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Amerika

Wikileaks enthüllt Geheimakten zu Guantánamo

Das Internetportal Wikileaks hat Geheimdokumente über im US-Lager Guantánamo inhaftierte Häftlinge veröffentlicht. Die Dokumente des US-Militärs sollen zudem belegen, dass El Kaida einen Anschlag auf Heathrow plante.

Wachen am Eingang zum US-Gefangenenlager Guantánamo (Foto: AP)

Seit Jahren immer wieder im Fokus der Kritik: Das US-Lager Guantánamo auf Kuba

Die von mehreren internationalen Medien veröffentlichten geheimen US-Militärdokumente fassen die Situation aller 779 in Guantánamo einsitzenden Häftlinge zusammen. Wie der britische "Daily Telegraph" am Montag (25.04.2011) unter Berufung auf die in den Dokumenten zitierten US-Militäranalysten berichtete, galten aber nur 220 Insassen des Gefangenenlagers auf Kuba als gefährliche Extremisten. Weitere 380 Häftlinge wurden demnach als "Fußsoldaten" niedrigeren Ranges eingestuft.

Bei mindestens 150 Gefangenen handelte es sich laut den Dokumenten jedoch um unschuldige Afghanen und Pakistaner - darunter Bauern und Fahrer, die keinerlei Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida gehabt haben. Sie sollen zum Teil mehrere Jahre lang festgehalten worden sein - wohl aufgrund von Fehlern bei der Feststellung ihrer Identität oder weil sie schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen seien.

Willkürliche Inhaftierungen

In orangefarbene Overalls gekleidete Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba (Foto: dpa)

In Guantánamo saßen laut Wikileaks jahrelang Unschuldige ein

Wie mehrere Medien unter Berufung auf die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente berichteten, seien auch geisteskranke und altersschwache Personen gefangen gehalten worden. Die Inhaftierungen seien völlig willkürlich gewesen. In dem US-Lager auf Kuba sollen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung gewesen sein. Guantánamo habe dem amerikanischen Militär, heißt es weiter, in erster Linie dazu gedient, von den Gefangenen Informationen zu erhalten. Über die Methoden bei den Verhören wurden in den nun veröffentlichten Geheimdokumenten nach Medieninformationen keine Angaben gemacht.

Derzeit sind noch 172 Personen in Guantánamo inhaftiert. US-Präsident Barack Obama hatte im Wahlkampf zwar angekündigt, das Lager schließen zu wollen, dieses Versprechen wurde bisher aber nicht eingelöst.

Kritik aus Washington an Veröffentlichung

Die US-Regierung kritisierte die Veröffentlichungen der sensiblen Informationen von Wikileaks nun als "unglücklich". Einige der Informationen würden nicht mehr die "derzeitige Betrachtungsweise" der Regierung widerspiegeln. In einer vom Pentagon und vom Außenministerium verbreiteten Erklärung hieß es weiter, sowohl zu Zeiten der Regierung von US-Präsident George W. Bush als auch seines Nachfolgers Obama habe der Schutz der US-Bürger "oberste Priorität" gehabt.

Die Daten waren von Wikileaks mehreren internationalen Medien zugespielt worden, darunter das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die "New York Times". Bei den Dokumenten soll es sich um mehr als 700 militärische Einschätzungen über Festgenommene handeln.

Plante El Kaida Anschlag auf Heathrow?

Flugzeuge auf dem Londoner Flughafen Heatrhow (Foto: AP)

Ein Selbstmordkommando sollte ein Verkehrsflugzeug auf den Terminal in Heathrow stürzen lassen

Nach Informationen des "Spiegel" belegen die Papiere zudem, dass die Terrororganisation El Kaida nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einen ähnlichen Angriff auch auf den Londoner Großflughafen Heathrow plante. Ein Selbstmordkommando sollte ein Verkehrsflugzeug in Heathrow entführen, es nach dem Start wenden und auf das Flughafenterminal abstürzen lassen.

Der Chefplaner von El Kaida, Chalid Scheich Mohammed, habe dem US-Geheimdienst CIA gestanden, bereits 2002 zwei Zellen zur Vorbereitung des Anschlags gebildet zu haben. In Großbritannien lebende Terroristen sollten demnach in Kenia lernen, ein Flugzeug zu steuern. Es seien auch weitere Anschläge mit entführten Verkehrsflugzeugen auf Gebäude und Flughäfen in den USA erwogen worden, berichtet das Magazin.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, afp, dapd)
Redaktion: Pia Gram

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