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Aktuell Asien

Wieder Tote bei Protesten gegen Koran-Verbrennung

In Afghanistan ist es wieder zu blutigen Unruhen wegen der Verbrennung von Ausgaben des Koran gekommen. Auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr gab es Tote. US-Präsident Obama bittet um Entschuldigung.

Afghan security forces arrive at the scene of an anti-U.S. demonstration at a NATO military base in Jalalabad, east of Kabul, Afghanistan, Wednesday, Feb. 22, 2012. Anti-American demonstrations continued for a second day Wednesday in Afghanistan over what the U.S. has said was the inadvertent burning of Muslim holy books at a NATO military base. (Foto:Rahmat Gul/AP/dapd)

Demonstration Afghanistan Koran Verbrennung

"Ich übermittele Ihnen und dem afghanischen Volk meine aufrichtige Entschuldigung", heißt in einem Brief von US-Präsident Barack Obama an seinen afghanischen Kollegen Hamid Karsai. Nach Angaben des Präsidentenpalastes in Kabul betonte Obama, dass die Verbrennung von Exemplaren des für Muslime heiligen Korans auf der US-Basis Bagram nicht vorsätzlich geschehen sei.

Auch habe Obama die vollständige Aufklärung des Falls zugesagt: "Der Fehler war unbeabsichtigt. Ich versichere Ihnen, dass wir geeignete Schritte unternehmen, um jede Wiederholung zu vermeiden." Dazu gehöre auch, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

US President Barack Obama (l) und Präsident Karsai (Foto: dpa)

Obama (l) betont, es handele sich um einen Fehler, der irrtümlich geschah

Untersuchung des Vorfalls gestartet

Der Vorfall sorgt seit Dienstag für Proteste aufgebrachter Afghanen. Wie die NATO-geführte Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) mitteilte, haben Vertreter der ISAF und der afghanischen Regierung eine Untersuchung des Gefängnisses auf dem Stützpunkt Bagram rund 60 Kilometer nördlich von Kabul begonnen, um die Umstände der Koranverbrennung zu klären.

Die Koran-Exemplare, die entsorgt werden sollten, waren zuvor Häftlingen zur Ausübung ihrer Religion zur Verfügung gestellt worden. In dem Gefängnis werden radikal-islamische Taliban als Verdächtige gefangen gehalten.

Taliban fordern Tötung ausländischer Soldaten

Die Taliban-Miliz rief erneut zu Angriffen auf ISAF-Soldaten auf. Afghanische Muslime sollten Stützpunkte und Konvois der internationalen Militärs angreifen, hieß es in einer Mitteilung der Aufständischen. An die einheimischen Sicherheitskräfte appellierten sie, ihre Waffen gegen Ausländer zu richten, um ihnen eine Lehre zu erteilen.

Bei Protesten in der östlichen Provinz Nangahar wurden zwei ISAF-Soldaten von einem afghanischen Kameraden erschossen. Die ISAF teilte mit, der Angreifer habe das Feuer auf ausländische Soldaten eröffnet. Zu Einzelheiten machte die Schutztruppe wie üblich keine Angaben. Unklar ist auch, ob der Vorfall mit der Koranverbrennung im Zusammenhang stand.

(Foto. Reuters)

Seit Tagen gehen tausende Afghanen aus Protest auf die Straße

Sturm auf Polizei-Hauptquartier in Baghlan

Zu Ausschreitungen kam es auch in der nordafghanischen Provinz Baghlan, die zum Einsatzgebiet der Bundeswehr gehört. Der Gouverneur des Distrikts Baghlan-e-Markasi, Amir Gul, sagte Hunderte Aufrührer hätten versucht, das dortige Polizei-Hauptquartier zu stürmen. Ein Demonstrant sei dabei getötet worden. Vier Menschen - zwei Demonstranten und zwei Polizisten - seien verletzt worden. Deutsche Soldaten kamen nicht zu Schaden.

Am Mittwoch waren nach unterschiedlichen Behördenangaben zwischen sieben und neun Demonstranten bei Ausschreitungen in Kabul und in ostafghanischen Provinzen getötet worden.

Karsai mahnt zu Besonnenheit

Bei einer Krisensitzung des Parlaments in Kabul mahnte Präsident Karsai zu Ruhe und Besonnenheit. Abgeordnete dagegen riefen zum Gotteskrieg gegen das amerikanische Militär auf. Beobachter befürchten, dass es am Freitag nach Ende des traditionellen Freitagsgebets in den Moscheen zu weiteren Unruhen kommen könnte.

Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle rief die Afghanen zu Gewaltlosigkeit auf. Die Bundesregierung sei bestürzt, dass durch die Verbrennung religiöser Texte die Gefühle vieler Menschen in Afghanistan verletzt wurden.

Die Proteste hatten begonnen, nachdem afghanische Arbeiter angekohlte Reste von Koran-Schriften auf dem US-Stützpunkt Bagram gefunden hatten. Der ISAF-Oberkommandeur, US-General John Allen, sprach von einem Irrtum und entschuldigte sich für den unsachgemäßen Umgang mit den religiösen Schriften. Auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta bedauerte die "unangemessene Behandlung" von Ausgaben des Korans.

uh/wl (dpa,rtr,dapd,epd)

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