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Politik

WikiLeaks will nachlegen

Trotz des Drucks aus dem US-Verteidigungsministerium hat WikiLeaks angekündigt, weitere bisher zurückgehaltene militärische Geheimakten zu Afghanistan zu veröffentlichen. Das sei ein Fehler, warnt die US-Regierung.

US-Soldaten in Afghanistan (Foto: AP)

US-Soldaten in Afghanistan

Die Ankündigung der umstrittenen Internet-Plattform WikiLeaks, weitere Geheimakten auf seine Webseite zu stellen, sorgte im US-Verteidigungsministerium für Empörung. Das sei "der Gipfel der Unverantwortlichkeit", sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell nach Angaben des US-Senders CNN am Donnerstag (12.08.2010) in Washington. "Das würde einen Fehler verschlimmern, der bereits das Leben zu vieler Menschen gefährdet hat". Das einzig verantwortliche Vorgehen für WikiLeaks sei es, so Morrell weiter, "alle gestohlenen Dokumente von ihrer Webseite zu entfernen und das geheime Material aus ihren Computern zu löschen."

Durch eine Lupe gesehene Überschrift eines Artikels auf der Website von WikiLeaks, welcher sich auf geheime Dokumente zum Afghanistankrieg bezieht (Foto: dpa)

Die bereits veröffentlichten Geheimakten sorgten für viel Wirbel

Noch kein konkreter Termin

In der vergangenen Woche hatte das Pentagon die Betreiber der Enthüllungswebseite in fast ultimativem Ton aufgefordert, alle veröffentlichten Dokumente zu löschen und außerdem die noch nicht publik gemachten Unterlagen herauszugeben. Die US-Bundespolizei FBI wurde darauf angesetzt, herauszufinden, wer WikiLeaks die Dokumente zugespielt hat.

Ungeachtet des massiven Drucks aus der US-Regierung bleibt WikiLeaks jedoch bei seinem Vorhaben, die rund 15.000 weiteren, bisher zurückgehaltenen Dokukmente auf seine Webseite zu stellen.

Screenshot Wikileaks

Screenshot Wikileaks

WikiLeaks-Chef Julian Assange sagte am Donnerstag in einer Videoschaltung zu einer Diskussionsveranstaltung in London, er sei in jedem Fall zur Veröffentlichung der Akten entschlossen. Einen konkreten Termin nannte Assange nicht. Er erklärte lediglich, man sei mit der Prüfung der etwa 15.000 Dokumente zur Hälfte durch.

Soldaten in Gefahr?

Sprecher der Taliban haben erklärt, sie wollten das von WikiLeaks veröffentlichte Material nutzen, um Personen auf die Spur zu kommen, die von ihnen als Kollaborateure betrachtet würden. Das löste nicht nur Kritik bei der US-Regierung, sondern auch Sorgen bei Menschenrechtsorganisationen aus. Der Generalsekretär von "Reporter ohne Grenzen" kritisierte das Handeln von WikiLeaks als unverantwortlich. Die Identität Hunderter von Menschen offen zu legen, die mit der NATO in Afghanistan zusammen gearbeitet hätten, sei "hoch gefährlich". WikiLeaks tat die Kritik in einer Notiz auf seiner Twitter-Seite als "idiotische Erklärung ab, die auf einem Haufen Äußerungen beruht, die wir nie gemacht haben".

Ende Juli hatte WikiLeak bereits knapp 77.000 US-Militärakten ins Netz gestellt; Material, das wegen seiner Brisanz für enormen Wirbel sorgte. Die Sammlung umfasste geheime Kriegsaufzeichnungen aus den Jahren 2004 bis 2010, darunter viele Frontberichte.

Der Chef und Gründer von Wikileaks: Julian Assange (Archivfoto: dpa)

Der Chef und Gründer von Wikileaks: Julian Assange

US-Verteidigungsminister Robert Gates warnte, die Papiere gefährdeten US-Soldaten und Afghanen und drohten die Beziehungen der USA in der Region zu beschädigen. "Die Folgen auf dem Schlachtfeld durch die Herausgabe dieser Dokumente können für unsere Soldaten, unsere Verbündeten und unsere afghanischen Partner schwerwiegend und gefährlich sein", sagte Gates damals in Washington.

Angesichts der anhaltenden Gefahrenlage in Afghanistan forderte der Verteidigungsminister nun vom US-Kongress mehr Geld für den zivilen Aufbau. Es sei eine Kursänderung nötig, um die "beklagenswert unzureichenden" Mittel aufzustocken, sagte Gates am Donnerstag in San Francisco. Er kritisierte, dass der Kongress für die zivile Hilfe in Afghanistan mehrere Milliarden Dollar gestrichen habe. Es sei aber von entscheidender Bedeutung, dass der Diplomatie mehr Aufmerksamkeit gewidmet werde.

Gefahr auch für die Bundeswehr

WikiLeaks versteht sich als Spezialist für Enthüllungsgschichten. Aus dem bereits veröffentlichten geheimen Material geht hervor, dass der pakistanische Geheimdienst der vermutlich wichtigste Helfer der Taliban außerhalb Afghanistans ist. Es wird außerdem von überforderten US-Soldaten und zahlreichen technischen Problemen berichtet.

Zudem lässt sich aus den Dokumenten schließen, dass die Lage für die Bundeswehr im Norden Afghanistans immer bedrohlicher wird und die deutschen Soldaten nach US-Einschätzung unvorbereitet in den Einsatz am Hindukusch gingen. Die Bundesregierung in Berlin kündigte eine Prüfung der Unterlagen an.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, apn, afp)
Redaktion: Sabine Faber

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