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Kultur

Wieder Tote bei Brückeneinsturz

Zwei Wochen nach dem Brückeneinsturz in den USA ist in China eine neu gebaute Brücke ebenfalls zusammengebrochen. Dutzende Menschen starben. Die Regierung kündigte eine Überprüfung tausender Brücken im ganzen Land an.

Trümmer, davor ein Bagger (Quelle: AP)

Touristenattraktion in Trümmern: Die Brücke über den Tao-Fluss

Beim Einsturz einer gerade fertiggestellten Brücke in Zentralchina sind mindestens 22 Arbeiter getötet worden, 44 weitere galten am Dienstag (14.8.) als vermisst. Wie das chinesische Amt für Arbeitsschutz mitteilte, brach die Brücke über den Fluss Tao am Montag kurz nach ihrer Fertigstellung zusammen, während die Arbeiter mit den letzten Aufräumarbeiten beschäftigt waren. 56 Arbeiter konnten gerettet werden, teils schwer verletzt. Unklar war zunächst die Unglücksursache.

Die Unglücksstelle liegt im Bezirk Fenghuang, der wegen seiner Gebirgslandschaften und seiner alten Bauwerke ein beliebtes Touristenziel ist. Die Brücke verbindet den Bezirk mit dem Flughafen in der benachbarten Provinz Guizhou. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua bauten die Arbeiter gerade die Baugerüste ab, als die 268 Meter lange und 42 Meter hohe Brücke einbrach. Zu dem Zeitpunkt befanden sich noch 123 Arbeiter auf der Baustelle. 56 von ihnen arbeiteten noch auf der Brücke, Dutzende weitere unter ihr.

Pfusch am Bau durch Zeitdruck

Bergungskräfte tragen Opfer davon (Quelle: AP)

Hunderte Soldaten helfen bei den Bergungsarbeiten

"Es war unglaublich" zitierte Xinhua einen Augenzeugen namens Jiang. "Überall weinten Menschen, Hunderte versuchten, bei den Rettungsarbeiten zu helfen". Bergungskräfte, darunter rund 400 Soldaten, setzten am Dienstag die Suche nach Vermissten in den tonnenschweren Trümmern fort. Sie hatten kaum noch Hoffnung auf Überlebende.

Nach Angaben von Xinhua wurden der Projektmanager sowie der Bauleiter von der Polizei verhört. Zudem wurden alle Bauunterlagen beschlagnahmt, berichteten andere Medien. Wie die Tageszeitung "China Daily" unter Berufung auf das Kommunikationsministerium berichtete, sind viele alte Brücken dem rasant gestiegenen Autoverkehr nicht mehr gewachsen. Jüngere Brücken wiederum wurden aus Profitgier oftmals innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt - unter Verzicht auf die üblichen Sicherheitsstandards.

"Früher brauchten wir ein Jahr, um eine Brücke zu bauen, heute wird sie in der Regel in einem Monat hochgezogen", sagte der Leiter des Bauingenieur-Verbands, Xiao Rucheng, dem Blatt. Um den Zeitplan einzuhalten, werde auch bei heftigem Regen gearbeitet, obwohl jeder wisse, dass auf diese Weise Risse im Beton vorprogrammiert seien.

Behörden: 6300 Brücken werden überprüft

Fahrbahnteil hängt in ein einen Abgrund (Quelle: AP)

Erst vor zwei Wochen war im US-Staat Minneapolis eine Straßenbrücke eingestürzt

Bei den verunglückten Arbeitern handelte es sich zumeist um Bauern aus der Umgebung, die für das Bauprojekt eingestellt wurden. Mit vier dekorativen Steinbögen sollte die Brücke nahe der Stadt Fenghuang eine besondere Touristenattraktion werden. Erst am 15. Juni war in der südchinesischen Provinz Guangdong eine Brücke eingestürzt, deren Pfeiler im Fluss Xijiang von einem Sandfrachter gerammt wurden. Dabei kamen neun Menschen ums Leben.

Das Kommunikationsministerium kündigte eine Überprüfung von rund 6300 Brücken an, die Baumängel oder bereits Schäden aufweisen. Mit der Maßnahme zog die Regierung laut den chinesischen Medien allerdings nicht die Konsequenzen aus den Vorfällen im eigenen Land – sondern aus dem spektakulären Brückeneinsturz in den USA vor rund zwei Wochen. (rri)

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