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Afrika

Wilderei im Nationalpark

Die Jagd auf Elefanten in Afrika nimmt dramatisch zu. Asiens Märkte verlangen nach Elfenbein und kriminelle Netzwerke sorgen für Nachschub. Ein globales Geschäft.

Parkranger untersuchen in einem Nationalpark in Kenia einen Tatort, an dem zehn Elefanten von Wilderern für ihr Elfenbei abgeschlachtet wurden.

Elfenbeinhandel in Afrika

Die Wilderer kommen meistens nachts und lautlos. Mit modernen Nachtsichtgeräten und Giftpfeilen ausgestattet töten sie Kenias Elefanten. Sie löschen ganze Familien aus und reißen kleine Stoßzähne aus den Kadavern von Elefantenbabys. Noch vor Jahren war das undenkbar. Aber inzwischen machen die schwerbewaffneten Wilderer sogar vor den Nationalparks nicht mehr halt.

Vor fünf Jahren zählte Patrick Omondi, der bei der kenianischen Einrichtung Kenya Wildlife Service die Abteilung Artenschutz leitet, noch knapp 50 getötete Elefanten in Kenia. Zum Vergleich: In diesem Jahr waren es schon mehr als 300.“ Und das trotz unserer vielen Gegenmaßnahmen. Wir machen Überwachungsflüge und haben Aufseher, die den Herden folgen“, sagt Omondi. Was so harmlos klingt, gerät nicht selten zum Kampf zwischen Leben und Tod: Immer wieder kommt es zu Schusswechseln mit den schwerbewaffneten Wilderern - dabei seien allein in diesem Jahr 30 Kriminelle und sechs Ranger getötet worden. Und trotzdem komme die Hilfe für die Elefanten dann meist zu spät, bedauert Omondi. "Diesen Krieg können wir nicht gewinnen.“

25.000 tote Elefanten im vergangenen Jahr

Kenianische Ranger bereiten die Verbrennung Elfenbein vor.

Kenianische Ranger verbrennen knapp fünf Tonnen illegales Elfenbein

Der Kampf gegen Wilderer - ein Krieg, der überall in Afrika stattfindet. Nach Schätzungen von Experten sollen dort im letzten Jahr 25.000 Elefanten getötet worden sein. So viele wie seit 1989 nicht mehr, als der Elfenbeinhandel verboten wurde. Die Preise sanken daraufhin und die Wilderei ging zurück. Doch jetzt lohnt sich der Elfenbeinhandel wieder: In den letzten fünf Jahren haben sich rund um den Samburu Nationalpark im Zentrum Kenias die lokalen Schwarzmarktpreise verdoppelt. Das hat ein Team internationaler Wissenschaftler nachgewiesen. Für die hohen Preise sei eine Explosion der Nachfrage in China verantwortlich, erklärt Allan Thornton, Direktor der gemeinnützigen Umwelt-Organisation Environmental Investigation Agency (EIA). Die EIA hatte maßgeblich am Handelsverbot von 1989 mitgewirkt. "Für die unzähligen Neureichen in China ist Elfenbeinschmuck zum Statussymbol geworden.“

Elfenbeinschmuggel in China umgeht erfolgreich Kontrollen

Elefanten im Samburu Nationalpark in Kenia

Bedroht: Elefanten im Samburu-Nationalpark in Kenia

Mit 1,3 Milliarden Einwohnern ist China ein riesiger Markt mit steigender Kaufkraft und wachsender Nachfrage nach Elfenbein. Die Behörden hätten den Schmuggel nicht unter Kontrolle, sagt Thornton. Seine Organisation recherchiert verdeckt innerhalb Chinas. Sogar staatliche Firmen würden am Schmuggel mitverdienen, erklärt er gegenüber der DW. Den Anteil des illegalen Elfenbeins in China schätzt er auf mindestens 90 Prozent.

Chinas Interesse sei durch ein Schlüsselereignis geweckt worden, so Allan Thornton weiter: 2008 erlaubte das Washingtoner Artenschutzabkommen den südafrikanischen Staaten Botswana, Namibia, Südafrika, und Zimbabwe einmalig 108 Tonnen Elfenbein aus Staatsbesitz zu verkaufen. Das meiste davon stammte entweder noch aus der Zeit vor 1989 oder von natürlich verstorbenen Elefanten. Der Großteil dieses Elfenbeins ging damals nach China. “Dadurch ist der Markt erst entstanden”, glaubt Thornton.

Globale Elfenbein-Mafia

Zöllner halten sichergestelltes Elfenbein auf dem Flughafen in Bangkok.

Unterwegs nach Asien: Geschmuggeltes Elfenbein im Flughafen Bangkok

Den Nachschub aus Afrika organisieren heute kriminelle Netzwerke aus Asien. Sie sind wie viele Tausende Arbeiter und Ingenieure chinesischer Firmen in Afrika tätig. Der Transport innerhalb Afrikas verlaufe meist reibungslos, sagt Tom Milliken. Er arbeitet für die halb-staatliche Organisation Elephant Trade Information System (ETIS), die versucht, die Handelswege der Schmuggler aufzuspüren. Einheimische Eliten und Sicherheitskräfte würden mitverdienen oder seien schlichtweg überfordert.

Er berichtet von Mittelsmännern der Elfenbein-Mafia, die bei der Landbevölkerung aktiv Werbung für Wilderei machten. Das Angebot für die mehrheitlich armen Bauern ist verführerisch: Die Stoßzähne eines einzigen Elefantenbullen liegen im Preis höher als zehn Jahreseinkommen, wie eine Studie des Nationalparks Samburu zeigt. "Am Ende bringen sie die einheimische Bevölkerung dazu, in Nationalparks einzudringen und dort Elefanten zu töten", erklärt Milliken der DW.

Elfenbein finanziert bewaffnete Konflikte

Auch Rebellengruppen wie Somalias Al-Shabaab und die kongolesische Lords Resistance Army sollen den Elfenbeinhandel für sich entdeckt haben. Außerdem werden die Dschandschawid-Kämpfer aus dem Sudan, eine lokale Miliz im Darfur-Konflikt, für den Tod von 400 Elefanten im Norden Kameruns verantwortlich gemacht. Mit dem Elfenbein finanzieren sie ihre Waffenkäufe und schüren damit neue Konflikte.

Davor warnt jetzt auch die US-Außenministerin Hillary Clinton. Die weltweite kriminelle Vernetzung des Geschäfts sei ein globales Problem. Clinton schmiedet deshalb an einer internationalen Koalition gegen den Tierhandel und hat angekündigt, dass sie in Asien auf höchster politischer Ebene für den Schutz der afrikanischen Elefanten werben werde.

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