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Amerika

Wilde Wahlprognosen

53 zu 47 Prozent: Eine Wahl hat Bush gegen Kerry bereits gewonnen. Die Mehrheit der US-Kunden hat zu Halloween eine Monstermaske mit dem Konterfei des amtierenden Präsidenten gekauft. Hilft die Prognose irgendwie weiter?

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Wer gruselt besser? Masken als Wahlindikator

Was für ein Indikator: Bei den US-Präsidentschaftswahlen konnte nach Angaben der Hersteller für Halloween-Masken seit 1980 der spätere Wahlsieger jeweils höhere Verkaufszahlen für sich verbuchen, als sein Kontrahent. Vor der Abstimmung am 2. November 2004 scheint für George W. Bush mit 53 Prozent gegenüber John F. Kerry mit 47 Prozent Verkaufsanteil somit alles klar zu sein.

Generationswandel

Doch der Ausgang der Wahl ist trotzdem alles andere als vorhersehbar. Noch nie war das Rennen so knapp, die Nation derart gespalten. Kein Wunder, sagt Karlyn Bowman vom konservativen Think Tank American Enterprise Institute (AEI), denn die klassischen Wählergruppen seien nicht mehr so homogen wie früher.

Zwar gelte nach wie vor, dass George W. Bush vor allem auf dem Land und bei den Kirchen erfolgreich sei und John F. Kerry besser in den Städten und bei den Gewerkschaften ankomme, aber die politischen Lager seien von einem durchgreifenden Generationswandel erfasst, der auch vor einzelnen Familien nicht Halt mache. Sie kenne Fälle, in denen der Vater bis zum Wahltag kaum mehr ein Wort mit seiner Tochter spreche, so tief sitze das politische Zerwürfnis.

Bush besserer Babysitter

George Bush mit seinem Bruder in Florida

George W. Bush gilt bei seinen Anhängern als starke Führungsperson

Bush stehe bei seinen Anhängern, sagt Karlyn Bowman, für Sicherheit, Führungs- und Charakterstärke, Moral und eigenverantwortliches Handeln. Auch die Religion spielt in diesem Wahlkampf eine stärkere Rolle, weiß Luis Lugo vom Pew Forum on Religion.

In einer aktuellen Erhebung wünschen sich 72 Prozent der Befragten, dass der amerikanische Präsident einen starken, religiösen Glauben hat. Außerdem erreicht George W. Bush in Umfragen des Gallup-Institutes die besseren persönlichen und emotionalen Werte. So glaube eine Mehrheit der Amerikaner, dass George W. ein besserer Babysitter als John F. Kerry sei. Dagegen stehen die, meint Thomas E. Mann vom demokratischen Think Tank Brookings Institution, die nur eines wollen: einen anderen Präsidenten als George W. Bush.

John F. Kerry kämpft. Die TV-Duelle hat der Endspurter zu seinen Gunsten entschieden, sein Image als wankelmütiger Flip-Flopper ohne eigenen Standpunkt abgelegt und in den Hauptthemen des Wahlkampfes (Irak, Terrorbekämpfung und Wirtschaftsaufschwung) gepunktet. Er will den rabiaten Politikstil der vergangenen vier Jahre verändern und die Partner in Europa politisch, finanziell oder militärisch stärker in die Verantwortung nehmen.

Meinungsforscher uneinig

Wer macht das Rennen? Die Ergebnisse der Meinungsforscher sind so wechselhaft und unzuverlässig wie die Wettervorhersage. Jeden Tag liefert AEI eine Zusammenstellung der neuesten und wichtigsten Umfrageergebnisse der renommierten Institute, um die Unterschiede und politischen Interessen einzelner Ergebnisse deutlich zu machen.

Hauptgrund für die schlechte Vorhersehbarkeit des Wahlergebnisses sei das veraltete und unzureichende Befragungssystem, so Karlyn Bowman. Junge Menschen werden in den Erhebungen kaum erfasst, da die Umfragen telefonisch im Festnetz und nicht über das Mobiltelefon durchgeführt werden.

Vote for change

Unter dem Motto 'Vote for Change' gingen US-Popstars für Kerry auf Tournee

Daher versuchen beide Seiten, mit Events und Prominenten wie Bruce Springsteen oder Arnold Schwarzenegger ihre Anhänger zu mobilisieren. Dies scheint zu gelingen. Experten wie Alan Gerber von der Yale University rechnen mit einer Wahlbeteiligung von weit über 55 Prozent (2000: 54,5 Prozent). Waren es bei der letzten Präsidentschaftswahl rund 105 Millionen Wähler, werden 2004 wohl über 120 Millionen Wähler ihre Stimme abgeben.

Auf ein schnelles und vor allem eindeutiges Ergebnis in der Wahlnacht hoffen alle Amerikaner. Bloß keine Hängepartie, bei der Anwälte wochenlang die Wahlen anfechten, sagt Thomas E. Mann. Das wäre nicht gut für die USA und die Welt.

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