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Wirtschaft

Wikileaks macht US-Firmen nervös

Kann Wikileaks große Unternehmen in die Knie zwingen? Spektakuläre Protestaktionen haben nicht mehr nur politische Auswirkungen, sondern zwingen US-Unternehmen zum Umdenken.

Logo von Wikileaks

Müssen jetzt auch Unternehmen vor Wikileaks zittern?

Die Enthüllung-Organisation Wikileaks und ihre Anhänger sorgen seit Monaten für Diskussionen. Ihre Anhänger greifen nicht selten zu vehementen Protestaktionen und legen ganze Internetseiten von US-Unternehmen lahm. Damit sind die Auswirkungen nicht mehr nur politischer Natur, sondern beeinflussen auch "Corporate America".

Einige Stunden offline

Kreditkarten von Visa und Maastercard (Foto: AP)

Server von Visa und Mastercard wurden blockiert

Wer Anfang Dezember auf die Internetseiten von Visa und Mastercard zugreifen wollte, kam nicht bis zu deren Servern durch. Die Finanzinstitute hatten Spenden an Wikileaks unmöglich gemacht – daraufhin wurden die Webseiten von der Protestgruppe "Anonymous" gehackt und lahm gelegt. Die Gruppe hatte sich in Internet zu den Angriffen bekannt und Aufzeichnungen von inszinierten Beschwerdeanrufen online gestellt.

Einige Stunden waren die Seiten offline, nicht genug um wirklich geschäftschädigend zu sein, meint David Robertson Herausgeber vom Kreditkarten-Branchendienst Nilson Report. "Visa und Mastercard sind riesige globale Bezahl-Systeme. Solche Angriffe auf den öffentlichen Auftritt im Internet haben keinen Effekt auf die Funktionalität ihrer enormen Netzwerke", sagt Robertson.

Erhöhte Aufmerksamkeit bei US-Firmen

Wikileaks-Gründer Assange (Foto: dpa)

Freut sich auf den nächsten Coup: Julian Assange

Aber auch wenn der kurzfristige Einfluss aufs Geschäft gering war, hinterlassen solche Aktionen sehr wohl Wirkung, meint hingegen der New Yorker Anwalt Robert Heim. "Es hat auf jeden Fall die Aufmerksamkeit erhöht. Den Firmen ist klar geworden, wenn sie irgendwie politisch handeln, dann hat das Auswirkungen", sagt der Anwalt. Viele US-Firmen wären vorsichtig geworden und würden bereits Geld zurückstellen, um Sicherheitslücken ausfindig zu machen und zu schliessen.

Aber es gehe nicht nur um die Bilanzen, sondern auch um ihre Öffentlichkeitswirkung. "Firmen müssen ihren Aktionären und Nutzern begründen können, warum sie politisch werden", sagt Heim. An der Oberfläche scheint es, als wäre die Wikileaks-Debatte in den USA weniger von Interesse als in Europa, aber der Schein trügt: "Intern sind die US-Manager besorgt um ihre Datenlücken und ihre Datensicherheit", sagt Heim. "Sie zeigen es nicht so, um Aktivisten nicht auf Ideen zu bringen."

US-Banken im Visier von Wikileaks

Firmenschild Bank of America (Foto: dpa)

Nächstes Opfer Bank of America?

Momentan besonders unter Druck sind die großen US-Banken. Wikileaks-Gründer Julian Assange hatte angekündigt, interne Dokumente einer großen US-Bank zu veröffentlichen. Kurz nach Aufkommen des Gerüchts war die Aktie der Bank of America um fast fünf Prozent eingebrochen. "Wenn Organisationen, die Missbrauch betrieben haben, leiden, weil sie missbraucht haben, dann macht es Spass daran beteiligt zu sein", freute sich Assange in einem Interview mit dem US-Sender CBS.

Anwalt Robert Heim hat selbst lange als Jurist für die US-Börsenaufsicht SEC gearbeitet. Dass Organisationen wie Wikileaks die Wirtschaftsaufsichten komplett ablösen, hält er für zu weit gegriffen – aber sie können einen wichtigen Beitrag leisten. Die SEC wolle die Wikileaks-Webseite prüfen um zu sehen, ob die Dokumente, die angekündigt sind, tatsächlich juristisches Fehlverhalten der Bank of Amerika belegen. "Dann wird es noch ein saftiges Bußgeld geben."

Bürgermitsprache im 21. Jahrhunderts

Der Protest von Aktivisten sei wirtschaftlich nicht zu unterschätzen. Robert Heim erinnert sich, dass es in den 80er Jahren große Proteste gegen Unternehmen, die mit Südafrika Geschäfte gemacht haben, gegeben hat. Damals herrschte dort das Apartheid-Regime. "Das hatte starken Einfluss, der schließlich mit dazu beitrug, dass die Regierung sich öffnen musste und demokratischer wurde", meint Anwalt Heim. In diesem Sinne seien Wikileaks und Co. das Äquivalent des 21. Jahrhunderts.

Autorin: Miriam Braun, New York
Redaktion: Henrik Böhme

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