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Pressemitteilungen

Wiesenthal-Zentrum: „Massenmord nicht verstecken“

Efraim Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, im Interview der Deutschen Welle.

Efraim Zuroff, Leiter des Simon Wiesenthal Center in Jerusalem, steht beim Start der Plakatkampagne Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II vor einem Plakat am 23.07.2013 in Berlin. Ziel der Initiative sei es, bisher nicht verurteilte NS-Kriegsverbrecher mit Hilfe der Bevölkerung aufzuspüren und vor Gericht zu bringen Foto: Jörg Carstensen/dpa pixel

Efraim Zuroff vor einem Plakat der Kampagne am 23. Juli 2013 in Berlin

Der Leiter des Jerusalemer Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, hat in einem Interview der Deutschen Welle mit Blick auf die zögerliche Verfolgung von NS-Verbrechern in einigen Ländern Osteuropas gesagt: „In diesen Ländern wird eine verdrehte Sicht der Dinge präsentiert“, die die Beteiligung der Bevölkerung (an den NS-Verbrechen) herunterspiele. „Diese Länder versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass der Kommunismus genauso schlimm oder schlimmer war als der Nationalsozialismus. Was einfach nicht wahr ist. Sie wollen die Länder der Opfer sein. Natürlich haben die Sowjets sie zu Opfern gemacht. Aber sie müssen verstehen, dass sie den Massenmord nicht verstecken können, wenn sie lebendige Demokratien schaffen wollen.“

Das Wiesenthal-Zentrum hatte am Dienstag in deutschen Großstädten eine Kampagne zur Suche nach den letzten noch lebenden NS-Verbrechern gestartet. Kritik daran wies Zuroff zurück: „Es ist die Belohnung, die die Geschichte macht. Wenn ich zu einer Pressekonferenz einladen würde, um an den guten Willen Deutschlands zu appellieren und um Hilfe zu bitten, würde niemand kommen. Wir müssen uns auf die Anziehungskraft einer Belohnung verlassen. Aber einige der besten Informationen haben wir über die Jahre von Leuten bekommen, die kein Geld wollten.“ Der Historiker Michael Wolffsohn hatte die Belohnung kritisiert und als „Kopfgeld“ bezeichnet.

Für Efraim Zuroff bleibt die Verfolgung von Naziverbrechern nach wie vor sinnvoll und wichtig, auch wenn Betroffene 68 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hochbetagt sind. Die Zeit relativiere in keiner Weise die Schuld der Mörder. Sie verantwortlich machen zu können bedeute in jedem Einzelfall nicht nur einen Sieg der Justiz, sondern auch einen Erfolg für die Gesellschaft. Zuroff: „Das sendet ein machtvolles Signal im Kampf gegen die Leugnung des Holocaust.“

Zuroff fügte hinzu: „Ich habe niemals einen Naziverbrecher getroffen, der Bedauern oder Reue zeigte. Wenn überhaupt, dann genau das Gegenteil. Ich habe Leute getroffen, die stolz auf das waren, was sie getan haben.“

23. Juli 2013
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