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Wirtschaft

Wikipedia will kulturelles Gewicht gegen das große Geld sein

Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales schildert im Interview mit DW-WORLD.DE, warum Google keine beneidenswerte Konkurrenz ist und warum Jimmy Carter Respekt verdient. Und er verrät sein liebstes deutsches Wort.

Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales

Jimmy Wales meint, mit Wikipedia ein Stück Geschichte geschrieben zu haben

DW-WORLD.DE: Google hat vor einigen Wochen angekündigt, dass der Wikipedia-Konkurrent Knol die Marke von 100.000 Einträgen geknackt hat und stetig weiter wächst. Wie ernst nehmen Sie Knol?

Jimmy Wales: Ich denke überhaupt nicht, dass Knol ein Konkurrent ist. Knol ist nicht mit Wikipedia zu vergleichen und es hat kein Potential, sich zu so etwas wie Wikipedia zu entwickeln. Das Design erinnert mehr an eine Blogging-Plattform. Google will ausdrücklich, dass die Leute ihre eigene Meinung eintragen. Es kommt dadurch eher zum einer Art Kommentarstil. Außerdem gibt es keine redaktionellen Strukturen wie bei uns, mit denen wir eine höhere Qualität erreichen.

Andere, traditionellere Enzyklopädien wie Britannica oder Brockhaus beginnen auch, sich online zu präsentieren. Harte Konkurrenz?

Riesengroße Buchattrappen der Brockhaus-Enzyklopädie

Nachschlagewerke sind in Deutschland sehr beliebt

Das ist eine gute Sache. Es ist sehr schwierig für sie, mit uns zu konkurrieren. Immerhin sind wir ein gemeinnütziges Projekt und haben keine Werbung auf der Seite. Die Ausgaben für das, was wir machen, sind gering und es scheint keine Nachfrage für ihr Produkt zu geben, also haben sie eine harte Aufgabe vor sich. Andererseits begrüßen wir alles und jeden. Wir sind keine wetteifernde Organisation, wir können zusammenarbeiten und sind kooperativ. Wir verteilen Sachen gratis, wir denken wirklich nicht viel an den Wettbewerb.

Können Sie sich eine Kooperation zwischen Wikipedia und beispielsweise Encyclopedia Britannica oder Brockhaus vorstellen?

Ja. Ich denke tatsächlich an so eine Kooperation, bei der die sich überlegen sollten, ob sie die vielen Bilder von Wikipedia ebenfalls verwenden wollen. So wie ich es verstehe, macht die Summe, die sie für Bildlizenzen bezahlen müssen, einen Großteil ihres Budgets aus. Eigentlich müssen sie Kosten sparen. Wir verteilen unsere Bilder gratis und sie können sie gerne benutzen.

Nach einem kürzlich gemachten falschen Eintrag bei Wikipedia, in dem stand, dass US-Senator Ted Kennedy gestorben sei, forderten Sie neue Kontrollmechanismen, um den Inhalt zu filtern. Verletzt dies nicht eine der zentralen Missionen von Wikepedia – den ungehinderten Informationsfluss zu erlauben?

Wir hatten immer Kontrollen. Wir hatten immer die Möglichkeit, Artikel zu sperren und das haben wir auch gemacht. Das hieß Schutz. Wir taten es allerdings nicht gerne, also führten wir den so genannten Halb-Schutz ein. Wenn ein Artikel halb geschützt ist, kann man ihn nur dann bearbeiten wenn man mindestens vier Tage lang ein Konto hat. Als wir dieses Prinzip vor einigen Jahren eingeführt haben, machte die Presse ein großes Trara. Aber wir dachten: 'Nein, wir lockern eigentlich die Kontrolle. Leute, die vorher keine Artikel bearbeiten konnten, waren nun in der Lage, es zu tun.' Es ist wirklich eine subtile Veränderung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite welchen Wikipediaeintrag Jimmy Wales am liebsten mag.