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Aktuell Welt

Wikileaks Informant Manning muss vor Militärgericht

Der frühere US-Soldat Bradley Manning soll Hunderttausende geheimer Daten der Internetplattform Wikileas zugeschoben haben. Jetzt wurde er formell angeklagt.

Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning muss sich wegen "Unterstützung des Feindes" vor einem US-Militärgericht verantworten. Das entschied eine Richterin auf dem Militärstützpunkt Fort Meade im US-Staat Maryland. Sollte Manning schuldig gesprochen werden, droht ihm lebenslange Haft.

Die Anklage wirft dem 24-jährigen Obergefreiten der US-Armee vor, während seiner Stationierung im Irak die Internet-Plattform Wikileaks mit der riesigen Datenmenge von rund 700.000 größtenteils geheimen Dokumenten versorgt zu haben. Manning selbst äußerte sich nicht dazu, ob er sich für schuldig oder unschuldig hält. Beobachter schließen daraus, dass sich Ankläger und Verteidiger noch vor dem offiziellen Prozessbeginn auf einen Vergleich einigen könnten. Dies könnte zu einer milderen Strafe führen.

Bereits bei einer Anhörung Ende vergangenen Jahres hatte die Verteidigung zu Milde aufgerufen: Durch die Enthüllungen sei kein Schaden entstanden. 30 Jahre Haft für Manning seien angemessen. Dagegen vertritt die Anklage den Standpunkt, es gebe erdrückende Beweise dafür, dass Manning während seines Einsatzes im Irak gezielt und absichtlich interne Dokumente aus regierungseigenen US-Computern gezogen habe. Über die Möglichkeit dazu verfügte der junge Soldat, denn er arbeitete als Analyst im Geheimdienstbereich und hatte so Zugang zu geheimen Daten.

Dank für den "Verrat unwürdiger Geheimnisse"

Schon vor Beginn des Verfahrens haben sich Unterstützer von Manning zu Wort gemeldet. So fordert das "Bradley Manning Support Network" bessere Haftbedingungen für den 24-Jährigen ein. Die deutsche Schriftstellervereinigung PEN dankte ihm demonstrativ "für den Verrat unwürdiger Geheimnisse".

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte die Informationen, die ihr Manning, aber auch andere Informanten lieferten, weltweit via Internet publik gemacht. Veröffentlicht wurden US-Dokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie unzählige eigentlich vertrauliche Diplomatendepeschen. Für die USA bedeutete diese weltweite Einsehbarkeit interner Unterlagen eine schwere Blamage.

Julian Assange (Foto: dapd)

Wikileaks-Gründer Julian Assange

Bei Wikileaks können seit September 2010 keine Unterlagen mehr hochgeladen werden, im Oktober 2011 wurde auch die Veröffentlichung von Dokumenten vorübergehend gestoppt. Von den Betreibern ist inbesondere der australische Programmierer und Autor Julian Assange bekannt geworden.

Assange hält sich zur Zeit in Großbritannien auf. Die britische Justiz will in wenigen Wochen abschließend darüber entscheiden, ob Assange an Schweden ausgeliefert werden soll oder nicht. In dem skandinavischen Staat läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gegen ihn.

haz/kle (dpa, dapd, afp)