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Deutschland

Willkommen im Land der Narren und Jecken

Die Kölner feiern am 11.11. den Beginn der Karnevalssession. In diesem Jahr erhielten zur gleichen Zeit 16 Frauen und Männer die deutsche Staatsbürgerschaft. Ein kölscher Start ins neue Leben als Deutscher.

Neubürger in Köln: Der 30-jährige Brasilianer Wagner Rodriguez Silvestre (Foto: DW)

Neubürger in Köln: Der 30-jährige Brasilianer Wagner Rodriguez Silvestre

Wagner Rodriguez Silvestre ist auf dem Weg ins Kölner Stadtzentrum. Karneval kennt er aus seiner Heimat Brasilien gut. Allerdings unterscheide er sich dort sehr vom deutschen, erzählt er. In Brasilien gehe es vor allem um nackte Haut und Sonnenschein. In Deutschland spiele der Alkohol eine große Rolle, habe er gelernt. Er muss lachen und wärmt seine Hände in den Hosentaschen.

Es ist kalt in Köln, getrunken wird viel. Inmitten der als Priester, Krankenschwester und Clown Verkleideten fällt Wagner Rodriguez Silvestre auf. In seinem feinen Anzug ist ihm nicht zum Trinken und Feiern zumute - noch nicht. Der 30-Jährige ist auf dem Weg zum Rathaus, das nur wenige Meter entfernt von den zentralen Feierlichkeiten liegt. Hier erhält er später die deutsche Staatsbürgerschaft. Er freut sich. Sein Leben wird danach einfacher sein, glaubt er. "Die Bürokratie und der Papierkram werden dann sicher weniger."

Mehr als ein Stück Plastik

Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Foto: DW)

Bezirksbürgermeister Andreas Hupke: "Vielfalt ist wichtig"

Andreas Hupke ist Bürgermeister des Bezirks Innenstadt. Einmal im Monat verleiht er Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft, Frauen und Männern aus der ganzen Welt. "Diese kulturellen Wurzeln dürfen die Menschen nicht vergessen und sollen sie pflegen", sagt der 59-Jährige. Diese Vielfalt sei wichtig für eine Stadt wie Köln. Weil er das sagen könne, sei ihm der Termin jetzt der liebste seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Dabei vergesse er aber auch nicht zu betonen, dass durch die Einbürgerung nun eine formale zweite Kultur da sei. "Auch mit ihr müssen sich die Menschen dann auseinandersetzen."

Hunderten Neubürgern habe er das schon mit auf den Weg gegeben - aber noch nie am 11. November, diesem so besonderen Tag im Kölner Stadtkalender. Zufall, sagt er, um gleich zu ergänzen, dass er so besonders dann auch wieder nicht sei. Der Karneval und seine Bedeutung in Köln spiele in seinen Ansprachen auch sonst stets eine zentrale Rolle. "Hier haben Menschen unterschiedlicher Herkunft die Chance, einander zu treffen."

Mehr Deutscher als Brasilianer

Karnevals-Jecken in Köln (Foto: AP)

Das ist Karneval in Köln

Wagner Rodriguez Silvestre hat sich im Kölner Karneval gleich wohl gefühlt. Auch wenn er beim ersten Mal die Lieder und Menschen kaum verstand. Sechs Jahre und verschiedene Deutschkurse später ist er deutscher geworden, als ihm das manchmal lieb ist. Zum Beispiel merke er bei Fußball-Länderspielen, dass sein Herz für beide Teams schlage - dann, wenn Deutschland auf Brasilien trifft. Für immer in seine Heimat zurückzukehren, kann er sich zurzeit nicht vorstellen. Er hat die Deutschen und ihre Mentalität kennen und schätzen gelernt.

Die Glocken des Spanischen Baus des Rathauses läuten zur Einbürgerungsfeier. Im Heinrich-Böll-Saal ermuntert Andreas Hupke die 16 Frauen und Männer, sich mit der Geschichte Kölns und seiner Sprache zu beschäftigen. Sprache sei Leben und Leben Sprache, so der Bezirksbürgermeister. Er spricht von Kölsch, nicht von Deutsch.

Autor: Michael Borgers

Redaktion: Kay-Alexander Scholz