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Aktuell Afrika

Wieder viele Tote in Ägypten

Ägyptische Sicherheitskräfte sind erneut hart gegen Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi vorgegangen. Nach jüngsten Angaben der Behörden in Kairo starben allein am Samstag mindestens 72 Menschen.

Deutlich höhere Zahlen nennen die Islamisten. Ein Vertreter der Muslimbrüder, die nach wie vor Mursi unterstützen und seine Wiedereinsetzung fordern, sprach von rund 120 Toten. Dazu kämen mehr als 4000 Verletzte. Die Muslimbrüder warfen der Polizei vor, bei einem Protestlager in der Nähe einer Moschee in Kairo gezielt auf die Demonstranten geschossen zu haben.

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Ägypten: Streit über Opferzahlen

Mitarbeiter der "New York Times" bestätigten indirekt die Angaben der Muslimbruderschaft. Sie erklärten,auffallend viele Opfer hätten Schussverletzungen an Kopf und Brust aufgewiesen. Die Regierung weist die Vorwürfe, die Polizei habe gezielt mit scharfer Munition auf Islamisten geschossen, aber zurück. Diese hätten Zwischenfälle provoziert, um Sympathien zu gewinnen.

Wird Mursi zusammen mit Mubarak inhaftiert?

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Monat, dass es zu einem derart schweren Zusammenstoß von Polizei und Unterstützern des inhaftierten Ex-Staatschefs gekommen ist. Am 8. Juli hatten die Sicherheitskräfte 53 Mursi-Anhänger erschossen. Das Militär hatte Mursi Anfang Juli nach Massenprotesten gegen dessen Politik der Islamisierung abgesetzt. Der gestürzte Präsident solle nun in das gleiche Gefängnis gebracht werden, in dem der vor zwei Jahren gestürzte Ex-Machthaber Hosni Mubarak inhaftiert ist, sagte Innenminister Mohammed Ibrahim.

Nach der jüngsten Eskalation in Kairo sowie in Alexandria rief US-Außenminister John Kerry das ägyptische Militär und die Übergangsregierung zur Gewaltlosigkeit auf. Er habe unter anderem mit dem Übergangsvizepräsidenten Mohammed ElBaradei gesprochen und die "tiefe Besorgnis" der USA über das Blutvergießen zum Ausdruck gebracht, heißt es in einer Mitteilung Kerrys.

"Nur im Dialog, nicht durch Gewalt"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an die ägyptischen Behörden, "friedliche Demonstrationen zuzulassen und alles zu tun, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Nur im Dialog, nicht durch Gewalt kann die Zukunft Ägyptens gestaltet werden", erklärte Westerwelle in Berlin.

Angesichts der neuen Eskalation der Gewalt zeigte sich EU-Parlamentspräsident Martin Schulz entsetzt. "Ich bedaure, dass es die Sicherheitskräfte vergangene Nacht versäumt haben, das Leben so vieler Ägypter zu schützen", erklärte Schulz in Brüssel.

Friedliche Lösung nicht in Sicht

Ungeachtet der internationalen Appelle zur friedlichen Beilegung des Konflikts ist ein Ende des blutigen Machtkampfes nicht in Sicht. Innenminister Ibrahim sprach von "Provokationen" der Muslimbrüder. Zugleich betonte er, deren Dauerkundgebungen würden bald "auf legalem Weg" beendet und deren Protestlager geräumt.

haz/gmf (rtr, dpa, afp)

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