sie mit den Worten "Willkommen, Kroatien, in der Europäischen Union!"

Video ansehen 01:26

Nummer 28 - Kroatien feiert EU-Beitritt

Kroatien ist nach Slowenien das zweite EU-Mitgliedsland aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Beitrittsverhandlungen begannen im Oktober 2005.

Mit gut 56.000 Quadratkilometern ist Kroatien knapp doppelt so groß wie das deutsche Bundesland Brandenburg. Fast 90 Prozent der rund 4,4 Millionen Einwohner sind römisch-katholischen Glaubens. Die rund 1800 Kilometer lange Küste und Hunderte Inseln machen Kroatien zum beliebten Urlaubsland. Rund 20 Prozent des kroatischen Bruttoinlandsprodukts gehen auf den Fremdenverkehr zurück.

Litauen löst Irland ab

Zum 1. Juli wurde die Europäische Union nicht nur größer - auch der Vorsitz in der EU-Ratspräsidentschaft wechselte turnusgemäß. Mit Litauen führt nun erstmals eine ehemalige Sowjetrepublik die Geschäfte in der Staatengemeinschaft. Das kleine baltische Land will in den kommenden sechs Monaten für ein "glaubwürdiges, wachsendes und offenes Europa" sorgen - so das offizielle Motto. Litauen ist seit 2004 EU-Mitglied. Die Regierung in Vilnius will den Ratsvorsitz auch dafür nutzen, um die Partnerschaft der EU mit den früheren Sowjetrepubliken Ukraine, Moldau, Belarus (Weißrussland), Armenien, Aserbaidschan und Georgien voranzutreiben.

wa/qu (dpa, afp, rtr)

Audio und Video zum Thema