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Testseite Politik

Williamson entschuldigt sich

Drei Wochen nach der Aufforderung durch den Vatikan, seine Holocaust-Leugnung zu widerrufen, hat sich der umstrittene katholische Geistliche Richard Williamson entschuldigt.

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Pius-Bruder Richard Williamson löste mit seiner Leugnung des Holocaust eine Welle der Entrüstung aus

Williamson stellte aber nicht klar, ob er seine Ansichten geändert hat. "Ich bitte alle, die sich aufgrund meiner Worte aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung", schrieb der Piusbruder in einem am Donnerstag (26.02.2009) von der katholischen Nachrichtenagentur Zenit in Rom veröffentlichten Brief an den Vatikan. In dem Schreiben erklärt der Geistliche weiter, es tue ihm leid, "diese Bemerkungen gemacht zu haben". Er hätte sie nicht geäußert, wenn er "im Vorhinein um den ganzen Schaden und den Schmerz gewusst hätte, die diese verursachen würden".

Dabei nannte Williamson Verletzungen "besonders der Kirche, aber auch der Überlebenden und Angehörigen von Opfern von Ungerechtigkeit im Dritten Reich". Nach Angaben der Agentur Zenit wurde der Brief von der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei veröffentlicht. Vorsitzender der Kommission ist Kardinal Darío Castrillón Hoyos, der sich um die Reintegration der abtrünnigen Piusbruderschaft kümmert.

Verhaltene Reaktionen

Graumann Zentralrat der Juden

Dr. Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, hält die Äußerungen Williamsons für wenig überzeugend

Der Vatikan, der Williamson zu einem Widerruf aufgefordert hat, gab keine Stellungnahme zu der Erklärung ab. Kritik kam aus der jüdischen Gemeinschaft. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sprach von einer "verkorksten" Erklärung und einem "Bedauern dritter Klasse". Williamson habe seine Äußerungen nicht zurückgezogen, sondern bedaure nur, "dass seine Worte schädlich gewirkt haben", sagte Graumann der Internet-Ausgabe des "Handelsblatts". Damit sei das Thema "keineswegs vom Tisch, sondern aktueller als je zuvor".

Iris Rosenberg vom Jad-Vaschem-Museum in Israel sagte am Donnerstagabend (26.02.2009): "Die Millionen von Juden, die im Holocaust ermordet wurden, und die Überlebenden, die verfolgt wurden, warten nicht auf seine Entschuldigung." Wenn Williamson seine Äußerungen wirklich bereue, müsse er auch zugeben, dass sie falsch gewesen seien.

Sturm der Entrüstung

Williamson hatte in einem Ende Januar ausgestrahlten Interview mit dem schwedischen Fernsehen gesagt, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern". Am selben Tag unterschrieb Papst Benedikt XVI. ein Dekret, das die Exkommunikation Williamsons und dreier weiterer Mitglieder der erzkonservativen Piusbruderschaft rückgängig machte - und einen Sturm der Entrüstung auslöste. Vom Papst aufgefordert, seine Äußerungen zu widerrufen, sagte Williamson lediglich, er werde seine Aussagen zum Holocaust "überprüfen".

Rehabilitation von Holocaust-Leugner durch Papst Benedikt sorgt für Kritik

Papst Benedikt XVI. sorgte mit der Rehabilitation von Holocaust-Leugner Williamson für internationale Kritik

Argentinien, wo Williamson seit 2003 in einem Priesterseminar gelebt hatte, hatte den Geistlichen in der vergangenen Woche zum Verlassen des Landes aufgefordert und andernfalls mit Ausweisung gedroht. Als Begründung führte die Regierung in Buenos Aires an, Williamson habe mit der Leugnung des Holocausts das Judentum beleidigt. Das Mitglied der erzkatholischen Pius-Bruderschaft war am Mittwoch am Londoner Flughafen Heathrow eingetroffen und hatte sich zunächst in Schweigen gehüllt. (fg)

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