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Europa

Wilders will's nochmal wissen

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders soll bei der "Pegida"-Kundgebung in Dresden auftreten. Wen haben die Organisatoren da eigentlich eingeladen?

Seine besten Zeiten scheint Geert Wilders bereits hinter sich zu haben, in den Niederlanden ebenso wie auf europäischer Bühne. Denn zuletzt hat der Mann mit der wasserstoffblonden Mähne in seinem Heimatland nur noch Wahlniederlagen eingefahren. Dabei hat der Sohn eines Niederländers und einer aus Indonesien stammenden Mutter eine erstaunliche politische Karriere hingelegt. 1998 war Wilders für die rechtsliberale Partei VVD ins niederländische Parlament eingezogen, brach aber nach 14 Jahren mit ihr, weil die VVD einen EU-Beitritt der Türkei befürwortete. 2006 gründete er seine eigene Partei für die Freiheit (PVV) und machte mit Forderungen nach einem EU-Austritt der Niederlande, Abschaffung des Euro und immer wieder mit antiislamischen Äußerungen von sich reden.

Vor allem mit dem Thema Islam hatte er einen Nerv getroffen. In einer Umfrage von 2008 sahen 56 Prozent der Niederländer den Islam als Bedrohung, und 57 Prozent meinten, es sei der größte Fehler in der Geschichte ihres Landes gewesen, so viele Muslime ins Land zu lassen. Er traue sich, das auszusprechen, "was Millionen von Menschen denken", erklärte Wilders einmal seinen Erfolg.

Wilders und Le Pen Foto: DW/A. Noll

Auf der Bühne mit Marine, doch ein politisches Bündnis scheiterte.

Das Blatt hat sich gewendet

Lange konnte Wilders auf dieser Stimmung von einem Erfolg zum anderen eilen. Höhepunkt war die niederländische Parlamentswahl 2010. Da wurde die PVV drittstärkste Kraft. Die Regierung Rutte war auf die Duldung der PVV angewiesen. Selbst Wilders' Videofilm "Fitna" von 2008, der die Terroranschläge von 2001 mit Koranzitaten zu einer antiislamischen Collage verband, konnte ihm weder politisch noch rechtlich etwas anhaben. Der Aufschrei in der islamischen Welt war erwartungsgemäß groß, doch ein Prozess wegen Rassenhass und Diskriminierung von Muslimen endete mit einem Freispruch.

Doch irgendwann begann sich das Blatt zu wenden. Den Bogen überspannt hatte er offenbar 2014 bei einer Parteiveranstaltung in Den Haag. Da fragte er rhetorisch seine Anhänger: "Wollt Ihr weniger oder mehr Marokkaner in den Niederlanden?" Die Menge grölte "weniger, weniger". Darauf Wilders lächelnd: "Dann werden wir das regeln." Manche Kommentatoren zogen einen Vergleich mit der "Sportpalastrede" von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels, als dieser 1943 fragt: "Wollt Ihr den totalen Krieg?" In einem Sturm der Entrüstung erstatteten Tausende Niederländer Anzeige gegen Wilders wegen Aufhetzung und Rassismus. Zwar endete ein erster Prozess auch in diesem Fall mit einem Freispruch, ein weiteres Verfahren wird vorbereitet. Aber offenbar hatte Wilders eine Grenze überschritten, und als Folge traten auch viele seiner Anhänger aus der PVV aus.

Rund um die Uhr unter Polizeischutz

Seitdem scheint Geert Wilders mehr und mehr isoliert. Bei der Europawahl 2014 erlitt die PVV eine Niederlage. Auch der Plan eines europäischen rechten Bündnisses zusammen mit der französischen Front-National-Chefin Marine Le Pen scheiterte. Die niederländischen Medien und die etablierten Parteien sind inzwischen dazu übergegangen, Wilders zu ignorieren. Inhaltlich nimmt er aber nichts zurück. Wilders betont immer wieder, er hasse nicht die Muslime, doch die islamische Lehre sei "unmenschlich". Der Islam ist für ihn "das größte Problem der Niederlande", der Koran "faschistisch", er vergleicht ihn mit Hitlers Buch "Mein Kampf". Isoliert ist Wilders aber auch ganz direkt und persönlich: Als Preis der Empörung, die er auslöst, lebt er schon seit mehr als zehn Jahren rund um die Uhr unter Polizeischutz. Seinen Wohnort wechselt er ständig, er ist ein streng gehütetes Geheimnis. Sein Auftritt in Dresden ist deswegen nicht nur politisch äußerst heikel, sondern auch ein Sicherheitsproblem ersten Ranges.

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