Wiederhergestellt: Fritz Langs ″Der müde Tod″ | Filme | DW | 29.03.2016
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Filme

Wiederhergestellt: Fritz Langs "Der müde Tod"

Der Stummfilmklassiker von 1921 wurde vor Kurzem auf der Berlinale gezeigt. Filmarchive aus aller Welt haben mit dazu beigetragen, dass der Film wieder in einer Version gezeigt werden kann, die dem Original nahe kommt.

"Überall in der Welt werden die Pionierleistungen des Weimarer Kinos hoch geschätzt", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Weltpremiere vor kurzem im Rahmen der Berliner Filmfestspiele. Wer bei der feierlichen Aufführung mit Live-Musik im Berliner Friedrichstadtpalast nicht dabei sein konnte, der kann sich jetzt mit der gerade erschienenen DVD trösten.

Das mühsam rekonstruierte Original entfaltet auch auf dem kleinen Bildschirm seinen Zauber. Irgendetwas muss ja dran sein, wenn im digitalen Internetzeitalter die Karten für die Aufführung eines Stummfilms in dem mehrere tausend Sitzplätze fassenden Saal des riesigen Friedrichstadtpalastes innerhalb kurzer Zeit ausverkauft sind.

Monika Grütters: "Für eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie"

Das weiß auch das Ministerium von Frau Grütters. Deutsche Stummfilme aus der Weimarer Zeit gehören auch heute noch zu den Exportschlagern deutscher Kultur. Nicht zuletzt deshalb hat Grütters' Haus vor kurzem auf den Zerfall alter Filmkopien verwiesen, als sie das viele Millionen Euro schwere Programm zur Rettung ebendieser Filmklassiker auf den Weg brachte. Es gehe "jetzt darum, gemeinsam mit den Ländern und der Filmbranche eine nachhaltige Strategie für die Digitalisierung des nationalen Filmerbes zu erarbeiten", so die Ministerin.

Filmstill aus 'Der müde Tod' (Foto: Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung/Universum)

Lil Dagover und Walter Janssen als verliebtes Ehepaar. Wenig später stirbt der Ehemann.

Auch "Der müde Tod" profitierte schon von diesem Willen, die Filmschätze der Weimarer Republik zu retten. Warum ist der ganze Aufwand überhaupt nötig? Die Erklärung ist einfach: Altes Filmmaterial zerfällt mit der Zeit. Nun könnte man meinen, vorhandene Filmkopien der Klassiker müssten nur auf neues Material aufgezogen und digital für die Zukunft gesichert werden.

Zusammengetragen aus aller Welt: Kopien und Filmrollen

Doch das Beispiel "Der müde Tod" macht deutlich: Es gibt sie nicht, diese eine alte Kopie, die nur restauriert werden muss. Die entsprechenden Kopien, auf die sich die Restauratoren stützen, sind oft in Archiven und Cinematheken in aller Welt verteilt. Sie sind zudem oft nicht vollständig erhalten. Manchmal finden sich in einem Archiv in Südamerika drei von vier Rollen eines Meisterwerkes, in einer Moskauer Cinemathek lagert dagegen eben jene fehlende vierte Filmspule. Das zusammenzutragen, ist kompliziert und teuer.

Filmstill aus 'Der müde Tod' (Foto: Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung/Universum)

Der Tod zeigt sich in vielfacher Form

"Aufwendige digitale Restaurierungen sind nur bei wenigen herausragenden Filmklassikern beispielhaft möglich", sagt Ernst Szebedits von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und zeigt sich dankbar dafür, dass er Gelder nicht nur aus dem Ministerium erhält. Bei Fritz Langs "Der müde Tod" engagierte sich vor allem der Bertelsmann-Konzern. "Als Unternehmen, das seit 180 Jahren von den Kreativleistungen seiner Filmemacher, Autoren, Musiker und Journalisten lebt, wissen wir um den hohen Wert solcher inspirierenden und zeitlosen Werke", sagt der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe.

