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Wirtschaft

Wieviel Geld ist im schwarzen Loch?

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis macht den deutschen Steuerzahlern wenig Hoffnung, dass sie ihre Milliarden für Athen jemals wiedersehen. Um wie viel Geld geht es eigentlich?

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis glaubt nach eigenen Worten nicht, dass die deutschen Steuerzahler ihre Griechenland-Hilfen wiedersehen. "Die Deutschen haben bereits zu viel Geld gegeben", sagte Varoufakis dem Tagesspiegel. "Aber es ist verloren. Es ist in einem schwarzen Loch verschwunden." Bleibt die Frage, wieviel da im schwarzen Loch verschwunden ist – und was es den deutschen Steuerzahler kosten wird.

Die deutschen Banken jedenfalls haben ihr Griechenland-Engagement fast vollständig abgebaut. Zwar haben sie dort - Stand September 2014 - insgesamt knapp 23,5 Milliarden Euro im Feuer. Davon entfallen aber nur rund 4,6 Milliarden auf Banken und 3,6 Milliarden auf Unternehmen und Privatpersonen. Der größte Teil – 15,2 Milliarden Euro - sind Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten, die fast ausschließlich von der staatlichen Förderbank KfW gehalten werden. Dabei handelte es sich um Kredite der KfW aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland, für die der Bund in voller Höhe bürgt.

Deutsche Banken kaum betroffen

Die Deutsche Bank war nach eigenen Angaben in Griechenland zuletzt noch mit knapp 300 Millionen Euro engagiert, die Commerzbank mit knapp 400 Millionen. Nach einer Analystenstudie von JP Morgan sind die hiesigen Geldhäuser damit neben den französischen Banken zwar die größten Gläubiger.

Trotzdem gaben die Experten Entwarnung: Bei einem Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone ("Grexit") seien die Folgen für die Finanzinstitute angesichts der geringen Summen begrenzt, schrieb Analyst Kian Abouhossein. "Das Hauptrisiko besteht weiter in der Ansteckungsgefahr für die Peripherie-Staaten." Das gelte insbesondere für Italien.

Für den deutschen Staat besteht darüber hinaus das Risiko, dass gewährte Rettungsgelder nicht zurückgezahlt werden. Das Münchner ifo Institut beziffert das maximale Verlustrisiko für Deutschland auf 87 Milliarden Euro (Stand Ende März) - für den Fall einer Staatspleite Griechenlands und einem gleichzeitigen Austritt des Landes aus der Eurozone. In dieser Summe sind unter anderem die bereits erwähnten 15,2 Milliarden Euro Kredite der KfW enthalten.

"Das Geld ist so oder so weg"

"Dieses Geld, was im Feuer steht, werden wir kurzfristig auf keinen Fall und langfristig höchstens bestenfalls wiedersehen", sagte Thomas Straubhaar, Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg, bereits im Januar im Deutschlandfunk. Griechenland werde seine Schulden so oder so nicht zurückzahlen können, ganz egal ob das Land nun in der Eurozone bleibe oder austrete. "Die Kosten für Deutschland sind genauso gigantisch."

Indes: Bezieht man diese Summen auf die gesamte Wirtschaftsleistung, gehört Deutschland trotz der in absoluten Zahlen hohen Haftungsrisiken nicht zu den größten Verlierern. Der Wirtschaftsdienst Bloomberg hat sich die Mühe gemacht, die griechischen Schulden gegenüber den Ländern der Eurozone auf deren jeweilige Wirtschaftsleistung zu beziehen. Nach dieser Rechnung hätten Slowenien, Malta, Spanien, Italien und Estland rund 2,8 bis drei Prozent ihres BIP verloren, Deutschland und Frankreich lägen in dieser Hitliste auf Rang sieben und acht. Deutschland wäre bei einem Schuldenausfall mit maximal 2,37 Prozent des BIP betroffen, schreiben die Analysten von Bloomberg.