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Kultur

Wieso, weshalb, warum ...?

Warum beten Moslems auf Teppichen? Wieso gibt es Arm und Reich? In Tübingen hat sich die Universität ein in Deutschland einzigartiges Projekt einfallen lassen: Die Uni für Kinder.

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Sie wollen was wissen - "Studenten" der Tübinger Kinder-Uni

Es ist Punkt 17.00 Uhr und der größte Hörsaal der Universität Tübingen platzt aus allen Nähten. Und das bei traumhaften 26 Grad Außentemperatur und Sonnenschein. Die Beamerprojektion kündigt an, worum es heute gehen soll: „Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?“

Am Rednerpult wird noch mit der Technik gekämpft, während der Andrang der Kinder auf die letzten Sitzplätze nicht abreißt. Nun müssen auch die herausziehbaren Notbänke am äußersten Rand der Sitzreihen herhalten. Lebhaftes Stimmengewirr hallt durch den Audi-Max - endlich geht es los: Stürmischer Klopf-Empfang für Professor Volker Mosbrugger zur letzten von insgesamt acht Vorlesungen der Kinder-Uni.

Werben um die Kleinen

Initiiert haben das Projekt die Universität Tübingen zusammen mit dem Schwäbischen Tagblatt. Kinder zwischen acht und 14 Jahren können einmal in der Woche eine auf ihr Alter zugeschnittene Vorlesung hören.

Die Idee der Kinder-Uni sei aber schon vor Veröffentlichung der innerdeutschen PISA-E Studie aufgekommen, versichert Mosbrugger. In Zeiten von Nachwuchsmangel an den Universitäten, sollen potentielle Studenten möglichst früh umworben werden.

Kinderuniversität in Tübingen

Kinder-Uni in Tübingen

„Wir haben zur Zeit, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich, zu wenig Studierende und ich glaube, wir müssen gerade den Kindern zeigen, dass Wissenschaft und die Arbeit an einer Universität Spaß machen können“, so der Paläontologe Mosbrugger. „Ich denke, die Kinder-Uni ist hierfür ein sehr reizvolles Projekt“ - und ein erfolgreiches dazu. Zu jedem Dienstagstermin füllte sich der Hörsaal mit rund 500 kleinen Studenten.

Stempel für jede Vorlesung

Und kommen sie auch freiwillig? „Auf jeden Fall“, versichert eine Mutter lachend, die vor dem Hörsaal auf ihre Söhne wartet. Davon ist auch Volker Mosbrugger überzeugt: „So wie die bei der Sache sind, glaube ich nicht, dass sie hierher gezerrt werden müssen.“

Selina zeigt stolz ihren vollgestempelten „Studentenausweis“. Der Beweis dafür, dass sie keine Vorlesung verpasst hat. Auf die Frage, warum sie zur Kinder-Uni kommt, antwortet sie: „Man lernt eben was!“. Aber tut man das nicht auch in der Schule? Ja, aber da sei es nicht so spannend, meint die 10-Jährige.

Nicht vorkauen, sondern beteiligen

Inzwischen steht eine Traube von mindestens zehn Kindern unmittelbar vor dem Rednerpult. Die Nachwuchsstudenten hoffen, so eher drangenommen zu werden. An Wissbegierde fehlt es den Kindern offensichtlich nicht. Während der Vorlesung übertreffen sie sich mit Wortmeldungen. „Sie sollen hier nicht alles vorgekaut bekommen, wie so oft in der Schule, sondern beteiligt werden und Spaß haben“, meint Mosbrugger.

Bilder und Folien von Dinosauriern in allen Variationen illustrieren den Vortrag. In der fünften Reihe wird ein Stück Pappe mit der Beschriftung „Stopp“ hochgehalten. Ein vereinbartes Zeichen dafür, dass etwas nicht verstanden wurde. Was sich Studenten an deutschen Universitäten nur selten trauen, wird hier hemmungslos praktiziert: Einfach Fragen stellen.

„Hühnchen als Haustiere“

Das mit den Dinos sei zwar ganz interessant, aber ihr habe die Vorlesung von Mosbruggers Kollege Edwin Kaiserling zum Thema „Warum müssen wir sterben?“ am besten gefallen, sagt die zehnjährige Anna.

„Der Herr Kaiserling hat Hühnchen als Haustiere und drei davon sind gestorben. Das eine durch eine Giftpflanze, ein anderes auf natürliche Weise, an einem Tumor. In der Vorlesung hat er dann den Unterschied zwischen Sterben beim Tier und beim Menschen erklärt.“

Kinderuniversität in Tübingen

Kinder-Uni in Tübingen

Wie die Großen, kommt auch Anna mit Freunden zur Uni. Die meisten Kinder sind ohne Begleitung der Eltern da. Wenn die Vorlesungen im kommenden Sommersemester erneut starten, wolle sie auf jeden Fall von Anfang an dabei sein, sagt die Arzttochter selbstsicher. Die Akademikerdichte ist im Raum Tübingen hoch. Die Veranstalter hoffen aber, mit dem Projekt auch Kinder aus anderen sozialen Schichten zu erreichen.

Fortsetzung folgt

„Jedes Spektakel wird irgendwann einmal langweilig", vermutet Mosbrugger. Dennoch ist er sich sicher, dass es auch weiterhin genügend Interesse für die Kinder-Uni geben wird.

Am Ende der Vorlesung stürmen alle Kinder nach vorne, um ihre Zettel für die Wahl des Lieblingsprofessors abzugeben. Der Professor ist erleichtert. Die Dinos kamen an. Seine Chancen stehen gut ...

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