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Aktuell Europa

Wien: Wilder Schlagabtausch der Präsidentschaftskandidaten

Ohne Moderator und ohne Themenvorgaben treten der Rechtspopulist Hofer und der Grüne Van der Bellen im Fernsehen gegeneinander an. Das Resultat entsetzt Österreich.

"Untergriffig" nennen die Österreicher ein gemeines, boshaftes Verhalten. Und "untergriffig" ist eine der in Online-Medien und sozialen Netzwerken am häufigsten gebrauchte Bezeichnungen für das 45-minutige Fernsehduell der beiden österreichischen Präsidentschaftskandidaten, Norbert Hofer (Artikelbild rechts) von der rechtspopulistischen FPÖ und Alexander Van der Bellen, der von den Grünen unterstützt wird.

Einen Moderator gab es nicht, auch keine inhaltlichen Vorgaben und so konnten beide Kontrahenten ungehindert verbal aufeinander einprügeln. Einen wesentlichen Teil der Sendung nahmen Vorwürfe darüber ein, was Unterstützer des jeweils anderen in sozialen Netzwerken an Beleidigungen gepostet hatten. Themen wie das Verhältnis zur EU, die Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit und die Flüchtlingskrise spielten eine weniger prominente Rolle - oder führten jeweils dazu, dass die Politiker sich immer mehr in die Haare gerieten.

Gegenseitige Beleidigungen

Immer wieder schien die Grenze zur Verunglimpfung verbal überschritten: "Frechheit", "Nachplapperer", "Lügner", "Oberlehrer" warfen sich die Herren gegenseitig an den Kopf. Der 72-jährige Van der Bellen ließ sich sogar dazu hinreißen, dem Kontrahenten den "Scheibenwischer" zu zeigen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA seinen Griff an die Stirn nannte.

Van der Bellen bemühte sich immer wieder, vor autoritären Zügen des rechtsgerichteten Hofer zu warnen. Dieser Hofer plane bereits, im Falle seiner Wahl zum Präsidenten die Regierung zu entlassen und Neuwahlen des Parlaments anzustreben, bei denen dann die rechtspopulistische FPÖ punkten solle. Die Stichwahl am kommenden Sonntag sei "eine Richtungsentscheidung zwischen einem kooperativen Stil und einem autoritären Stil", erklärte Van der Bellen.

Hofer konterte, das sei "Angstmache". Der 45-Jährige nannte seinen Kontrahenten einen "Lebensverlängerer des Systems" und hielt ihm vor: "Sie sind ein Kandidat der Schickeria, ich bin ein Kandidat der Menschen."

Medien: Unterstes Niveau

Medien und Politikexperten in Österreich reagierten entsetzt auf das TV-Duell. Die Online-Ausgabe der "Wiener Zeitung" fühlte sich an Catcher erinnert. Das Internetportal des Boulevardblatts bescheinigte den Kontrahenten "unterstes Niveau" und fragte: "Und DIE wollen in die Hofburg?" - dies ist der Amtssitz der österreichischen Bundespräsidenten in Wien. "Beide blamiert, Amt beschädigt", fasste der Politikberater Thomas Hofer die Fernsehdebatte zusammen. "Unmoderierte Politikerdiskussionen funktionieren nicht", resümierte der Wiener Politikwissenschaftler Hubert Sickinger.

FPÖ-Kandidat Hofer geht als Favorit in die Stichwahl am 22. Mai. In der ersten Runde hatte er 35,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Van der Bellen kam auf 21,3 Prozent.

wl/djo (dpa, internet)