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Aktuell Amerika

Wieder tödliche Polizeischüsse auf Afroamerikaner

Nur einen Tag nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen Afroamerikaner in den USA hat erneut ein Beamter einen Schwarzen erschossen. Erneut ist unklar, ob überhaupt eine Gefahr von ihm ausging.

Der junge Mann starb nach Polizeiangaben in seinem Fahrzeug, nachdem er in dem Ort Falcon Heights im US-Bundesstaat Minnesota am Straßenrand angehalten hatte. Am Ort des Geschehens sei eine Pistole gefunden worden. Der Vorfall werde untersucht.

Ein auf Facebook veröffentlichtes Handyvideo von der Freundin des Opfers im Bundesstaat Minnesota, das die letzten Augenblicke im Leben des 32-Jährigen zeigt, sorgt im Internet für Entsetzen. In dem Live-Video ist zu sehen, wie der Mann - von Familie und Aktivisten als Philando Castile identifiziert - am Steuer seines Wagens sitzt, während sich große Blutflecken auf seinem weißen Hemd ausbreiten. "Oh mein Gott, bitte sagt nicht, dass er tot ist, bitte sagt nicht, dass mein Freund gerade einfach so gegangen ist (...) Sie haben gerade vier Kugeln auf ihn abgefeuert, Sir", ist Castiles Freundin Lavish Reynolds zu hören, wie sie den mutmaßlichen Polizeischützen anspricht.

Tochter saß auf dem Rücksitz

Reynolds, die auf dem Beifahrersitz saß, lud das Video selbst auf ihrer Facebook-Seite hoch, es wurde bereits von mehr als 1,7 Millionen Menschen angeschaut. Hinten im Wagen saß zudem Reynolds kleine Tochter. Das Fahrzeug wurde laut Reynolds angehalten, weil es ein kaputtes Rücklicht hatte. Später sagte die Frau aus, in dem Auto habe sich auch Marihuana befunden. Ihr Freund habe eine Waffenlizenz gehabt. Unterstützer richteten später eine Facebook-Seite ein namens "Gerechtigkeit für Philando Castile". Dort heißt es: "Philando Castile wurde am 7. Juli 2016 von der Polizei ermordet. Wir fordern Gerechtigkeit!"

Erst am Dienstag war ein Afroamerikaner im Bundesstaat Louisiana von der Polizei erschossen worden. Dem 37-jährigen Alton Sterling, der vor einem Laden in Baton Rouge CDs verkauft hatte, wurde bei dem Polizei-Einsatz mehrfach aus kurzer Distanz in die Brust geschossen. Ein ebenfalls im Internet verbreitetes Video hält den Vorfall fest.

Zwei Tote innerhalb von 48 Stunden

Zum Tod des CD-Verkäufers, der nun auch das US-Justizministerium beschäftigt, äußerte sich die voraussichtliche demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. In einem offiziellen Statement auf Twitter verwies sie auf weitere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze: "Von Staten Island bis Baltimore, von Ferguson bis Baton Rouge beklagen zu viele afroamerikanische Familien den Verlust eines geliebten Menschen durch einen Vorfall mit Polizeibeteiligung." Etwas laufe "zutiefst falsch, wenn so viele Amerikaner Grund haben zu glauben, dass das Land sie aufgrund ihrer Hautfarbe nicht für ebenso wertvoll hält wie andere", erklärte Clinton weiter. Rund hundert Menschen, darunter Verwandte und Freunde des getöteten Sterling, demonstrierten am Abend vor dem Geschäft.

Immer wieder gegen Schwarze

Ähnliche Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze hatten in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Im Sommer 2014 löste der gewaltsame Tod des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen aus. Im vergangenen Jahr entfachte der Tod von Freddie Gray in der Ostküstenstadt Baltimore wütende und teilweise gewalttätige Proteste. Der Afroamerikaner war in Polizeigewahrsam gestorben.

cr/sti (dpa, afp)