Zwischentitel und Musik werden neu gestaltet und komponiert

Bei der über ein Jahr andauernden Restaurierung unter Leitung von Anke Wilkening wurden Kopien aus aller Welt zusammengetragen. Eine kam vom Museum of Modern Art in New York, andere aus Archiven in Prag, Brüssel, Toulouse und München. Auch Gosfilm in Moskau steuerte wichtige Informationen bei. Dabei geht es bei einer solchen Restaurierung nicht nur darum, möglichst alle Film-Szenen wieder zusammenzufügen.

Filmstill aus 'Der müde Tod' (Foto: Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung/Universum)

Der Sensenmann ist in "Der müde Tod" stets präsent

Auch Zwischen- und Untertitel wurden im Laufe der Jahrzehnte verstümmelt oder gingen gar ganz verloren. Eine besondere Aufgabe bei der Restaurierung von "Der müde Tod" war zudem die nachträgliche Viragierung. Filme wie Fritz Langs düsteres Epos aus dem Jahre 1921 kamen damals nicht in Schwarz-Weiß zur Aufführung, sondern eingefärbt. "Da keine zeitgenössische Kopie von 'Der müde Tod' aus den 1920er Jahren überliefert ist, wurden die Färbungen anhand von Filmen aus der Decla-Produktion aus der gleichen Periode simuliert", so Chefrestauratorin Wilkening.

Stummfilmklassiker in Farbe: Der müde Tod

Nachtszenen wurden Blau eingefärbt, Rot sind heute die Szenen, in denen Feuer eine Rolle spielt. "Auch für die Wahl gelber und elfenbeinfarbener Virage für Außenszenen oder rosafarbender Virage für Innenszenen während des Tages und orangenfarbener Virage für Innenszenen am Abend finden sich mehrere Referenzen", erzählt Anke Wilkening.

Filmstill aus 'Der müde Tod' (Foto: Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung/Universum)

Die Bühnenbauer und Dekorateure haben in "Der müde Tod" ganze Arbeit geleistet: hier die China-Episode

Ein weiterer Bestandteil solch einer zweiten Uraufführung eines Klassikers ist die Musik. Bei der Berlinale wurde die Aufführung vom Radio-Symphonie-Orchester Berlin begleitet, Filmkomponist Cornelius Schwehr hatte eine eigens neu erstellte Musik beigesteuert. Das Live-Erlebnis hat man beim Betrachten des Films auf DVD natürlich nicht. Doch auch so entfaltet "Der müde Tod" seinen ganz eigenen Zauber.

Demnächst kommt Fritz Lang als Filmfigur ins Kino

Fritz Lang, dessen Leben im Übrigen gerade selbst zum Gegenstand eines Spielfilms geworden ist ("Fritz Lang" von Gordian Maugg kommt am 14.4. bundesweit in die Kinos), erzählt in "Der müde Tod" parabelhaft von einem faustischen Pakt zwischen dem Tod und einer jungen Frau. Diese bittet den in Gestalt eines hageren Mannes auftretenden Tod in einer Rahmenhandlung, ihr ihren verstorbenen Ehemann zurückzubringen.

Der Tod stellt der Frau drei Aufgaben. Lang lässt dieses historische Triptychon in drei verschiedenen Zeiten spielen: Im Venedig der Renaissance, im alten Orient und in China. Für die Kulissenbauer und Maskenbildner der deutschen Studios war das damals eine enorme Herausforderung. Heute entfaltet sich das Geschehen des Films nach der aufwendigen Restaurierung wieder in alter Pracht. Auch Dank der Unterstützung der Sponsoren und der Digitalinitiative der Bundesrepublik.

Fritz Lang: Der müde Tod, mit Lil Dagover, Walter Janssen, Bernhard Goetzke, Eduard von Winterstein, Paul Biensfeldt, Karl Huszár-Puffy u.v.a., auf DVD beim Anbieter Universum erschienen.

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