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Welt

Wieder Tote bei Kämpfen im Jemen

Der Machtkampf im Jemen wird immer blutiger. Bei Gefechten zwischen Militär und Stammesmilizen sterben mehr als 40 Menschen in der Hauptstadt Sanaa. Droht dem Land ein Bürgerkrieg?

Bewaffnete Stammesmilizin hinter einer Barrikade (Foto: AP)

Stammesmilizen liefern sich erbitterte Kämpfe mit der Armee

Am Mittwochmorgen (25.05.2011) lieferten sich die jemenitische Armee und regierungskritische Stammeskämpfer wieder Gefechte in der Hauptstadt Sanaa. Mindestens drei Soldaten wurden dabei getötet. Bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern des Stammesfürsten Scheich Sadek el Ahmar starben am Dienstag bis in die Nacht bereits mindestens 24 Rebellen und 14 Soldaten. Auslöser der seit Montag andauernden blutigen Zusammenstöße war die Weigerung von Präsident Ali Abdullah Saleh am Sonntag, ein Abkommen für einen friedlichen Machtwechsel zu unterzeichnen.

Ahmars Stammeskämpfer hatten ebenfalls in der Nacht zum Mittwoch nach Aussagen von Augenzeugen die Kontrolle über die staatliche Nachrichtenagentur Saba erlangt. Ein Reporter sagte, bewaffnete Männer seien in das Gebäude eingedrungen und hätten die Journalisten aufgefordert, zu gehen.

Nahaufnahme eines schreienden jemenitischen Demonstranten (Foto: dpa)

Demonstranten fordern seit Januar den Rücktritt von Präsident Saleh

Kämpfe um Scheich Ahmars Residenz

Die Stammesmilizen kontrollierten bereits die nationale Fluggesellschaft Yemenia und versuchten, in das Innenministerium einzudringen. Die Kämpfe konzentrierten sich aber vor allem auf die Residenz von Scheich Sadik el Ahmar, die sich im selben Stadtteil wie die besetzten Gebäude befindet. Beide Seiten setzten Panzerfäuste, Mörsergranaten und Schnellfeuerwaffen ein. In der von Sicherheitskräften belagerten Residenz war eine Abordnung von Stammesführeren eingeschlossen, die am Dienstag versucht hatte, die regierungstreuen Truppen zu einem Waffenstillstand zu bewegen.

Ahmar gehört demselben Stamm wie Präsident Saleh an, er hatte sich aber im März vom Staatschef losgesagt und der Protestbewegung angeschlossen. Die Oppositionellen um Ahmar wären damit einverstanden, Saleh ins Exil gehen zu lassen. Die jungen Demonstranten fordern dagegen, dass der Machthaber vor Gericht gestellt wird.

Wann kommt der Machtwechsel?

Ali Abdullah Saleh (Foto: dapd)

Zögert seinen Rücktritt hinaus: Präsident Saleh

Die am Wochenende gescheiterte, von den benachbarten Golfstaaten vermittelte Vereinbarung, sah den Rücktritt Salehs innerhalb eines Monats und die Bildung einer Übergangsregierung vor. Anhänger der jemenitischen Protestbewegung fordern seit Januar, dass der seit 1978 regierende Präsident abdankt.

Präsident Saleh sagte am Mittwoch, das Abkommen sei noch nicht vom Tisch: "Ich bin im Rahmen eines nationalen Dialogs und eines klaren Verfahrens bereit zu unterzeichnen. Wenn das Verfahren in Ordnung ist, werden wir das Abkommen zum Machtwechsel unterschreiben und die Macht abgeben." Saleh betonte, er wolle keine weiteren Zugeständnisse mehr machen und er werde sich nicht von den Ahmar-Anhängern in einen Bürgerkrieg hineinziehen lassen.

Autorin: Gönna Ketels (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Annamaria Sigrist

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