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Aktuell Amerika

Wieder Studenten-Proteste in Chile

Mehr als 100.000 junge Menschen sind in Chile erneut auf die Straße gegangen. Ihre Forderung: die Abschaffung der Studiengebühren und ein besseres, effizienteres Bildungssystem.

An der ersten Großdemonstration in Santiago in diesem Jahr gegen die Bildungspolitik der Regierung von Präsident Sebastián Piñera beteiligten sich nach Schätzungen bis zu 120.000 Studenten, Schüler und Lehrer. Der Protestzug durch die Hauptstadt wurde von hunderten Polizisten und weiteren Einsatzkräften begleitet. Die Kundgebung verlief im Gegensatz zu einigen früheren Veranstaltungen dieser Art weitgehend ohne Zwischenfälle. Auch in anderen Städten wie Concepción und Valparaíso gingen Studenten auf die Straße. In Valparaiso, rund 120 Kilometer nördlich von Santiago, versuchte die Polizei die Studentendemonstration mit Wasserwerfern aufzulösen (Artikelbild).

Studenten wollen radikalen Wandel des Bildungssystems

Die Unzufriedenheit mit dem chilenischen Bildungssystem schwelt seit Jahren. Seit Mai 2011 gehen Schüler und Studenten immer wieder auf die Straße, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Sie halten das Bildungssystem für ineffizient und verlangen eine Bildungsreform und mehr Geld für Schulen und Universitäten. Die Hauptforderung der jungen Menschen ist das Recht auf eine gebührenfreie Bildung für alle.

Die Regierung hat bereits mehrere Reformgesetze eingebracht, vor allem, um Kredite für die Studenten günstiger zu machen. Die Maßnahmen konnten aber den Protest nicht beenden. Ein Großteil der Bildungseinrichtungen in dem südamerikanischen Land ist weiterhin kostenpflichtig. An den Universitäten werden generell Studiengebühren erhoben, an vielen Schulen muss Schulgeld gezahlt werden.

Bildung ist extrem teuer

Das chilenische Bildungssystem ist für die betroffenen Familien sehr kostspielig. Ein Ingenieursstudium kostet zum Beispiel mehr als 40.000 Dollar. Und das in einem Land, in dem die Hälfte der Haushalte weniger als 1000 Dollar im Monat verdient. Viele junge Menschen müssen sich verschulden, um ein Studium aufzunehmen.

1981 hatte Chiles damaliger Diktator Augusto Pinochet die kostenlose Universitätsausbildung abgeschafft. Anfang der 1990er Jahre wurde das Bildungssystem für den privaten Markt geöffnet. Heute lernen 60 Prozent der Studenten an privaten Hochschulen. Die staatlichen Einrichtungen sind chronisch unterfinanziert.

Die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, die bei den Präsidentenwahlen im November erneut das Amt anstrebt, sprach sich kürzlich für ein kostenloses Studium in ihrem Land aus. Bildung sei "ein Recht und kein Geschäft", erklärte sie.

qu/kle (dpa, afp, AP, rtre)