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Wild

Die einen gelten als Wildfang, andere bekämpfen den Wildwuchs. Wenn beide dann als Paar in wilder Ehe leben, ist das heutzutage gar nicht mehr wild. In einem Wildpark trifft man jedoch nicht auf sie, sondern auf: Wild.

Wild ist die Sammelbezeichnung für alle Tiere, die gejagt werden können – wie Hirsche, Rehe, Rebhühner. In der Regel sind sie nicht wild, das heißt ungezähmt. Wilde, ungezähmte Tiere leben in freier Wildbahn und führen auf ihre Weise ein wildes Leben. Einige lassen dies schon an ihrem Namen erkennen. Wildente und Wildgänse aus der Abteilung Flugwild; am Boden finden wir beispielsweise die Wildkatze und die Wildsau.

Für Europäer sind die klassischen wilden Tiere in Indien und Afrika, in der grünen Wildnis der Tropenwälder, im Dschungel beheimatet. Da gerät uns beinahe aus dem Blick, dass auch in den gemäßigten Zonen der Erde noch viel Wildes lebt und gedeiht. Alle Speisefische, die nicht aus Zuchtanlagen kommen, sind ja ebenfalls wild. Zu Lande gibt es im Pflanzenreich wilde Kirschen, wilde Beeren, als da sind Preisel-, Him-, Brom- und Erdbeeren.

Metaphorische Insekten

Im späten Frühling brummen Bienen und Hummeln in Gärten und Wiesen. Auch sie sind im eigentlichen Sinn wilde Tiere. Wobei die wilde Hummel von keinem Geringeren als Goethe ins Reich der Poesie erhoben wurde, als der alte Schwerenöter einmal von einem Mädchen "als einer wilden Hummel von Brünette" sprach.

Später folgten dann in den Niederungen der Umgangssprache die flotten und wilden Bienen, also Mädchen und Frauen, auf denen der Blick der Männer mit größtem Wohlgefallen ruht.

Wildbewegte gegen das Establishment

Auch der Mensch kann wilde Züge offenbaren. Denn schließlich war er in seiner Entwicklungsgeschichte zunächst ein Wilder, jemand, der sich sein Überleben sichern musste – wie die Tiere. Leben wie die Wilden ist heute allerdings ausschließlich abwertend gemeint.

Trotz der Entwicklung zu einem höheren Wesen, hält sich das Wilde im Menschen. Immer wieder gibt es das wilde Aufbegehren gegen das Althergebrachte, gegen das Gezähmte, Angepasste. Besonders augenfällig in dem Bereich, den man gemeinhin den gesellschaftlich-politischen nennt. Die wilden 68-er des letzten Jahrhunderts sind noch in lebhafter Erinnerung. So mancher Mann trug damals mit trotziger Entschiedenheit seinen wild wachsenden Bart nebst Klamotten, die fernab jeglichen Designs geschneidert wurden.

Glücklich ohne Trauschein

Wer damals etwas auf sich hielt, heiratete auch nicht, sondern lebte mit der Herzallerliebsten in wilder Ehe. Diese war übrigens keine moderne Erfindung. Denn schon im 18. Jahrhundert findet sich der Begriff, ohne Trauschein zusammenleben. Wild leben mit einer Frau respektive einem Mann ließ damals für Vorurteile aller Art Raum. Heutzutage sind Ehen ohne Trauschein sogar rechtlich abgesichert.

Manche in wilder Ehe lebende entschließen sich dann manchmal doch, nach vielen Jahren vor den Standesbeamten zu treten und "Ja" zu sagen. Vielleicht gibt's beim Hochzeitsmahl wenigstens Wildes. Also, Wildschweinbraten zum Beispiel und Wildpastete und wilde Erdbeeren zum Nachtisch …

Kleiner Wildfang

Wenn sich einer der beiden in der Ehe dann als kleiner Wildfang entpuppen sollte, dann bietet sich eine Zähmungsmöglichkeit an: ihn oder sie in den Garten zu schicken, um den Wildwuchs zu bekämpfen. Denn Unkraut jäten beruhigt!

Fragen zum Text

In einem Gedicht Goethes wird ein junges Mädchen verglichen mit einer wilden …

1. Biene.

2. Fliege.

3. Hummel.

Als wilde Ehe bezeichnet man …

1. das Zusammenleben eines Paares, das nicht verheiratet ist.

2. eine Ehe, in der einer der Partner gewalttätig ist.

3. eine offene Beziehung mit häufigen Seitensprüngen.

Nicht essen sollte man eine …

1. Brombeere.

2. Schneebeere.

3. Preiselbeere.

Arbeitsauftrag

Manche sehen in den "wilden 68-ern" die Ursache allen Übels, andere meinen, dass die Studentenbewegung im letzten Jahrhundert unbedingt notwendig gewesen sei und große Fortschritte gebracht habe. Informieren Sie sich über 68-er-Bewegung in Deutschland und diskutieren Sie über deren Auswirkungen auf die Gegenwart.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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